Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zählt zu den besten Konzertchören der Welt und arbeitet regelmäßig mit den bedeutendsten Dirigenten zusammen – derzeit u. a. mit Daniel Barenboim, Riccardo Chailly, Gustavo Dudamel, Vladimir Fedosejev, Mariss Jansons, Philippe Jordan, Zubin Mehta, Cornelius Meister, Riccardo Muti, Andrés Orozco-Estrada, Sir Simon Rattle, Christian Thielemann und Franz Welser-Möst. Künstlerischer Leiter des Chors ist seit 1991 Johannes Prinz.

Die Gründung der Singvereins geht ins Jahr 1858 zurück, als sich die Gesellschaft der Musikfreunde zu einer umfassenden Neuorganisation ihres Musiklebens entschloss. Während die Instrumentalmusik schon in die Hände von Profis übergegangen war, sollte die Chormusik die Domäne der Liebhaber bleiben – dies aber in einer neuen, hocheffizienten Form. So entstand der Singverein als Zweigverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Mit dem jungen Johann Herbeck am Pult erreichte der neu formierte Chor von Beginn weg ein Spitzenniveau, das ihn zum begehrten Interpreten bedeutender Uraufführungen machte. So hob der Singverein 1867 die ersten drei Sätze des Brahms-Requiems aus der Taufe, sang 1898 die erste vollständige Aufführung von Verdis „Quattro pezzi sacri“ und war Premieren-Chor bei Bruckners „Te Deum“, Mahlers Achter Symphonie und Franz Schmidts „Buch mit sieben Siegeln“.

Ein bedeutendes Kapitel seiner Geschichte begann 1947, als Herbert von Karajan erstmals mit dem Chor zusammenarbeitete. Karajan machte den Singverein zu seinem Chor und dirigierte ihn – über vier Jahrzehnte hinweg – bei rund 250 Konzerten in Europa, Japan und den USA und bei zahlreichen Schallplatten- und Videoaufnahmen.

Vielbeachtete Einspielungen machte der Wiener Singverein in den vergangenen Jahren unter Pierre Boulez, Nikolaus Harnoncourt und Christian Thielemann. 2017 trat er erstmals im Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker auf. 

Im Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde lebt bis heute ein Grundgedanke des Musikvereins weiter: Es sind die ausübenden Mitglieder, „Amateure“ also, die sich in diesem Chor zusammenfinden: Musikfreunde, die anderen Berufen nachgehen und doch nicht nur „nebenbei“ singen. „Singen“, so heißt ein Slogan des Chors, „ist nicht unser Job. Sondern unsere Leidenschaft.“

www.singverein.at

Brahms in China

Es war die größte Tournee, die der Singverein im letzten Vierteljahrhundert absolviert hat. Sie führte nach Leipzig, Paris, Tokio und erstmals auch nach China, nach Schanghai. Es war eine Reise in die Ferne. Und zugleich eine in die Tiefe.

„Reisen“, sagt der chinesische Philosoph Laotse, „ist besonders schön, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Aber am allerschönsten ist es, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt.“ Auf den Wiener Singverein, der erstmals in Laotses Heimat reiste, trifft das so nicht zu. Aber abgewandelt lag etwas von der Laotse’schen Weisheit in dem, was er erlebte. Schön war es, trotz minuziöser Vorbereitung nicht wirklich wissen zu können, wohin es geht. Und noch schöner, im Spiegel des Fernen neu darüber nachdenken zu können, woher man kommt. Es ging bei dieser Premiere nicht nur darum, das immer neugieriger werdende Musikland China zum ersten Mal mit Wiens berühmtem Konzertchor bekanntzumachen. Auf dem Prüfstand stand auch – und das mehr als andernorts – die Botschaft seines Singens.

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