Mieter im Musikverein

Im Musikvereinsgebäude, an einer der ersten Adressen der klassischen Musikwelt, firmieren bis heute auch einige andere Exponenten des Wiener Musiklebens: die Mieter der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
Das Haus der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, das 1870 eröffnete Musikvereinsgebäude am Karlsplatz, galt von Anfang an als Herzstück des Wiener Kulturlebens und zählt zu den bedeutendsten Veranstaltungsorten in der Welt der klassischen Musik. Als solches stellt das Musikvereinsgebäude seit jeher auch für andere musikalische Institutionen ein erstrebenswertes Domizil dar. 
Dem Betrachter des von Theophil Hansen erbauten Gebäudes offenbart sich gerade einmal die Hälfte der sechs Mieter der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Geschäftslokale und somit Außenzugang haben der Bösendorfer Stadtsalon, Geigenbaumeister Wilfried Ramsaier-Gorbach und die Jeunesse – Musikalische Jugend Österreichs. Die Wiener Philharmoniker, der Wiener Männergesang-Verein und der Musikverlag Universal Edition erreichen ihre Räumlichkeiten über den Künstlereingang in der Bösendorferstraße 12.

 

Geigenbaumeister Wilfried Ramsaier-Gorbach

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Seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 1870 ist im Musikvereinsgebäude stets auch ein Geigenbauer ansässig. Heute unterhält hier Wilfried Ramsaier-Gorbach sein Atelier. Wie sein Vorgänger Otmar Lang ist er Geigenbauer der Wiener Philharmoniker und der Wiener Staatsoper, genießt das Vertrauen auch der anderen großen Wiener Orchester und – nicht zuletzt – führender, im Musikverein konzertierender Solisten. Ebenso finden viele Studierende und Amateurmusiker den Weg in das Geschäftslokal an der Nord-Ost-Ecke des Musikvereinsgebäudes mit der Adresse Canovagasse 6, dessen Interieur von anno dazumal noch weitgehend erhalten ist. 

632 Gulden hatte Gabriel Lemböck 1870 in die Ausgestaltung der Räumlichkeiten investiert, ehe er seine Werkstatt von der Grünangergasse in den Musikverein übersiedelte und fortan auch die Tätigkeit für das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde von seinem Lehrmeister und Schwiegervater Anton Fischer übernahm. Dieser hatte das Konservatorium am alten Standort im Musikvereinsgebäude in den Tuchlauben betreut.

Bis zum Ende der Monarchie führten die Geigenbauer mit Sitz im Musikvereinsgebäude – Gabriel Lemböck und sein Nachfolger Karl Haudek – den Titel k. k. Geigenbauer und waren als Hof-Geigenmacher auch für die Instrumente des Hofopernorchesters, der Wiener Philharmoniker und der Hofmusikkapelle zuständig. Nach dem Tod Karl Haudeks wurde das Geschäft von dessen Witwe weitergeführt und lag in der Folge in den Händen von Anton und Barbara Poller, Ernst Freisleben und Franz Huber, bis es 1973 für drei Jahrzehnte von Otmar Lang übernommen wurde. Wilfried Ramsaier-Gorbach war ab 1992 Langs Geselle. 2002 übernahm er die Werkstatt selbständig und führt seither die Tradition der Geigenbaumeister im Musikverein erfolgreich fort.

www.geigenbauatelier.at

Universal Edition

Universal Edition 

Universal Edition

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Nachdem das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien 1909 in staatliche Obhut übergeben worden war und die Räumlichkeiten im Halbstock des Musikvereinsgebäude entlang der Karlsplatz-Seite verlassen hatte, zeigte der 1901 in Wien gegründete Musikverlag Universal Edition sein Interesse an der Anmietung der freigewordenen Räume. Der Musikverein als wichtiges Musikzentrum war musikalisch am Puls der Zeit – und bedeutete somit auch für einen Musikverlag eine erste Adresse. Am 26. Juni 1914 wurde der Mietvertrag unterzeichnet. 

Am Puls der Zeit war – schon damals – auch die Universal Edition. Hatte sie sich zunächst auf die Herausgabe klassischer und romantischer Werke konzentriert, so verlagerte sie bereits wenige Jahre nach der Gründung den Schwerpunkt ihrer Publikationen auf zeitgenössische Musik. Gustav Mahler, Alexander Zemlinsky und Leos Janácek, alle drei ehemalige Schüler des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, wurden unter Vertrag genommen, ebenso wie Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, Joseph Marx und Egon Wellesz.

