Musikverein Abo 2022/23

Barenboim | Welser-Möst Muti | Levit | Thielemann | Argerich | Trifonov | Rattle | Gatti | Mehta | Kissin | Nelsons | Fleming | Zimerman | Wang | Capuçon | Buchbinder | Viotti | Garanča | Pollini u. v. m.   

DAS GOLDENE MUSIKVEREINSABONNEMENT I

Internationaler Orchesterglanz hat in den Goldenen Musikvereinsabonnements der Gesellschaft der Musikfreunde Tradition. Die Serie eins eröffnen das Cleveland Orchestra und Music Director Franz Welser-Möst mit einem Solisten, der die Klassikwelt im Sturm erobert hat: Igor Levit. Dem deutschen Meisterpianisten ist 2022/23 ein eigener Schwerpunkt im Musikvereinsprogramm gewidmet – ebenso wie weiteren Protagonisten, die diesen „goldenen“ Zyklus zum Leuchten bringen: Lorenzo Viotti, er kommt mit „seinem“ Netherlands Philharmonic Orchestra, und – zu seinem 80. Geburtstag – Daniel Barenboim, der einmal mehr die Staatskapelle Berlin in den Goldenen Saal führt. Alain Altinoglu dirigiert als Teil des Schwerpunkts „Musik im Umbruch“ Prokofjews Kantate „Alexander Newskij“ am Pult des hr-Sinfonieorchesters, Iván Fischer wiederum Bach, Bartók und Brahms am Pult des Budapest Festival Orchestra. Für heimischen Orchesterglanz sorgen die Wiener Symphoniker ebenso wie die Wiener Philharmoniker unter Herbert Blomstedt.

DAS GOLDENE MUSIKVEREINSABONNEMENT II

Das Goldene Musikvereinsabonnement II erstrahlt im Lichte herausragender europäischer Orchester: Aus England kommen das London Symphony Orchestra und sein scheidender Music Director Sir Simon Rattle mit Musik von Sibelius und Bruckner sowie das English Baroque Orchestra unter Sir John Eliot Gardiner mit Schwerpunktkünstlerin Isabelle Faust und Antoine Tamestit als Solisten in Mozarts Sinfonia concertante KV 364. Frankreich ist mit „Les Sciècles“ prominent vertreten, einem ganz besonderen Klangkörper, der unter seinem Gründer und Chefdirigenten François-Xavier Roth jedes Repertoire auf Instrumentarium der Entstehungszeit musiziert und im Musikverein im Schwerpunkt „Paris tanzt!“ debütiert. Aus Deutschland reisen die Münchner Philharmoniker unter Tugan Sokhiev an sowie die Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrůša. Nicht fehlen dürfen im Goldenen Abonnement die Wiener Philharmoniker, die unter Zubin Mehta Schumanns Klavierkonzert (Solistin: Martha Argerich) und Bruckners Vierte, die „Romantische“, spielen. Und Daniel Barenboim interpretiert, im Schwerpunkt zu seinem 80. Geburtstag, mit Michael Barenboim und Kian Soltani Klaviertrios von Beethoven.

SOIRÉE MUSICALE

Das weite Spektrum des kleiner besetzten Orchesterrepertoires ist auch 2022/23 wieder exquisit besetzt im Zyklus „Soirée musicale“ zu erleben. Führende Kammerorchester geben sich hier mit exzellenten Dirigenten und Solisten ein Stelldichein im Goldenen Saal. Das Mahler Chamber Orchestra spielt unter Joana Mallwitz ein Schubert-Britten-Programm, die Cappella Gabetta Barockes aus Versailles im Programm „Musik am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV.“, und das Orchestre de Chambre de Lausanne verbindet mit Renaud Capuçon als Dirigent und Solist Französisches mit Mozarts G-Dur-Violinkonzert. Das Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist zugleich Teil eines Künstlerschwerpunkts, der der jungen Dirigentin Elim Chan gewidmet ist. Das Freiburger Barockorchester bringt unter der Leitung von Pablo Heras-Casado und mit dem RIAS Kammerchor Mendelssohns „Sommernachtstraum“-Musik in den Musikverein, und zum Saisonabschluss gastiert Anne-Sophie Mutter mit ihrem Ensemble Mutter’s Virtuosi im Großen Musikvereinssaal.

