Stars in der Schule

Stars der "Klassik" besuchen Schulen

Für Schülerinnen und Schüler ist es immer ein besonderes Erlebnis, wenn „Stars“ der Klassik-Branche zu ihnen in die Schule kommen. Die unmittelbare Nähe, Musizieren und Gespräche auf „Tuchfühlung“ schaffen eine ganz spezielle Beziehung, selbst für Jugendliche, die meinen, keinen so "guten Draht" zur klassischen Musik zu haben. Begeisterung kann überspringen, Leidenschaft fasziniert, da gibt es wohl ein Geheimnis in der Kunst, das es lohnt, weiter zu erforschen...

2007 haben wir zum ersten Mal in Kooperation mit der Initiative Rhapsody in School einen derartigen Schulbesuch organisiert. Die Geigerin Arabella Steinbacher, damals 26 Jahre jung, kam für 2 Stunden in ein Wiener Gymnasium, spielte auf ihrer kostbaren Stradivari-Geige, beantwortete bereitwillig Fragen nach den Anfängen ihrer Karriere – und vermochte zu überzeugen.

Seit 2015/16 präsentieren wir zudem Education Projekte mit den "Rising Stars" der European Concert Hall Organisation ECHO.

Michael Barenboim

Ob der Geigensolist Michael Barenboim seinen zwei kleinen Kindern die Liebe zur Musik weitergeben kann? „Meine dreijährige Tochter wollte unbedingt Violine lernen wie ihr Vater. Ich habe mein Möglichstes getan, um das zu verhindern! Aber sie ist stur. Und heute steht sie jede Woche mit höchster Konzentration und Ernsthaftigkeit im Unterrichtszimmer und macht unglaubliche Fortschritte.“ Und auch der fünfjährige Sohn hat mit Geigenunterricht begonnen, allerdings hat ihn die Schwerkraft bald zum Cello wechseln lassen, denn: „Das ist gemütlicher!“ 
Der beeindruckende Klang der fast 300 Jahre alten Stradivari erfüllt gleich zu Beginn des Schulbesuchs den neu gebauten und soeben fertig gestellten Chorprobenraum des Gymnasiums Polgarstraße, 1220 Wien. Vom Satz einer Partita für Violine-Solo von Johann Sebastian Bach geht es im fliegenden Wechsel durch die Jahrhunderte weiter zu Arnold Schönbergs Violinkonzert op. 36. Welche Anleihen hat der Komponist an alten musikalischen Formstrukturen genommen? Welche Zitate kann man darin finden? Und was hat es mit Zwölftonreihen auf sich? Michael Barenboim bringt die wichtigsten Fakten rund um Schönbergs Musik in einer musikalisch angereicherten Brandrede auf den Punkt – höchst lebendige Musikgeschichte im Schnelldurchlauf. „Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel Schönberg?“, fragt er später. Doch die echte Faszination, die Liebe zu Schönbergs Musik ist jedem beschriebenen kompositorischen Detail anzumerken – und beeindruckt auch die rund vierzig Schülerinnen und Schüler. Da darf die Musik stellenweise auch ruhig nach „Gruselfilm“ klingen.
 „Wie lange muss man üben bis man so ein Stück spielen kann?“, fragt eine Schülerin. Kurzerhand greift Michael Barenboim zu seinen Noten: „Ich war 19 Jahre alt, als ich zum ersten Mal dieses Werk spielte. Ich habe mir die erste Seite angesehen und dachte mir: Ja, das schaffst du, ist doch in Ordnung. Dann habe ich ein Mal umgeblättert – und plötzlich sah es so aus. Und dann habe ich noch ein Mal umgeblättert – und es sah noch schlimmer aus! Und dann geht es 20 Seiten lang so weiter.“ Und so muss man wohl anerkennen: Das Studieren und Üben hat im Musikgeschäft wohl nie ein rechtes Ende.
Vielen Dank an Michael Barenboim und „Rhapsody in School“!