Beim legendären „Skandalkonzert“ am 13. April 1913 im Großen Musikvereinssaal, bei dem es zu Tumulten und einem Polizeieinsatz kam und das eine Gerichtsverhandlung nach sich zog, dirigierte Arnold Schönberg ausschließlich Werke bei der Universal Edition verlegter Komponisten. Diese und andere damals „unerhörte“ Werke gehören heute freilich zum Standardrepertoire nicht nur im Musikverein. Uraufführungen von UE-Komponisten späterer Zeit gingen im Musikverein weit unaufgeregter über die Bühne, etwa von den Musikverein-Ehrenmitgliedern Pierre Boulez und Friedrich Cerha, von Wolfgang Rihm, Georg Friedrich Haas und Johannes Maria Staud.

www.universaledition.com

 

Wiener Philhamoniker

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Unter dem Dach des Musikvereinsgebäudes der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien hat gleich nach der Eröffnung des Hauses 1870 auch ein Verein Platz gefunden, der wie der Musikverein zur Institution geworden ist: die Wiener Philharmoniker. Das weltberühmte Orchester, das 1842 unter Otto Nicolai sein erstes Konzert gegeben hatte, mietete sich mit seiner Kanzlei im Musikverein ein und hat hier im Goldenen Saal bis heute seine wichtigste Wirkungsstätte.

Die gemeinsame Adresse der Gesellschaft der Musikfreunde und der Wiener Philharmoniker symbolisiert eine Verbundenheit, die tief verankert ist und weit zurückreicht. Die beiden Institutionen, organisatorisch völlig eigenständig und unabhängig voneinander, gehören musikalisch untrennbar zusammen. Was wären die philharmonischen Konzerte, was wäre der philharmonische Klang ohne den Goldenen Saal? Und was wäre der Goldene Saal ohne die Philharmoniker?

Dank der Wiener Philharmoniker erleben alljährlich am Neujahrstag mehr als eine Milliarde Zuschauer Musik im Großen Musikvereinssaal. Das Neujahrskonzert der Philharmoniker, seit 1959 vom Fernsehen übertragen, ist das Medienereignis des internationalen Musiklebens. Es ist – wohlgemerkt – eine Veranstaltung der Wiener Philharmoniker, ebenso wie die philharmonischen Abonnementkonzerte, die seit 1870 im Großen Musikvereinssaal stattfinden. Doch es versteht sich von selbst, dass Wiens berühmtestes Orchester gern und regelmäßig auch für die Gesellschaft der Musikfreunde spielt. Philharmonische Spitzenqualität ist und bleibt ein Gütesiegel dieses Hauses.

www.wienerphilharmoniker.at

 

Bösendorfer Stadtsalon

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Als die Klaviermanufaktur Bösendorfer 1914 ihre Verkaufsräume im Musikvereinsgebäude eröffnete, wo der Bösendorfer Stadtsalon seither seine Heimstatt hat, war nicht bloß ein neues Mietverhältnis zustande gekommen. Dieser Vertragsabschluss war – auch wenn Ludwig Bösendorfer sein Erfolgsunternehmen bereits fünf Jahre zuvor an seinen Freund Carl Hutterstrasser verkauft hatte – Ausdruck der engen persönlichen Beziehung, die Ludwig Bösendorfer mit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien verband.

Zeichen dieser Verbundenheit gab es viele: Als 1869/70 das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde seinen Betrieb im neuen Musikvereinsgebäude aufnahm, standen dort vierzehn neue Flügel – ein Geschenk von Ludwig Bösendorfer. Die Gesellschaft der Musikfreunde wiederum nahm Bösendorfer 1870 in den Kreis ihrer Ehrenmitglieder auf. Und nachdem das alte Palais Liechtenstein in der Herrengasse 6, wo Bösendorfer seine Verkaufsräume untergebracht und seit 1872 auch einen eigenen Konzertsaal, den Bösendorfer-Saal, betrieben hatte, im Jahr 1913 niedergerissen wurde, konnte die Gesellschaft der Musikfreunde ihm zwar keinen Konzertsaal bieten, ein neues Verkaufsdomizil aber sehr wohl.