DIE GROSSE SYMPHONIE

Der Zyklus „Die Große Symphonie“ macht seinem Namen alle Ehre. In den acht Programmen mit den Wiener Symphonikern sind Werke großen Zuschnitts zu erleben, 2022/23 etwa von Franz Liszt, Richard Strauss, Ludwig van Beethoven und Alexander Borodin. Zum Saisonbeginn dirigiert Ingo Metzmacher ein Werk, das aufs Engste mit den Symphonikern und dem Musikverein wie auch dem Chor des Hauses, dem Wiener Singverein, verbunden ist: „Das Buch mit sieben Siegeln“, von Franz Schmidt komponiert für das 125-jährige Bestehen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Weitere Meister am Dirigentenpult sind im Saisonverlauf u. a. auch Philippe Herreweghe, Kent Nagano, Manfred Honeck und die junge Französin Marie Jacquot; Patricia Kopatchinskaja spielt Bartóks Erstes Violinkonzert, Rudolf Buchbinder das Grieg-Klavierkonzert und Hilary Hahn das Violinkonzert von Brahms. Auch zwei Porträtkünstler sind in diesem Zyklus zu Gast: Geigerin Isabelle Faust mit dem Dvořák-Konzert, und – mit Werken von Messiaen, Berg und Honegger – einer der ganz Großen unter den jungen Dirigenten: Lorenzo Viotti.

MEISTERINTERPRETEN I

Die Wiener Philharmoniker sind in diesem exquisiten Zyklus mit zwei Konzerten fix gesetzt, genauso selbstverständlich gehören Gastspiele internationaler Spitzenorchester zum meisterlichen Abonnementprogramm. Besonders bemerkenswert: das Musikvereinsdebüt des erst 26-jährigen Klaus Mäkelä, der als einer der wichtigsten Dirigenten der jungen Generation soeben zum Chefdirigenten des Concertgebouworkest Amsterdam designiert worden ist. Das Orchestre de Paris hat ihn bereits an sich gebunden – und mit diesem Orchester präsentiert er sich nun auch erstmals im Musikverein. Die „Meisterinterpreten I“ verbinden sich natürlich auch wieder mit besonderen Schwerpunkten der Saison: Lorenzo Viotti, Porträtkünstler der Musikvereinssaison 2022/23, dirigiert die Münchner Philharmoniker, François-Xavier Roth führt mit seinem Originalklangorchester „Les Siècles“ in die künstlerisch explosive Stimmung der Seine-Metropole zu Beginn des 20. Jahrhunderts („Paris tanzt!“), Jewgenij Kissin, ebenfalls Porträtkünstler des Musikvereins, ist als Solist mit Rachmaninows Drittem Klavierkonzert und als Klavierpartner von Renée Fleming zu hören.

MEISTERINTERPRETEN II

Die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst eröffnen diesen Top-Zyklus – wenig später sind die Philharmoniker hier mit Daniel Barenboim zu erleben: Es ist eines der Meisterkonzerte, die der Musikverein zum 80. Geburtstag seines Ehrenmitglieds Daniel Barenboim geplant hat. Daniele Gatti dirigiert am Pult des Gewandhausorchesters Leipzig Brahms und Bruckner. Das London Symphony Orchestra, das Orchestre de Paris, das Swedish Radio Symphony Orchestra, das Orchestre de l’Opéra nation de Paris und das Orchester „Les Siècles“ – sie alle gastieren mit ihren Chefdirigenten im Musikverein: Sir Simon Rattle, Klaus Mäkelä, Daniel Harding, Gustavo Dudamel und François-Xavier Roth. Glanzvoll besetzt sind natürlich auch die Soli in dieser Konzertreihe: Mitsuko Uchida, Janine Jansen und Christian Tetzlaff sind 2022/23 Gäste im „Meisterinterpreten II“-Zyklus des Musikvereins.

