In der ganzen Welt zu Hause

Das Wiener Ensemble Cobario  

Geige, akustische Gitarren und Klavier, gemischt mit internationalem Flair – das ist das Erfolgsrezept des Ensembles Cobario. In ihrem Programm „Wiener Melange“ präsentieren die drei Musiker im Gläsernen Saal Klangfarben aus aller Welt. 

„Eine wunderbare Melange an Kompositionen, geschrieben auf vier verschiedenen Kontinenten, dargebracht im Herzen Europas: in Wien.“ Das ist es, was das Publikum im Gläsernen Saal erwartet, wenn das Ensemble Cobario nach seinem ersten Auftritt 2014 nun wieder im Musikverein gastiert. „Der Gläserne Saal ist für unsere Musik einer der besten Konzertsäle – sowohl vom Ambiente her als auch akustisch. Und das Publikum ist sehr nah. Dementsprechend freuen wir uns auf das Konzert“, berichtet Cobario-Gitarrist Jakob Lackner alias „El Coba“. Die Nähe zum und die Interaktion mit dem Publikum sind ein wichtiger Bestandteil aller Bühnenauftritte der drei Musiker. Mit Schmäh, Charme und neuen musikalischen Klangwelten lassen Cobario mal mit einfühlsamen, mal mit mitreißenden Melodien bei den Konzertbesuchern neue Bildwelten im Kopf entstehen – und das Publikum kann, freilich auch in Wien, das  Programm mitgestalten: Möchte man sich in die Tiefen des Meeres begeben, auf das Begräbnis eines Clowns gehen oder doch lieber ein würziges Gulasch mit den Musikern verspeisen? Auf der Website von Cobario hat man die Möglichkeit, das Konzertprogramm mitzubestimmen: Die sieben Stücke mit den meisten Stimmen gehen am Konzertabend als Fixstarter ins Rennen.   

Der einzigartige Geist der Straße

Seit mehr als zehn Jahren besteht die Formation bereits, die ihre Wurzeln in der Straßenmusik hat: 2006 gründeten Gitarrist El Coba und das ehemalige Mitglied Mario Chehade alias „Rio Che“ in Barcelona Cobario als rein instrumentales Akustikprojekt. Bei einem Straßenkonzert in Wien lernten die beiden den Geiger Herwig Schaffner alias „Herwigos“ kennen. 2007 gingen sie gleich zu dritt auf Straßenkonzerttournee. In dieser Zeit sind auch ihre Künstlernamen entstanden, die für El Coba „das Freiheitsgefühl ihres Vagabundendaseins“ auf Tour verkörpern. Gemeinsam erkundeten sie sowohl musikalisch als auch geographisch neue Wege. Das Trio machte nämlich schon Station auf vielen Flecken der Erde: Neben den Ursprüngen in Spanien reisten sie auch gemeinsam nach Nizza, Turin, England, Schottland, Irland, aber auch nach Kanada, Kasachstan und Kirgisistan. Von all ihren Reisen nehmen die Mitglieder von Cobario jedoch nicht nur Eindrücke neuer Landschaften und Kulturen mit, sie tauchen auch ein in neue musikalische Welten, die Niederschlag in ihren Songs finden, denn „unsere Konzerttourneen sind gleichzeitig wieder Inspirationsquelle für neue Kompositionen“. 

Vereint in Vielfalt

Die drei Musiker verbringen durch Konzertreisen, Vorbereitungen und Proben rund 180 Tage im Jahr zusammen – treffen einander aber auch „abseits von Konzerten gern auf das eine oder andere Getränk. Wir lieben pfeffrigen Grünen Veltliner“, verrät El Coba. Ihre musikalischen Ziele verwirklichen die drei gemeinsam – doch ihr musikalisches Handwerk haben sie recht unterschiedlich gelernt. Gitarrist El Coba ist Autodidakt, der sich durch zahlreiche Bandprojekte und gezielten Unterricht zum offenohrigen Musiker spielte. Geiger Herwigos wurde hingegen bereits im Alter von 16 Jahren an der Universität Mozarteum Salzburg aufgenommen. Er fühlt sich also nicht nur als virtuoser Solist in den Musikstilen der Welt zu Hause, sondern hat auch in klassischen Orchestern gespielt. Der zweite Gitarrist im Bunde, Georg Aichberger alias „Giorgio Rovere“, eignete sich das Gitarrenspiel zunächst ebenfalls autodidaktisch an, ehe ihn die akademische Ausbildung an die Musikuniversität Wien und schließlich nach Sydney führte. Bei einem seiner zahlreichen Auftritte machte Giorgio Rovere die Bekanntschaft des zufällig anwesenden Geigers Herwigos – und bald war klar, dass nach dem Ausstieg von Cobario-Gründungsmitglied Rio Che mit Giorgio Rovere ein neuer zweiter, virtuoser Gitarrist gefunden war. Wieder zu dritt, konnte die gemeinsame Passion zur Überschreitung musikalischer Genregrenzen weitergehen. 

