Die Orgel

im Großen Musikvereinssaal

In Theophil Hansens optisch wie akustisch brillantem Großem Musikvereinssaal ist die Orgel das zentrale Element. Prominent an der Frontseite des Saals platziert, fügt sie sich klar und konsequent in die so homogene wie opulente Raumgestaltung nach dem Vorbild der griechischen Antike. Seit 2011 birgt der saalbestimmende berühmte Orgelprospekt eine der besten Konzertorgeln der Welt. Das von der Firma Rieger-Orgelbau aus Schwarzach in Vorarlberg gebaute Instrument ist das bereits vierte seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1870. Den Vorgängerinstrumenten war kein glückliches Schicksal beschieden. Die erste Orgel, bei deren Premiere am 15. November 1872 Anton Bruckner alle Register zog, wurde von Friedrich Ladegast aus Weißenfels an der Saale gebaut. Mehrere neuartige technische Spielbehelfe erwiesen sich jedoch bald als irreparable Tücken, die die Orgel letztlich nach wenigen Jahrzehnten unspielbar machten. Der Auftrag für ein neues Instrument erging 1904 an die k. u. k. Hof-Orgelfabrik Gebrüder Rieger aus Jägerndorf in Österreichisch-Schlesien, heute Krnov in Tschechien. Als 1945 in den letzten Kriegstagen eine Granate in das Musikvereinsgebäude einschlug, nahm die Orgel Schaden, wurde zunächst nur notdürftig repariert und 1948 von Friedrich Molzer einer Überarbeitung unterzogen. Abnützungserscheinungen an den damals eingebauten elektrischen Trakturen beeinträchtigten allerdings schon wenig später die präzise Funktionsweise des Instruments. Für den zweiten Orgelneubau in den 1960er Jahren zog die Gesellschaft der Musikfreunde den Dirigenten und Organisten Karl Richter als künstlerischen Berater hinzu. Die Firmen E. F. Walcker & Cie aus Ludwigsburg und Werner Walcker-Mayer aus Guntramsdorf bei Wien wurden mit dem Bau eines hundert Stimmen umfassenden Instruments mit elektrischen Trakturen beauftragt. Vom ersten Konzert Richters 1968 bis zu seinem frühen Tod 1981 kam es im Musikverein zu einer regelrechten Orgelblüte. Danach allerdings stellte sich heraus, dass das Instrument zu sehr auf einen einzigen Organisten abgestimmt worden und für seine nunmehr (wieder) primäre Aufgabe als Orchesterinstrument wenig geeignet war. Zudem bereiteten Abnützungserscheinungen der elektrischen Trakturen unbehebbare Schwierigkeiten. Für das aktuelle Instrument im Großen Musikvereinssaal wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends eine Findungskommission bestellt, der fünf international führende Organisten (Dame Gillian Weir, Olivier Latry, Ludger Lohmann, Martin Haselböck und Peter Planyavsky) angehörten. Gemeinsam mit der Firma Rieger-Orgelbau aus Schwarzach in Vorarlberg, dem Nachfolge-Unternehmen jener k. u. k. Hof-Orgelfabrik Gebrüder Rieger in Jägerndorf, die bereits 1907 die zweite Musikvereinsorgel gebaut hatte, wurde ein Instrument mit 6.138 Pfeifen in 81 Stimmen konzipiert. In einem feierlichen Festakt am 26. März 2011 wurde die Orgel schließlich von Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Mitglied des Senats der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, gesegnet und erfüllt seither ihre vornehmliche Funktion als Orchesterinstrument in symphonischem Repertoire mit Orgel vortrefflich. 

Goldschimmernd und farbenfroh

Die neue Orgel im Wiener Musikverein

Eine Findungskommission aus fünf international führenden Organisten (Dame Gillian Weir, Olivier Latry, Ludger Lohmann, Martin Haselböck und Peter Planyavsky) hat in Zusammenarbeit mit der Firma Rieger-Orgelbau aus Schwarzach in Vorarlberg ein Instrument mit 6.138 Pfeifen in 81 Stimmen konzipiert.
In einem feierlichen Festakt am 26. März 2011 wurde die Orgel schließlich von Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Mitglied des Senats der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, gesegnet und erfüllt seither ihre vornehmliche Funktion als Orchesterinstrument in symphonischem Repertoire mit Orgel vortrefflich. 

Ein Film von Kerem Unterberger

Die Orgel
© Wolf-Dieter Grabner

Die Orgel 

Die Königin der Instrumente

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