MEISTERINTERPRETEN III

Lang Lang ist der Solist im letzten Abonnementkonzert dieses Spitzenzyklus, der mit Khatia Buniatishvili als Solistin in Rachmaninows Drittem Klavierkonzert auch mit pianistischer Brillanz eröffnet wird. An der Seite der Wiener Symphoniker, dirigiert von Manfred Honeck, debütiert in diesem Zyklus auch eine der begeisterndsten jungen Geigerinnen, die 2002 geborene María Dueñas. Sie spielt Beethovens Violinkonzert. Anton Bruckners Achte steht auf dem Programm eines Zykluskonzerts mit Christian Thielemann und den Wiener Philharmonikern. Riccardo Muti verbindet in seinem Konzert mit den Philharmonikern Mozarts „Haffner-Symphonie“ und Mendelssohns „Reformationssymphonie“ mit dem wieder neu zu entdeckenden Paul Hindemith. Die epochale d-Moll-Symphonie von César Franck ist hier mit den berufensten Interpreten aus Paris zu hören: mit dem Orchestre National de France unter seinem Chefdirigenten Cristian Măcelaru. Weiters am Dirigentenpult dieses Zyklus: Alain Altinoglu, Daniel Harding, Daniele Gatti und Andris Nelsons.

GROSSE SOLISTEN

Der Titel ist hier Programm: Im Zyklus „Große Solisten“ geben sich international herausragende Instrumentalisten die Klinke in die Hand, Meister der jüngeren wie der älteren Generationen. Klavierabende spielen 2022/23 der junge Russe Daniil Trifonov und der italienische Altmeister Maurizio Pollini sowie Jewgenij Kissin und Igor Levit, denen die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eigene, jeweils mehrere Konzerte umfassende Porträts widmet. Das bestens aufeinander eingestimmte Duo Leonidas Kavakos und Yuja Wang ist ebenso zu erleben wie der französische Cellist Gautier Capuçon im Zusammenspiel mit Wiens Meisterpianist Rudolf Buchbinder, die Sonaten und Variationen von Beethoven mit französischem Repertoire von Debussy und Fauré verbinden. Dass große Solisten auch exzellente und leidenschaftliche Kammermusiker sind, stellen Daniel Barenboim in Beethoven-Klaviertrios sowie Krystian Zimerman in Klavierquartetten von Brahms unter Beweis.

CHRISTIAN-THIELEMANN-ZYKLUS

Auftritte von Christian Thielemann zählen seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren zu den absoluten Höhepunkten im Musikverein. 2022/23 bringt die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ihre Verbundenheit mit dem Kapellmeister par excellence in einem eigenen Christian-Thielemann-Zyklus zum Ausdruck. In seiner vorletzten Saison als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden führt Christian Thielemann sein Orchester gleich dreimal in den Musikverein: mit Beethovens Siebter und Achter Symphonie, mit einem reinen Strauss-Programm, in dem Diana Damrau die Schlussszene aus „Capriccio“ und die Verwandlungsszene aus „Daphne“ singt, sowie mit der Dritten Symphonie von Gustav Mahler (Altsolo: Christa Mayer). Und am Pult der Wiener Philharmoniker, mit denen er als Gastdirigent eine besonders enge Zusammenarbeit pflegt, dirigiert Thielemann im Rahmen des Musikverein Festivals Anton Bruckners Achte Symphonie.

Monatsmagazin Musikfreunde September / Oktober 2022

Es ist alles eine Frage der Balance, erst recht in der Kunst. Und je höher oder auch tiefer es geht im Streben ums Bestmögliche, umso größer wird die Herausforderung. Christian Thielemann, dem wir in der Saison 2022/23 einen eigenen Zyklus widmen, erzählt davon im Exklusivinterview für diese Ausgabe: „Das Leise – oder besser das Differenzierte: Mit dem Streben danach verbringt man am Pult sein halbes Leben.“ Das erste Konzert unseres Thielemann-Zyklus ist zugleich der Saisonauftakt: glanzvoller Start eines enorm reichen, vielfältigen Konzertjahrs, geprägt von künstlerischer Exzellenz. Beethoven, Bruckner, Strauss und Mahler sind die Komponisten im Thielemann-Zyklus – besonders gespannt darf man dabei auf Thielemanns Mahler-Interpretation sein. Denn gerade hier, erläutert Thielemann, hat er sich lange Zeit gelassen, um seinen Weg zur Balance zu finden: darauf zu achten, nicht zu viel „machen“ zu wollen und der Musik den Raum zu geben, der ihr ohnehin schon eingeschrieben ist.