„Meine wichtigste Stütze im Leben und Beruf war stets die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien“, schrieb Ludwig Bösendorfer 1919 wenige Monate vor seinem Tod. 1914 schon hatte er der Gesellschaft testamentarisch sein gesamtes Vermögen zugedacht. Den Geldwert machte die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zunichte, der Symbolwert aber ist geblieben – wie die Verbindung zwischen Bösendorfer und der Gesellschaft der Musikfreunde. Sie lebt fort, nicht zuletzt durch die Bösendorferstraße an der Nordseite des Musikvereinsgebäudes. An deren Nummer 12 liegt der Künstlereingang des Musikvereins, durch den Tag für Tag Musiker von Weltrang in Richtung Bühne eilen.

www.boesendorfer.com

 

Wiener Männergesang-Verein

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Mieter der ersten Stunde im Musikvereinsgebäude ist der 1843 nach dem Vorbild deutscher Liedertafeln gegründete Wiener Männergesang-Verein, Österreichs ältester Männerchor, der u. a. mit der Uraufführung des für ihn komponierten Strauß-Walzers „An der schönen blauen Donau“ Musikgeschichte schrieb. Das Angebot Kaiser Franz Josephs, dem gefeierten Chor ein Grundstück an der Wiener Ringstraße zu schenken, lehnte der Männergesang-Verein ab und erbat stattdessen ein Banner, das der Kaiser nach einem Entwurf Theophil Hansens von böhmischen Goldstickern fertigen ließ. 

Kein eigenes Haus hatte der Chor im Sinn; er hielt sich lieber an die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Bereits in der ersten Liste der Stifter für das neue Musikvereinsgebäude, die im April 1868 veröffentlicht wurde, findet sich neben Mitgliedern des Kaiserhauses und Namen aus der hohen Aristokratie, der Finanz- und Industriewelt auch der Wiener Männergesang-Verein. Als 1870 der von Theophil Hansen geplante und auf einem vom Kaiser geschenkweise überlassenen Grundstück am Karlsplatz errichtete Musiktempel eröffnet wurde, schlug hier auch der Wiener Männergesang-Verein sein Domizil auf. 

Als Mieter im Musikverein stand und steht der Wiener Männergesang-Verein alljährlich auf der Bühne des Großen Saals, und vom Musikverein aus unternahm er bereits ab 1905 Tourneen bis nach Ägypten und Amerika. In den angemieteten Räumlichkeiten befindet sich bis heute das choreigene Probenlokal, der Dumba-Saal – benannt nach Nikolaus Dumba, der in den Jahren 1865 bis 1872 Vorstand des Wiener Männergesang-Vereins war und zur gleichen Zeit (1867–1876) Vizepräsident der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 

www.wmgv.at

 

Jeunesse – Musikalische Jugend Österreichs

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Jüngster Mieter der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ist die Jeunesse – Musikalische Jugend Österreichs. Die 1949 in Wien gegründete Organisation mit Geschäftsstellen in ganz Österreich zog 1953 ins Musikvereinsgebäude ein, in dessen Erdgeschoß sie an der Bösendorferstraße bis heute ihr Kartenbüro betreibt. 

Während die Jeunesse ihr Programm heute größtenteils selbst gestaltet, öffnete in den ersten Bestandsjahren die Gesellschaft der Musikfreunde Voraufführungen von Orchesterkonzerten für das junge Publikum, das so von Anfang an im Großen Musikvereinssaal Dirigenten wie Clemens Krauss, Karl Böhm, Sergiu Celibidache, Erich Kleiber, Hermann Scherchen, Josef Krips, Wolfgang Sawallisch, Carlo Maria Giulini und Dimitri Mitropoulos erleben konnte, ebenso wie Herbert von Karajan, den Konzertdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde, u. a. mit Bachs „Matthäuspassion“, Strawinskys „Oedipus Rex“ und Verdis „Messa da Requiem“.

Viele weitere mit dem Musikverein eng verbundene Künstler stellten ihre Begeisterung für die Jeunesse-Idee in Konzerten unter Beweis, allen voran Leonard Bernstein. Zubin Mehta wiederum, wie Bernstein Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde, spielte zu Studienzeiten Kontrabass im Orchester der Musikalischen Jugend und sang im Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde. Eine Reihe von Interpreten und Komponisten, unter ihnen Alfred Brendel, Friedrich Gulda, Friedrich Cerha und Kurt Schwertsik, erlebte ihre Engagements bei der Jeunesse, die zum Teil im Musikverein stattfanden, als Sprungbrett für ihre internationale Karriere.

www.jeunesse.at