Erfolg in Serie

Die Geschichte der Abonnements

Abonnements sind das Um und Auf im Saisonprogramm des Musikvereins. Doch wie kam es eigentlich zu dieser Veranstaltungsform? Seit wann wurden Konzerte in Serien gebündelt? Archivdirektor Otto Biba erzählt von einer Erfolgsgeschichte, die in der Mozart-Zeit begann.

Gehen Sie doch bitte gedanklich mit mir zurück in die Zeit, in der es noch keine Konzertveranstalter und keine Konzertunternehmungen gab und schon gar keine Agenten oder Manager, in der also Komponisten oder Interpreten ihre Konzertauftritte selbst organisieren mussten. Nehmen wir prominente Namen her: Mozart, Beethoven und alle ihre Zeitgenossen – unter diesen die vielen reisenden Virtuosen – haben ihre Konzertauftritte selbst organisiert. Darin haben sie gar keinen Nachteil und keine ungebührliche Belastung gesehen, denn sie waren daran gewohnt. Es war so üblich, und es gab keine Alternative.

Der Künstler musste für das von ihm veranstaltete Konzert alle praktischen Vorarbeiten – wie die Anmietung des Saales und das Engagement eines Orchesters oder weiterer Mitwirkender – leisten, für die Ankündigung sorgen und den Kartenverkauf organisieren. Der ganze Erlös floss ihm zu, der Reingewinn verblieb bei ihm. Das heißt, der veranstaltende Künstler musste auch Kapital einsetzen, um auf dessen Rückfluss und vor allem auf einen verbleibenden Gewinn zu hoffen. Es ist naheliegend, dass der in einer Person agierende Künstler und Veranstalter finanzielle Sicherheiten suchte. Diese fand er vor allem in sogenannten Subskriptionen. Er plante nicht nur einen, sondern mehrere Auftritte und bot die Karten für alle Auftritte in einem an. So hatte er im Voraus eine Sicherheit für den Verkaufserlös und war nicht gezwungen, ausschließlich sein eigenes Geld für den Konzertauftritt bzw. die Konzertauftritte arbeiten zu lassen. Wenn nun – um ein Beispiel zu nennen – Mozart im März 1783 drei Konzerte im Saal im Trattnerhof auf dem Graben veranstaltete und für diese eine Subskription auflegte – wie man damals sagte – so hatte er, um diesen modernen Begriff zu verwenden, für diese drei Konzerte Abonnenten. Wenn er im Februar und März 1785 im Saal „Zur Mehlgrube“ auf dem Neuen Markt sechs Konzerte ankündigte, so suchte er auch dafür Subskribenten – also Abonnenten – zu sammeln. Diese bezahlten im Voraus für die Konzerte, Mozart konnte die anfallenden Spesen damit ganz oder teilweise decken, bot die nicht in der Subskription für alle Konzerte verkauften Karten einzeln für jedes der Konzerte an (heute würden wir sagen: an der Abendkassa) und war jedenfalls auf die Schlussabrechnung gespannt.

Nicht alle machten es so, zum Beispiel bevorzugte Beethoven Einzelkonzerte in Theatern, also in den größtmöglichen Räumen, aber diese Subskriptionskonzerte waren jedenfalls die ersten Abonnementkonzerte. Besonders für reisende Virtuosen waren solche Konzertsubskriptionen wichtig. Sie setzten auf die Zugkraft ihrer Namen und sahen in der von ihnen besuchten Stadt eines oder mehrere Konzerte vor; für mehrere Konzerte legten sie eine solche Subskription auf. Fanden sich nicht genug Subskribenten, so wurde diese Mehrzahl von Auftritten, also diese Reihe von „Abonnementkonzerten“, abgesagt.

Für eine andere Frühform von Abonnementkonzerten sorgten vereinsmäßig organisierte Musikgesellschaften, wie etwa die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Sie boten ihren Mitgliedern eine bestimmte Anzahl von Konzerten im Jahr, also Abonnementkonzerte. Karten, die nicht von den Mitgliedern bezogen wurden, gingen in den freien Einzelverkauf. Der Hauptgrund, Mitglied einer solchen Gesellschaft zu werden, war das Bezugsrecht für Karten der etwa vier- bis sechsmal pro Jahr veranstalteten Konzerte oder die Möglichkeit, im Orchester oder Chor dieser Konzerte mitzuwirken. Man sprach dann von ausübenden oder von unterstützenden Mitgliedern; letztere waren die Abonnenten.