Wiener Melange

Ihre Werke sind – also quasi den Wiener Wurzeln Respekt zollend – eine klassische Melange. Nur wird hier nicht Kaffee mit Milch gemischt, sondern es werden andere Zutaten miteinander kombiniert: Der Sound der Westerngitarre wird mit dem schmelzenden Ton der Violine verrührt, spanische Gitarrenmusik mit mystisch-orientalischen Klängen veredelt, und slawische Rhythmik sorgt für Feuer in der musikalischen Gewürzmischung. Die Titel der Stücke verraten zwar oftmals ihre Inspiration, doch auch ohne diesen Leitfaden hat man den gemütlichen Sonntag im Ohr, sieht das Nordlicht vor Augen, möchte durch einen Bazar streifen, fühlt sich wie in einem Saloon im Wilden Westen oder an der mondänen Riviera der Côte d’Azur – und fiebert beim Liebeswerben einer Stechmücke mit. In Cobarios Musik sind immer wieder auch wienerische Zutaten zu vernehmen, denn „wieder zu Hause angekommen, treffen wir uns dann beim Wiener Heurigen. Bei einem Achterl vom Hauswein lässt sich das Erlebte besser verarbeiten“, verrät El Coba eines der Geheimnisse ihrer musikalischen Cuvée.   

Neue Klänge von weit weg

Für das jüngste Album mit dem Titel „Weit weg“ hat das Trio wieder seine Reise- und Tourleidenschaft zum kreativen Tüfteln und Komponieren genutzt. Mexikanische Mariachiklänge, Bluegrass aus dem Mittleren Westen, die Weiten der kasachischen Steppe, musikalische Einflüsse aus Ungarn und Rumänien und manches mehr flossen ein. In den drei Entstehungsjahren war das Trio im wahrsten Sinne des Wortes weit weg. Insgesamt bereisten sie 25 Länder. „Unsere Konzertreisen sind eine wunderbare Inspirationsquelle für neue Klänge und Harmonien“, so El Coba. Und das wird auch im Musikverein hörbar sein. In den Gestaltungsprozess sind immer alle drei Musiker eingebunden. Sehr oft entstehen die Kompositionen durch gemeinsames Improvisieren: „Es gibt Momente, in denen plötzlich eine Melodie im Raum schwebt, die sich speziell und neu anhört. Oftmals flattert jemandem von uns etwas Neues zu, das wir dann zu dritt aufgreifen und über das wir improvisieren, bis daraus ein neues Stück entsteht.“ Die stilistische Bandbreite wird auch dadurch ergänzt, dass die Musiker zuletzt häufiger als bisher ihre Stimmen zum Klingen bringen. El Coba erklärt die Entscheidung: „Zum einen sind wir von unserem Publikum schon oft dazu ermutigt worden, zum anderen erweitert dies die musikalischen Möglichkeiten um eine zusätzliche Dimension.“ 

Leidenschaft und Energie

Die Meinung ihres Publikums ist den drei Musikern sehr wichtig, es zu begeistern ihre Maxime. Dadurch kommt auch wieder viel Hingabe zurück, denn der Beruf des Musikers habe den Vorteil, „dass man am Ende des Tages für seine Leidenschaft beklatscht wird“. Das mache auch lange Reisezeiten auf Tourneen oder anstrengende Konzertaufbauten wieder wett, denn „was man hier an Energie zurückbekommt, lässt alle Anstrengungen wieder vergessen“, resümiert El Coba. Dass die Interaktion mit dem Publikum die größte Freude bedeutet, haben sie bei ihren Straßenkonzerten gelernt. „Wer einmal den einzigartigen Geist eines Straßenkonzerts inhaliert hat, weiß diese Energie zu schätzen. Und diese Energie nehmen wir auch zu unseren Auftritten in Konzerthäusern mit.“

Michaela Schierhuber 
Michaela Schierhuber, MA, ist studierte Historikerin und Musikwissenschaftlerin und gestaltet Musiksendungen für Ö1.