Chicago Symphony Orchestra

Sechs Musikerinnen und Musiker, zwei Geigen, eine Bratsche, ein Kontrabass, ein Horn, eine Snare Drum samt Sticks, eine Schreibmaschine, Noten, die Tourmanagerin, der Tourfotograf - die beiden Autos, die den Tross vom Musikverein in das Musikgymnasium in die Neustiftgasse (1070) führen, sind gut gefüllt! Doch das Reisen sind die Musikerinnen und Musiker des Chicago Symphony Orchestra ohnehin gewöhnt, schließlich befinden sie sich momentan auf ihrer achten Europa-Tournee mit ihrem Chefdirigenten Riccardo Muti. Das Orchester ist aber nicht nur als brillanter Klangkörper bekannt, sondern auch für sein Engagement im Education-Bereich. Und so war es ausdrücklicher Wunsch des Orchesters, während ihres Stopps in Wien zwischen all den Proben und Konzerten auch eine Schule zu besuchen und in Kontakt mit jungen Menschen zu treten – gesagt, getan!
Weshalb die alte Schreibmaschine des Percussionisten Vadim Karpinos unbedingt mitmusste, stellte sich jedenfalls gleich zu Beginn des einstündigen Schülerkonzerts heraus: Im amerikanischen Repertoire des Sextetts durfte Leroy Andersons Stück „The Typewriter“ natürlich nicht fehlen. Die Schülerinnen und Schüler, einige selbst auf dem Weg zu einer professionellen MusikerInnen-Karriere, hatten aber auch Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch: Wie werden Probespiele des Chicago Symphony Orchestra abgehalten? Ist der Beruf eines Orchestermusikers bzw. einer Orchestermusikerin überhaupt mit einer Familie zu vereinbaren? Und wie viele Stunden üben die Musikerinnen und Musiker täglich?
Doch dann folgt der Rollentausch: In den anschließenden Masterclasses für Violine, Viola, Kontrabass, Horn und Schlagwerk werden die Schülerinnen und Schüler selbst auf ihren Instrumenten aktiv. Unter Anleitung der Profis werden Stücke für den nächsten Wettbewerb geschliffen, die Schlagtechnik an der Snare Drum verfeinert, an der Körperhaltung am Kontrabass gearbeitet oder Bogenführung und Fingersatz an Bratsche und Geige durchdacht. Und wie immer wurde die Zeit zu knapp – noch beim Verlassen des Schulgebäudes steckt Bratschist Wei-Ting Kuo seinen Schützlingen ein paar letzte Tipps zu.
Der Musikverein Wien dankt Ella Ionescu, Russell Hershow, Wei-Ting Kuo, Rob Kassinger, Oto Carrillo, Vadim Karpinos, Vanessa Moss, Todd Rosenberg und Jonathan McCormick vom Chicago Symphony Orchestra und dem Musikgymnasium für die Zusammenarbeit!

Magnus Holmander, Klarinette

Wer hat die Seite auf dem Notenständer umgeblättert? Und wohin ist die Klarinette nach der Zugabe plötzlich verschwunden? Der Schwede Magnus Holmander – ECHO (European Concert Hall Organisation)-„Rising Star“, hochbegabter Klarinettist, Magier und Tänzer – präsentiert an seinem Konzertabend mit Korrepetitor David Huang im Brahms-Saal des Musikvereins seine vielfältigen Talente, allen voran an der Klarinette. Doch zum Feiern oder Ausruhen bleibt nicht viel Zeit, denn schon am nächsten Vormittag wird die Klarinette schon wieder ausgepackt – dieses Mal im Gymnasium Boerhaavegasse 15 (1030). 
Worauf denn die rund 80 Jugendlichen musikalisch momentan am meisten Lust hätten? Soll es etwas Meditatives, etwas Jazziges oder doch etwas Aktivierendes sein? Das Wunschkonzert wird schließlich mit Malcolm Arnolds „Sonatina für Klarinette und Klavier“ eröffnet – und ab diesem Moment lauschen die Schülerinnen und Schüler für eine Stunde gebannt. Magnus Holmander und David Huang wiederum freuen sich über das anwesende Publikum, denn Arnolds Sonate stand bereits bei einer gemeinsamen Konzertreise durch Nordschweden auf dem Programm, doch die Konzertsäle blieben damals aufgrund der traditionellen und hochbeliebten Elchjagd leer. Und auch danach bleibt ihr Heimatland Schweden von Interesse: Sie erzählen vom Kammermusikfestival auf der Insel Gotland (inklusive Urlaubstipp!), wo sich die beiden Duopartner vor drei Jahren kennenlernten, vom Leben in Stockholm und ihrer engen Zusammenarbeit mit zeitgenössischen schwedischen Komponisten. Die Klarinette allerdings sei eigentlich nicht sein Wunschinstrument gewesen, meint Magnus auf Nachfrage eines Schülers. Mit zehn Jahren musste er für das Bläserklassenprojekt an seiner Schule ein Blasinstrument auswählen. Als sich herausstellte, dass nicht nur er, sondern beinahe alle das Saxophon am „coolsten“ fanden, musste Magnus wohl oder übel auf sein Instrument zweiter Wahl umschwenken: die Klarinette. Doch bereut hat er seine Wahl nicht.
Anschließend wendet sich der Klarinettist einer besonderen Atemtechnik zu: der Zirkularatmung. Nach einer imposanten Demonstration am Instrument können die Schülerinnen und Schüler im Trockentraining selbst ausprobieren. Einen Tipp gibt Magnus ihnen mit auf den Weg: „If you look like a frog, you do it right!“ Nach diesem Intermezzo fahren die beiden Musiker mit Arvo Pärts meditativem Stück „Spiegel im Spiegel“ fort und es gefällt so sehr, dass sich die Jugendlichen ab sofort im Schulchor mit dem Komponisten beschäftigen möchten. Den musikalischen Abschluss macht Benjamin Staerns „Scherzo absurdo“, ein von indischen Rhythmen beeinflusstes Stück im 5/12-Takt. „Next time we all dance to this music, I think it will look pretty funny!“, schmunzelt Magnus am Ende der Stunde.
Der Musikverein Wien dankt Magnus Holmander, David Huang und dem Gymnasium Boerhaavegasse für die Zusammenarbeit!