Stars in der Schule

Stars der "Klassik" besuchen Schulen

Für Schülerinnen und Schüler ist es immer ein besonderes Erlebnis, wenn „Stars“ der Klassik-Branche zu ihnen in die Schule kommen. Die unmittelbare Nähe, Musizieren und Gespräche auf „Tuchfühlung“ schaffen eine ganz spezielle Beziehung, selbst für Jugendliche, die meinen, keinen so "guten Draht" zur klassischen Musik zu haben. Begeisterung kann überspringen, Leidenschaft fasziniert, da gibt es wohl ein Geheimnis in der Kunst, das es lohnt, weiter zu erforschen...

2007 haben wir zum ersten Mal in Kooperation mit der Initiative Rhapsody in School einen derartigen Schulbesuch organisiert. Die Geigerin Arabella Steinbacher, damals 26 Jahre jung, kam für 2 Stunden in ein Wiener Gymnasium, spielte auf ihrer kostbaren Stradivari-Geige, beantwortete bereitwillig Fragen nach den Anfängen ihrer Karriere – und vermochte zu überzeugen.

Seit 2015/16 präsentieren wir zudem Education Projekte mit den "Rising Stars" der European Concert Hall Organisation ECHO.

Peter Moore

Ob es wohl einen Tipp gibt, den ein "Rising Star" Musikstudierenden geben kann, die gerade einmal vier, fünf Jahre jünger sind als er selbst? "Listen to as much music as possible!", meint Peter Moore, "go to concerts again and again, there is so much going on here in Vienna!"  Je mehr man hört, umso besser kann man sich ein Bild von den mannigfaltigen Klangmöglichkeiten der Musik machen. Und, ergänzt Pianist James Baillieu, "Never try to sound like somebody else!" Das ist ganz besonders schwierig, aber auch ganz besonders wichtig für ausübende Musikerinnen und Musiker: Zu sich selbst zu finden, den eigenen Stil, das eigene Selbst-Bewusstsein zu entwickeln – daran arbeitet man ein Leben lang…
 
Rising Star Peter Moore, 22, Posaune, und sein Klavierbegleiter James Baillieu besuchten am Tag nach einem umjubelten Konzert im Brahms-Saal das Wiener Musikgymnasium, das die beiden in London lebenden Musiker als Schulform sehr beeindruckte: "I wish we had a school like that in the UK", gab Peter Moore seiner Bewunderung Ausdruck. Sparmaßnahmen hätten in Großbritannien ursprünglich höchst engagierte Initiativen in Music Education massiv zusammengestrichen. Umso freudiger gingen Peter und James hier in Wien "to school", um den Musikstudierenden Auszüge aus ihrem Konzertprogramm vorzuspielen und auch die vielen Fragen der Anwesenden zu beantworten – gibt es doch derzeit gerade eine starke Blechbläserfraktion im Musikgymnasium. 
 
Wie viele Stunden also übt ein "Rising Star" täglich, was fühlt er, wenn er zum ersten Mal in einem Haus wie dem Musikverein steht – "panic!" schmunzelt Peter  - und spielt er, der auch Mitglied des London Symphony Orchestra ist, lieber Solokonzerte oder im Orchester? Bei letzterem ist Peter beides wichtig, würde er nur solo spielen, würde er sich auf die Dauer wohl einsam fühlen. 
 
Und wie ist er überhaupt zur Posaune gekommen? Ganz einfach: Als er ein kleiner Bub war, begeisterte ihn der Zugteil des Instrumentes einfach ungemein, damit wollte er unbedingt spielen 😊. Und später war es der Klang des Instrumentes, das Peter Moore allerdings auch mit besonders weichem, schönen Ton zu spielen versteht. Nicht umsonst sucht er das eher schmale Repertoire für Posaune durch Bearbeitungen von Liedern zu erweitern. So waren sowohl die "Vier ernsten Gesänge" von Brahms als auch Songs von George Gershwin faszinierend vorgetragene Teile seines Programms. Resümee: "Looking forward to welcoming you again here in Vienna!"
 
Zum Besuch von Rising Star Peter Moore und seinem Klavierbegleiter James Baillieu am Dienstag, 13. November 2018, im Musikgymnasium, 1070 Wien, Neustiftgasse 95-99

Quatuor Arod

Fächerübergreifender Unterricht der besonderen Art war am 12. März 2019 im Gymnasium Billrothstraße 73, 1190 Wien, zu erleben: Während Künstlergespräche in englischer Sprache für Schülerinnen und Schüler mittlerweile nahezu Alltag sind, bot das aus Paris stammende Quatuor Arod den 6. Klassen Gelegenheit, ihre Französisch-Kenntnisse in der Praxis zu erproben.

