Berliner Philharmoniker

Die Berliner Philharmoniker gastieren im Musikverein fast schon so lange, wie sie bestehen.

Zu den Konzerten

Prominente Gäste in großer Tradition

Die Berliner Philharmoniker ... schon der weltberühmte Name des Klangkörpers verströmt Musik. Er erweckt Assoziationen an einen noblen, vollen und doch ungemein klaren Orchesterklang und lässt wohl bei jeder Musikfreundin und jedem Musikfreund ganz bestimmte Erinnerungen wach werden – auch und gerade in Wien, das ja selbst ebenso bedeutsame Philharmoniker beherbergt. Auch wenn diese dem Herzen des ansässigen Publikums naturgemäß stets etwas näher gewesen sein mögen, schien der Respekt vor den regelmäßigen Berliner Gästen bei vielen in Liebe überzugehen, gespeist von etlichen herausragenden Hörerlebnissen in teils schon der Geschichte angehörenden und entsprechend verklärten Konzertabenden. 
Je nach persönlichem Lebensalter sind diese Erinnerungen anders gefärbt und gewichtet. Jüngere werden an die Lebhaftigkeit und Brillanz eines Simon Rattle denken, des Chefdirigenten ab 2002, die vorige Generation an Claudio Abbado, der dieses Amt seit 1989 bekleidete und sich mit diesem Orchester mit einer überwältigenden, tiefschürfenden Interpretation von Mahlers Siebter Symphonie im Rahmen der Wiener Festwochen 2002 verabschiedete. Im kollektiven Gedächtnis am engsten mit den „Berlinern“ verbunden ist aber noch immer Herbert von Karajan, der das Philharmonische Orchester erstmals 1938 als Gast dirigiert hatte – einem Debüt, dem rund 1.500 gemeinsame Auftritte folgten, ein guter Teil davon in seiner Ära als künstlerischer Leiter seit 1954. Der bald darauf auf Lebenszeit berufene Jahrhundertdirigent (der nach mehr als drei prägenden Jahrzehnten letztlich doch zurücktreten sollte) führte seine „lieben Freunde“ – so seine Wortwahl, wenn er ihnen wie so oft Briefe schrieb – auf Tourneen in die USA, nach Japan und China, brachte sie zu den Osterfestspielen Salzburg und insgesamt 26 Mal zur Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Zum Vergleich: Abbado kam mit den „Berlinern“ 21 Mal, Rattle 16 Mal in den Goldenen Saal. Nach einem Festwochenkonzert mit Karajan 1964 streute der einflussreiche Karl Löbl dem „Meisterorchester“ Rosen: „Eine solche Homogenität, Ausgeglichenheit und Eleganz bekommt man heutzutage nur selten zu hören.“ 


Liest man die Kritiken über die Jahrzehnte, scheint es so, als hätten sich die Berliner die höchste Anerkennung in Wien fast jedes Mal aufs Neue erspielt. Das 1882 gegründete selbstverwaltete Kollektiv, das fünf Jahre später mit Hans von Bülow seinen ersten Chefdirigenten wählte und in der ersten Zeit seine Reisen auf Norddeutschland und Holland konzentrierte, weitete unter dessen Nachfolger Arthur Nikisch ab 1895 den Radius bis Paris und Moskau aus. Im selben Jahr gab es sein erstes Gastspiel in Wien mit drei Konzerten mit drei Dirigenten – Richard Strauss, Felix Weingartner und Felix Mottl. Die „Neue Freie Presse“ zeigte sich zunächst noch überzeugt, dass die Wienerstadt „das beste Orchester der Welt mit Stolz ihr Eigen nennt“, berichtete freilich von „herzlichen Ovationen“ und einem „Beifallssturm“ – und resümierte schon nach dem zweiten Konzert, in dem sie „einen geradezu sensationellen Erfolg“ sah, „daß unsere Gäste nur numerisch hinter den Wiener Philharmonikern zurückstehen“.

Die Ära Wilhelm Furtwängler hätte fast so lang gedauert wie die seines Nachfolgers, begann sie doch 1922 und endete erst 1954. Sie brachte das Orchester unter anderem in die Schweiz und nach England, zugleich intensivierte sich auch die Verbindung zwischen Deutschland und Österreich. So realisierten die Berliner Philharmoniker im Herbst 1922 das erste Konzert der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft für neue Musik, die kurz zuvor in Salzburg gegründet worden war, mit Musik von Debussy und Strawinsky. Im folgenden Jahr wartete die „Österreichische Musikwoche“ in Berlin mit Werken von Mahler, Schönberg, Webern, Berg und Zemlinsky auf. Furtwängler stellte Beethoven, Brahms und Bruckner ins Zentrum, aber er engagierte sich auch für Bartók, Prokofjew und Hindemith. An Letzterem entzündete sich 1934 sein Konflikt mit den Nationalsozialisten, der Dirigent legte sein Amt nieder – um es erst 1952 wieder aufzunehmen. All die Tragödien und Katastrophen der Zeit dazwischen sind ebenfalls Teil der Orchestergeschichte, dem sich die Berliner Philharmoniker schon seit längerem offen zuwenden: In der 1982 – zum Hundert-Jahr-Jubiläum – erschienenen Orchestergeschichte von Peter Muck handeln rund einhundert Seiten von den Jahren 1933 bis 1945. Auch in den Kriegsjahren spielte das Berliner Orchester mehrfach in Wien: 1940 in einem „Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters als Gast der Wiener Philharmoniker“ unter Furtwängler, 1942 unter Clemens Krauss im Rahmen der Jahrhundertfeier der 1842 gegründeten Wiener Philharmoniker.


