Stars in der Schule

Stars der "Klassik" besuchen Schulen

"Was wir aus dem Vortrag mitgenommen haben, ist, dass wir unseren eigenen Weg gehen und unsere Träume verwirklichen sollen, dass aber die Schule dennoch wichtig ist." Anne-Sophie und Johanna (15)

Für Schülerinnen und Schüler ist es immer ein besonderes Erlebnis, wenn „Stars“ der Klassik-Branche zu ihnen in die Schule kommen. Die unmittelbare Nähe, Musizieren und Gespräche auf „Tuchfühlung“ schaffen eine ganz spezielle Beziehung, selbst für Jugendliche, die meinen, keinen so "guten Draht" zur klassischen Musik zu haben. Begeisterung kann überspringen, Leidenschaft fasziniert, da gibt es wohl ein Geheimnis in der Kunst, das es lohnt, weiter zu erforschen...

2007 haben wir zum ersten Mal in Kooperation mit der Initiative Rhapsody in School einen derartigen Schulbesuch organisiert. Die Geigerin Arabella Steinbacher, damals 26 Jahre jung, kam für 2 Stunden in ein Wiener Gymnasium, spielte auf ihrer kostbaren Stradivari-Geige, beantwortete bereitwillig Fragen nach den Anfängen ihrer Karriere – und vermochte zu überzeugen.

Seit 2015/16 präsentieren wir zudem Education Projekte mit den "Rising Stars" der European Concert Hall Organisation ECHO.

Nora Fischer

Ihre Muttersprache ist Holländisch, ihre Vatersprache Ungarisch, ihr Lebensmittelpunkt derzeit London, weswegen sie perfektes Englisch spricht, während ihres Studienaufenthaltes in Kopenhagen kam auch ein wenig Dänisch dazu, ein bisschen Französisch („da hab ich so viel schon wieder vergessen!“), Italienisch und Spanisch geht sich auch noch aus und ihr Konzert im Brahms-Saal des Musikvereins hat sie souverän auf Deutsch moderiert: Nora Fischer ist eindeutig ein Sprachentalent, wobei die Sprache, die man – laut Joseph Haydn - „durch die ganze Welt versteht“ die Musik ist, und auch die beherrscht Nora Fischer auf sehr spezifische, eindrucksvolle Weise.


Dies war am Tag nach ihrem Konzert im Brahms-Saal (12. März 2018) auch beim Schulbesuch im BG & BRG 3 Boerhaavegasse zu erleben. Nora sang Ausschnitte aus ihrem breit gestreuten Repertoire von Barockmusik bis in die Moderne, wobei, wie sie erklärte, für die Konzertserie von ECHO das Programm eher klassisch gehalten war, sonst arbeitet sie durchaus gerne mit Pop- und Elektronikmusikern zusammen. Fragen der Jugendlichen wurden bereitwillig beantwortet, auch vom begleitenden Pianisten Daniel Kool. Zum „Üben“ hat Nora übrigens einen ganz besonderen Zugang – den kennen aber jetzt nur die Schülerinnen und Schüler der Boerhaavegasse… 

Zurück von der Schule kletterte Nora dann mit unserem Fotografen aufs Dach des Musikvereinsgebäudes, um für die Facebook-Reihe "Interview vom Dach der Musik" nonverbal Fragen zu beantworten – noch eine „Sprache“, die Nora perfekt beherrscht. 

Bezeichnend der Titel des Artikels über Nora Fischer in unserer Monatszeitung: „Keine Kompromisse“

Emmanuel Tjeknavorian

Wenn sich ein 11-Jähriger schon bemüht, die Klassenkameradin, die Mozart urlangweilig findet, für klassische Musik zu begeistern, schlummert in dem geigerisch Hochbegabten wohl auch ein veritables pädagogisches Geschick. Nun kehrt Rising Star Emmanuel Tjeknavorian vier Jahre nach der Matura in seine alte Schule, das Sacre Coeur Wien, zurück und freut sich riesig, als bei seiner Frage, wer denn schon einmal ein klassisches Konzert besucht habe, fast alle Hände in die Höhe schnellen. 

