Der Brahms-Saal 2022/23

Kammermusik und Lied im Abonnement

Im Brahms-Saal sind Kammermusik und Liedgesang zu Hause – erlebbar in den Abonnementreihen des Musikvereins.

Kammermusik, solistisch wie in unterschiedlich besetzten Formationen, und Lied. Schon mit dem ersten Konzert im Kleinen Musikvereinssaal war die Bestimmung des heutigen Brahms-Saals definiert. Keine Geringere als Clara Schumann, eine der bedeutendsten Pianistinnen des 19. Jahrhunderts, spielte in diesem ersten Konzert am 19. Jänner 1870 Klaviermusik von Mendelssohn, Rudorff und Chopin sowie mit musikalischen Partnern das Horntrio von Brahms und Lieder von Schubert, Schumann und Brahms. Kammermusik und Lied – sie prägen das Konzertgeschehen im Brahms-Saal bis heute. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Großen Musikvereinssaal werden hier, ebenfalls von Künstlern höchsten internationalen Rangs, die intimeren Formen der Musik gepflegt – 2022/23 zum Beispiel in einem neu aufgelegten Klavier-Zyklus. Exzellente Nachfolger Clara Schumanns sind in dieser aparten Reihe Marc-André Hamelin, Piotr Anderszewski, der junge Chinese Seong-Jin Cho, Till Fellner und Elisabeth Leonskaja mit einem breiten Repertoirespektrum von Bach bis Liszt, von Beethoven bis Prokofjew und von Brahms bis Gubaidulina.

International besetzt wie der neue Klavier-Zyklus ist aus Tradition auch der Kammermusik-Zyklus, unter anderem mit dem amerikanischen Emerson String Quartet, das auf seiner Abschiedstournee auch im Brahms-Saal einkehrt, und zwei Schwerpunktkünstlern der Musikvereinssaison 2022/23: Geigerin Isabelle Faust im Klaviertrio mit Alexander Melnikov und Sol Gabetta sowie Daniel Barenboim, der mit dem Boulez Ensemble einen Abstecher in den Goldenen Saal macht. Wiener Kolorit bringt die Konzertreihe Ensembles der Wiener Philharmoniker. Mitglieder des weltberühmten Klangkörpers frönen hier – abseits des Orchesterdiensts in Oper und Konzert – bereits in der zweiten Saison ihrer Leidenschaft für die Kammermusik. Weitere Ensembles, die sich aus den Reihen der Wiener Philharmoniker formiert haben, gehören seit vielen ­Jahren zum Programm im Brahms-Saal – etwa das Ensemble Wien, das Streichquartett mit Kontrabass statt Cello, im Zyklus Freude an Musik und die Philharmonia Schrammeln, die auch in dieser Saison wieder prominente Gäste mit aufs Podium bitten. Fixe Größen mit eigenen Konzertreihen im Brahms-Saal sind auch das Artis-Quartett und das Altenberg Trio, zwei Aushängeschilder der österreichischen Kammermusiklandschaft. Im Zyklus Musica Antiqua ist Alte Musik mit dem Bach Consort Wien, dem Ensemble La Ninfea und Isabelle Faust – sie spielt Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo – zu erleben, im neu konzipierten Zyklus Aus der Schatzkammer werden Schätze aus Archiv, Bibliothek und Sammlungen der ­Gesellschaft der Musikfreunde gehoben. Kammermusik und Lied. Anno 2022/23 wäre Clara Schumann im Musikverein Klavierpartnerin prominenter Sängerinnen und Sänger: Liederabende gestalten Elīna Garanča und Renée Fleming (im Goldenen Saal), Christiane Karg, Sabine Devieilhe, Sir Simon Keenlyside und Michael Schade.

Monatsmagazin Musikfreunde November 2022

Offene Räume erwarten Sie, wenn Sie in den Musikverein kommen – und das ganz besonders am 6. November, wenn das „Claudio Abbado Konzert“, Herzstück des Festivals Wien Modern, auch programmatisch mit offenen Räumen beginnt: mit „Open Spaces II“, einem Werk von Georg Friedrich Haas. Die offenen Räume sind hier ganz wörtlich zu verstehen. Das Konzert beginnt im Foyer und in der ehemaligen Kutscheneinfahrt des Musikvereinsgebäudes und lädt dazu ein, sich erst einmal frei im Haus durch „transparente Klangräume“ zu bewegen, bevor dann im Großen Musikvereinssaal das nächste Werk gespielt wird: ein Stück von Mark Andre, der in dieser Saison als „Komponist im Fokus“ eine zentrale Rolle im Programm des Musikvereins spielen wird.

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