In der kommenden Saison lebt die Beziehung zwischen Wien und Berlin in neuer Weise auf, hat doch Kirill Petrenko, Chefdirigent der Berliner seit 2019, an der Wiener Musikuniversität studiert, und zwar bei Uroš Lajovic, der als Schüler von Hans Swarowsky und damit als Enkelschüler von Schönberg und Webern Generationen von Dirigenten prägte. Petrenko selbst sieht sich auch in einer engen Verbindung mit Bülow. Wie dieser war er selbst vor seiner Berliner Stellung unter anderem auch in Meiningen und München tätig, studierte an allen drei Orten die Eintragungen in dessen Partituren, um seine Interpretationen besonders der Werke Beethovens mit neuem Geist zu erfüllen. 
Ohne die Corona-Krise wäre Petrenko erstmals im Frühjahr 2020 in dieser Funktion mit seinem neuen Klangkörper im Musikverein zu Gast gewesen, nun verschiebt sich die Rückkehr in seine Studienstadt auf Februar 2022. Umso größer sind die Erwartungen und die Vorfreude in Wien, wo das Orchester einen Bogen von Brahms bis zu Zimmermann und Lutosławski spannen sowie mit dem Philharmonischen Oktett und den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker zwei seiner weltberühmten Kammermusik-Ensembles präsentieren wird. Und womöglich werden genau diese Abende mit dem Ausnahmedirigenten, dem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zu seinem Berliner Amtsantritt eine „virtuose Gestaltungsgabe“ attestierte, und dem Ausnahmeorchester zu jenen gehören, an die Musikfreunde noch so lange zurückdenken werden wie an jene, die bereits Musikgeschichte sind. 

Daniel Ender

Konzerte des Porträts

19. Dezember 2021

Philharmonisches Oktett Berlin

Toshio Hosokawa
Texture für Oktett (ÖEA)
Franz Schubert
Moments Musicaux, D 780
(Bearbeitung für Oktett von Hans Abrahamsen)
Franz Schubert
Oktett F-Dur, D 803

Dieses Konzert ist Teil des
Kammermusik-Zyklus

Sonntag, 19. Dezember 2021, 19.30 Uhr

14. Februar 2022

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker

Jubiläumsprogramm zum 50-jährigen Bestehen des Ensembles

Dieses Konzert ist Teil des Zyklus
Soirée musicale

Montag, 14. Februar 2022, 19.30 Uhr

15. Februar 2022

Berliner Philharmoniker
Damen des Singvereins
Kirill Petrenko | Dirigent
Sir András Schiff | Klavier

Werke von Brahms und Suk

Dieses Konzert ist Teil des Zyklus
Meisterinterpreten II

Dienstag, 15. Februar 2022, 19.30 Uhr

16. Februar 2022

Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko | Dirigent

Bernd Alois Zimmermann
Photoptosis. Prélude für großes Orchester
Witold Lutosławski
Symphonie Nr. 1
Johannes Brahms
Symphonie Nr. 2 D-Dur, op. 73

Dieses Konzert ist Teil des Zyklus
Meisterinterpreten I

Mittwoch, 16. Februar 2022, 19.30 Uhr

Porträts

Sir András Schiff
© Wolf-Dieter Grabner

Sir András Schiff 

Sir András Schiff

Die Gesellschaft der Musikfreunde widmet Sir András Schiff ein umfassendes Porträt.

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Joana Mallwitz
© Nikolaj Lund

Joana Mallwitz 

Joana Mallwitz

Die Dirigentin Joana Mallwitz gilt mit Mitte dreißig schon als prägende Persönlichkeit des internationalen Musiklebens. Der Musikverein widmet ihr ein Porträt – mit drei Programmen und Gesprächen. 

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Mirga Gražynitė-Tyla
© Frans Jansen

Mirga Gražynitė-Tyla 

Mirga Gražinytė-Tyla

Auf Einladung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien gestaltet die junge litauische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla ein Porträt, bei dem das City of Birmingham Symphony Orchestra ihr Partner ist: drei Konzerte mit Musik, die auch Bekenntnis ist.

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Chrisitan Gerhaher
© Sony Classical International

Chrisitan Gerhaher 

Christian Gerhaher

Schoeck, Berlioz, Zemlinsky: An drei Abenden ist Christian Gerhaher in einer großen Bandbreite seines künstlerischen Schaffens zu erleben.

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