Freilich, das üppige Abonnementangebot von heute ist das Ergebnis einer relativ jungen Entwicklung. Dass die Gesellschaft der Musikfreunde in ihrer Frühzeit neben vier bis fünf Orchester- und Chorkonzerten auch die Subskription auf eine Reihe von Kammermusikkonzerten anbot, war eine Ausnahme. Andere Musikgesellschaften, die nach der Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde im österreichischen Kaisertum, aber auch außerhalb von diesem geradezu aus dem Boden schossen – unglaublich, wie viele Konzerte veranstaltende „Musikvereine“ aus dieser Zeit es heute noch gibt –, kannten diese zwei Veranstaltungsreihen nicht, sondern konzentrierten sich auf „große“ Konzerte. Ja, die Kammermusikreihe der Gesellschaft der Musikfreunde, „Musikalische Abendunterhaltungen“ genannt, verschwand schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts wieder, und dann gab es bis nach dem Ersten Weltkrieg nur die „Gesellschaftskonzerte“ mit Orchesterwerken und Werken für Chor und Orchester. Sie waren primär für die Mitglieder der Gesellschaft der Musikfreunde bestimmt – daher ihre Bezeichnung – und wurden von diesen im Abonnement besucht. Etwa sechs Konzerte im Jahr umfasste solch ein Zyklus. In der Zwischenkriegszeit kamen mehr Zyklen dazu, nach der Wiedererrichtung der Gesellschaft im Jahr 1945 waren es weniger (aber mit dem „Musikvereinsquartett“ nach langem erstmals wieder Kammermusik), doch stieg jedenfalls die Zahl, erst langsam und dann stärker. 1987/88 waren es schon 16 Zyklen. In der Jubiläumssaison 2019/20 – 150 Jahre nach der Eröffnung des Musikvereinsgebäudes – bot die Gesellschaft der Musikfreunde 75 Abonnements an. In der kommenden Saison werden es fast gleich viele, nämlich 72 sein.

Hinter diesem enormen Zuwachs an Zyklen steht, wenn man es nüchtern sieht, wie am Anfang der Abonnements ein Sicherheitsdenken. An Abonnenten abgegebene Karten sind verkaufte Karten. Gleichzeitig weiß, wer ein Abonnement kauft, dass er sicher dabei ist. Den Besuch attraktiver Konzerte hat er sich lange schon im Vorfeld gesichert. „Da habe ich Abonnement“, weiß und sagt man, der Konzerttermin steht im Kalender. Und ganz sicher ist auch: Ein Abonnement beruht auf Vertrauen. Der Abonnent vertraut dem Veranstalter, der Veranstalter wieder kann, vom Abonnenten mit Vertrauen ausgestattet, auch hin und wieder ungewöhnliche programmatische Akzente setzen, um die Erwartung, die in ihn gesetzt wird, auch mit Überraschendem zu erfüllen. Auch so bereichert sich das Konzertleben übers Abonnement.

Noch eines darf man nicht vergessen: Im biedermeierlichen Wien gab es zwei Veranstalter, die Konzert-/Abonnementreihen anboten: die Gesellschaft der Musikfreunde und die Concerts spirituels. Letztere verschwanden im Revolutionsjahr 1848. Die Gesellschaft der Musikfreunde überlebte dieses Krisenjahr nur mit Mühe, und erst 1860, als die Wiener Philharmoniker ihre Abonnementkonzerte begannen, hatte Wien wieder zwei Anbieter von Orchesterkonzerten im Abonnement. (Nebstbei bemerkt: Der Entschluss der Wiener Philharmoniker, Konzerte im Abonnement anzubieten, manifestierte noch einen Vorteil des Abonnementsystems: Es zwingt zu mehr oder weniger regelmäßigen Konzertangeboten, während sich zwischen Einzelkonzerten auch derselben Interpreten und Veranstalter längere Pausen ergeben können.) 1913 kam als weiterer großer Anbieter die Wiener Konzerthausgesellschaft hinzu – nicht zu vergessen die vielen ambitionierten weiteren Veranstalter, die seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts immer mehr mit Abonnementangeboten auf den Plan traten, kamen und gingen ...  Sie alle, die großen und kleinen, die traditionellen und neuen, die lang- oder kurzlebigen haben das Publikum zu Abonnenten erzogen bzw. auf diese Konsumvorlieben reagiert. Begann in Mozarts Zeit mit Abonnements eine Sicherheit für einen verlässlichen Kartenabsatz für mehrere Musikereignisse in einem, so ist heute das Abonnement zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden. Es bedient künstlerische Bedürfnisse wie gesellschaftliche Interessen und sorgt für eine Gesamtzahl von Konzertbesuchern, wie es sie zuvor noch nie gegeben hat.

Otto Biba
Prof. Dr. Dr. h. c. Otto Biba ist Direktor von Archiv, Bibliothek, Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

Monatsmagazin Musikfreunde Juli / August 2021

„Pan erwacht. Der Sommer marschiert ein.“ Gustav Mahler hatte diesen Titel im Sinn, als er den ersten Satz seiner Dritten Symphonie komponierte. Und etwas von dieser Stimmung liegt jetzt in der Luft. Glücklicherweise. Der Sommer ist da. Und ein starkes Erwachen: Erleichterung, Lockerung und große Zuversicht nach den langen Lockdowns. Seit Mitte Mai dürfen wir im Musikverein wieder Konzerte vor Publikum spielen, seit Mitte Juni gibt es weitere Öffnungen, ab Juli dürften endlich wieder Konzerte vor vollem Haus möglich sein. Wir alle freuen uns sehr darauf. Und mit großer Freude blicken wir so auch auf die kommende Saison!

Magazin als PDF