Was schüttelt man in so einem Schulkonzert (5. Dezember 2017) am Vormittag aus dem geigerischen Handgelenk? Leichte Kost ist nicht angesagt: Bachs Chaconne aus der d-Moll Partita ist sein erstes Stück. Und dann die „Letzte Rose“ von Heinrich Wilhelm Ernst. Ja, da „muss ich jetzt ein bisschen arbeiten“ erklärt Emmanuel – und setzt die fingerbrecherischen Variationen glasklar in den Raum. Wie lang braucht man, bis man so ein schwieriges Stück drauf hat, will eine Schülerin wissen? Für eine der weniger als 1 Minute dauernden Variationen hat er eine Woche lang jeden Tag 11 Stunden geübt….

Ob er je daran gedacht hat, alles hinzuschmeißen? Es gibt schon Tage, wo nicht alles rund läuft, an denen man zweifelt. Aber eine „Leben ohne Musik, das kann ich mir nicht vorstellen!“

„Interview vom Dach der Musik“ mit Emmanuel Tjeknavorian.

Ellen Nisbeth

Ellen Nisbeth, Rising Star aus Schweden, fühlte sich ganz besonders „honoured“ and „privileged“, dass sie am Tag nach ihrem Wien-Debut im Musikverein (15. Mai 2018) auch in einer Schule – dem BORG für Musik und Kunst, Wien 1, Hegelgasse 12 - musizieren und in direkten Kontakt mit Jugendlichen treten durfte. Gespielt wurden Auszüge aus dem Konzertprogramm des Vorabends und auch ein neues Stück, dessen Komponist von den SchülerInnen erraten werden sollte – und wurde! (Tschaikowskij). Am Klavier und in der Moderation begleitete Routinier Bengt Forsberg. 

In vielen, vielen Fragen wollten die Jugendlichen wissen, ob Ellen neben ihrer internationalen Karriere noch Zeit für Privatleben bleibt, wie so eine internationale Karriere überhaupt zustande kommen kann, wie der Umstieg von Geige auf Viola gelungen ist, wie viel Kraft das tägliche Üben über viele Jahre kostet und ob es je Überlegungen gab, das Violaspiel ganz aufzugeben?

Im Privatleben kann Ellen, Mutter eines kleinen Sohnes, auf die tatkräftige Unterstützung ihres Ehemannes bauen, der sich – wie in Skandinavien durchaus üblich – voll in die Kinderbetreuung einbringt und in der Zeit der großen ECHO-Tournee seiner Frau auch die eigene Geigenkarriere in den Hintergrund rückt. 

Das jahrelange Studium kostet natürlich Kraft, aber es „kostet“ nicht nur, „it gives energy“!! Auf ein großes Ziel hinzuarbeiten, schenkt Energie – eine wohl wichtige Aussage für die Schülerinnen und Schüler im Festsaal des BORG Hegelgasse. Man träumt von großen Auftritten in großen Konzerthäusern wie dem Musikverein, erklären Ellen und Bengt: „We are both dreamers - and we are realistic!“ und so ist es für sie selbstverständlich, dass man nur mit konsequenter Arbeit Träume wahr werden lassen. 

Und wenn es mit der Karriere nicht geklappt hätte? Fußball war das Hobby der kleinen Ellen Nisbeth, sie hätte sich auch eine Laufbahn als Torfrau vorstellen können - siehe auch unsere Facebook-Serie #vomdach

Feedback der Schülerinnen und Schüler

"Ich bin nicht wirklich ein Fan von klassischer Musik, aber die Stücke, die er uns vorgespielt hatte, waren beeindruckend.''
"Er hat uns gezeigt, dass klassische Musik nicht unbedingt langweilig sein muss."
"Ich liebe klassische Musik und der Klang seiner Violine schien den gesamten Raum einzunehmen. Mir gefiel auch, dass er die Zuschauer an seiner Leidenschaft für die Musik teilhaben ließ."
"Er hat klassische Musik für Jugendliche attraktiver gemacht und musikalisch begabt war er auch noch."
Mveto, Halmer, Holoubek, Chernetsova (16)

„Wir fanden es gut, dass Emmanuel viele Stücke (modern und klassisch) vorgespielt hat, die uns teilweise auch Gänsehaut bereitet haben. Was wir aus dem Vortrag mitgenommen haben, ist, dass wir unseren eigenen Weg gehen und unsere Träume verwirklichen sollen, dass aber die Schule dennoch wichtig ist." 
Anne-Sophie und Johanna (15)