Hilfreich war die Tatsache, dass Prof. Katharina Tanzler neben Musik auch Französisch unterrichtet. Binnen kürzester Zeit entwickelte sich ein lebhaftes Frage- und Antwortspiel, in dem die jungen Franzosen über ihre Wege zum Status "Rising Stars" berichteten und die jungen Wienerinnen und Wiener neben lupenreinem Französisch auch beeindruckende Musik von Johannes Brahms und Wolfgang Amadeus Mozart zu hören bekamen. Hund Charlie von Primgeiger Jordan Victoria genoss die Streicheleinheiten aller Anwesenden sichtlich, erkundete interessiert die Gegend und verhielt sich ansonsten bewundernswert ruhig – wie es sich für einen konzerterprobten Vierbeiner offensichtlich gehört. Zur Belohnung gab es für Charlie ein Schälchen frisches Wiener Hochquellwasser und für die Arods und ihre Begleitung aus dem Musikverein, Fotografin Nives Kanonier und Organisatorin Désirée Hornek, Kaffee und Kekse.

Vielen Dank!

Quatuor Arod: Jordan Victoria, 1. Violine / Alexandre Vu, 2. Violine / Tanguy Parisot, Viola / Samy Rachid, Violoncello / Für den Gemeinschaftszyklus "Rising Stars" der European Concert Hall Organisation ECHO nominiert von BOZAR Brussels und Het Concertgebouw Amsterdam

Josep-Ramon Olivé

Zum krönenden Abschluss wurde das katalanische Volkslied "Cant dels ocells" (Lied der Vögel) gemeinsam einstudiert und von den versammelten Schülerinnen und Schülern des Wiedner Gymnasiums eindrucksvoll gesungen. Davor hatten die Jugendlichen Rising Star Josep-Ramon Olivé, Bariton aus Barçelona, mit Fragen regelrecht gelöchert und seinen Ausführungen mit großem Interesse gelauscht. Josep-Ramon war von Qualität und Fülle der Fragen ebenso beeindruckt wie von den Englischkenntnissen der Schüler/innen – in Spanien, schmunzelte er, wäre so eine question-and-answer-session in einer Fremdsprache ein Desaster. 

Mit Pianist Jordi Armegol bot Josep-Ramon im Festsaal der Schule zwei Lieder in seiner Muttersprache Katalanisch und ein Richard-Strauss-Lied auf Deutsch (Die Nacht), wobei er davor, wie er gestand, ein wenig Angst gehabt hätte, ob seine Artikulation deutlich genug und richtig wäre. Auf Spanisch (!) erklärte ihm nachher eine Schülerin, er hätte im Deutschen überhaupt keinen Akzent erkennen lassen. Wobei Josep, wie er zu seinem Bedauern gestehen musste, nur ganz wenige Worte Deutsch beherrscht ("Guten Abend, meine Damen und Herren" in seinem bejubelten Brahms-Saal-Konzert am Vorabend). Wie es gelingt, Liedtexte in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Tschechisch oder Russisch – letzteres in kyrillischer Schrift! – zu erlernen, erläuterte der junge Katalane den österreichischen Schüler/innen genau. Man braucht einen guten Sprachcoach, der auch vom Gesang viel versteht, und muss den sprachlichen Text genauso akribisch studieren wie den Notentext. An dem Unterschied in der Aussprache des englischen "house" zum deutschen "Haus" z. B. muss man schon eine ganze Weile feilen. 

Und wie er, der auch auf der Opernbühne zu Hause ist, mit ungewöhnlichen Ideen von Regisseuren umgeht? Ja, lachte Josep, heutzutage muss man ja gelegentlich auf dem Boden rollend oder gar im Kopfstand singen, das ist dann durchaus eine ziemliche Herausforderung. Einmal wurde er in einem Kran schwingend über eine Bühne gefahren und hatte dabei zu singen. Und bei "Carmina burana" in einer Inszenierung von La Fura dels Baus stand er bis zur Taille in einem Becken mit (zu Wein) rot gefärbtem Wasser und musste während seiner Baritonpartie das vor ihm sitzende Publikum fortwährend anspritzen. Einige Zusehende hatten offenbar Entsprechendes erwartet und zur Sicherheit – Regenschirme mitgebracht 😊 

Feedback zum Schulbesuch von Josep-Ramon Olivé

Gymnasium 1040 Wien, Wiedner Gürtel 68

Den Schülern und Schülerinnen hat es SEHR gut gefallen, sie waren sehr beeindruckt, was die menschliche Stimme alles leisten kann und wie Raum füllend eine Stimme sein kann. Die nette Art von Josep-Ramon Olivé ist sehr gut angekommen. Für die meisten war es ein echtes aha, was hinter dem Beruf Sänger alles noch steckt, wie genau man sich mit dem Text auseinandersetzen muss und mit der Sprache. Sein Deutsch und die Ausdruckskraft in der ihm unbekannten Sprache hat die Schülerinnen und Schüler wirklich beeindruckt. Das Ausmaß und die Balance von Gesang und Sprechzeit wurde als gut balanciert empfunden. Auch die Intensität der Auseinandersetzung und das Ausmaß an Übungszeit vor allem für den Pianisten hat überrascht. Ich glaube, hier hat wirklich eine gelungene Begegnung mit der künstlerischen Arbeit und dem Beruf Musiker/Sänger stattgefunden und den Horizont der Schülerinnen und Schüler stark erweitert.