Alla breve

Der Dezember 2020 im Musikverein Wien

Bachs beste Kammermusik

Die Orgel-Triosonaten von Johann Sebastian Bach sind für Rubén Dubrovsky und sein Bach Consort Wien der anspruchsvollste Triosonaten-Zyklus der Musikgeschichte und zugleich Bachs beste Kammermusik. Die zyklische Aufführung der sechs Werke ist in dieser Form eine Premiere im Musikverein.

Unter Organisten gelten sie als „der Gipfel des Repertoires”, weiß Rubén Dubrovsky über die sechs Orgel-Triosonaten von Johann Sebastian Bach. „Diese konsequente drei- stimmige Polyphonie, aufgeteilt auf zwei supervirtuose Hände und dann noch das Pedal …” Dass Bach, ein genauer Blick in die Noten zeigt es, dabei die Möglichkeiten der Orgel gar nicht ausschöpft, erstaunt.
Vielmehr beschränkt er sich bei der Ober- und der Mittelstimme in aller Strenge und Konsequenz auf zwei ganz bestimmte Register: den Tonumfang von Geige und Bratsche. Transkribiert man die Werke für diese Instrumente, so Dubrovsky, „sind sie für mich zweifellos der beste, musikalisch interessanteste und technisch anspruchs- vollste Triosonaten-Zyklus der Musikge- schichte”.
Entstanden ist unter diesen Vorzeichen eine Transkription, die für die Oberstimme alternierend Violine, Blockflöte und die rechte Hand des Orgelpositivs vorsieht – besetzt mit Solistinnen und Solisten aus den eigenen Reihen – und für deren besonders virtuose Mittelstimme einer der international führenden Bratschisten eingeladen wurde: Nils Mönkemeyer. Die Continuo-Gruppe stehen im Bach Consort wie stets mehrere Instrumente zur Verfügung. Sie sorgen, je nach Charakter der Sonaten in unterschied- lichen Kombinationen aus Violoncello, Cembalo oder Orgel, Laute, Kontrabass und Colascione, für das optimal gefärbte Klanggewand.

Bach Consort Wien
© Julia Wesely

Bach Consort Wien 

Bach Consort Wien

Rubén Dubrovsky, musikalische Leitung
Nils Mönkemeyer, Viola

Johann Sebastian Bach
Triosonate Es-Dur, BWV 525
Triosonate c-Moll, BWV 526
Triosonate d-Moll, BWV 527
Triosonate e-Moll, BWV 528
Triosonate C-Dur, BWV 529
Triosonate G-Dur, BWV 530

Mittwoch, 09. Dezember 2020, 17.00 Uhr

Mittwoch, 09. Dezember 2020, 20.00 Uhr

Christian Thielemann
© Matthias Creutziger

Christian Thielemann 

Wiener Philharmoniker

Christian Thielemann, Dirigent

Anton Bruckner
Symphonie Nr. 3 d-Moll; 2. Fassung 1877

Donnerstag, 03. Dezember 2020, 20.00 Uhr

Jubel für Bruckner

Tosender Applaus. Er wird, Corona- bedingt, um einige Dezibel geringer ausfallen als üblich. Aber klar ist: Wenn im Musikverein ein Thielemann-Konzert zu Ende geht, besteht ein begeistertes Publikum darauf, den Dirigenten nochmals auf die schon leere Bühne zu holen. Das wird am 3. Dezember nicht anders sein.

„Corona-bedingt” – ein Unwort, an das wir uns schon fast gewöhnt haben – musste das Gewandhausorchester Leipzig sein Musikvereinsgastspiel im November absagen.
Aber glückliches Wien! Die Wiener Philharmoniker springen ein, mit Christian Thielemann am Pult. Auf dem  Programm des Ersatzkonzerts am 3. Dezember steht Bruckners „Dritte” in jener Fassung, in  der sie 1877 im Großen Musikvereinssaal uraufgeführt wurde. Nicht  dass  sich Bruckner damals tosenden Applaus erwartet hätte. Die Umstände zuvor ließen schon Schlechtes befürchten, aber mit diesem Debakel rechnete wohl kaum einer: Als die Schlussakkorde verklangen, befanden sich gerade noch zwei Dutzend  Leute  im  Saal, die – einem Zeugenbericht zufolge – „laut lachten”. Tempi passati. Der  tosende Applaus heute gilt auch einem Werk, das die leidenschaftliche Auseinandersetzung fordert. Und wer wäre dazu berufener als Christian Thielemann?

Tonart der Hoffnung

B-Dur? Was sagt die Tonart aus? In seiner „Ästhetik der Tonkunst“ beschreibt es Christian Friedrich Daniel Schubart so: „heitere Liebe, gutes Gewissen, Hoffnung, Hinsehnen nach einer besseren Welt“. Am Ende dieses Jahres können wir viel von dieser Hoffnung brauchen. Die Wiener Symphoniker stärken sie musikalisch. Mit einem Konzert in B-Dur.

In B-Dur schrieb Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes Klavierkonzert, das er im März 1791 selbst vom Flügel aus zur Uraufführung brachte. Heiter ist der Duktus des Ganzen, klar und licht das Ziel. Im Finalsatz wird es offenkundig, wenn Mozart sein Hoffnungslied vorwegnimmt, „Komm, lieber Mai, und mache ...“ „Sehnsucht nach dem Frühlinge“ nannte er das Lied, das die Melodie aus dem Klavierkonzert weiterträgt. Francesco Piemontesi, als international gefeierter Pianist besonders für sein Mozart-Spiel gerühmt, wird den Hoffnungszauber am Flügel entfalten, bevor die Wiener Symphoniker unter Lahav Shani das wohl monumentalste Werk in B-Dur spielen: Bruckners Fünfte. Das „Hinsehnen nach einer besseren Welt“ kulminiert da im grandiosen Schlusschoral. Stärker tönte die Hoffnung nie als in diesem B-Dur. 

Lahav Shani
© Marco Borggreve

Lahav Shani 

Wiener Symphoniker

Lahav Shani  

Francesco Piemontesi
Mozart: Klavierkonzert B-Dur, KV 595
Bruckner: Symphonie Nr. 5 B-Dur

Mittwoch, 16. Dezember 2020, 19.30 Uhr

Donnerstag, 17. Dezember 2020, 19.30 Uhr

Stefan Gottfried
© Wolf-Dieter Grabner

Stefan Gottfried 

Concentus Musicus Wien

Stefan Gottfried, Dirigent
Marlis Petersen, Sopran
Florian Boesch, Bassbariton

Symphonie Nr. 7 A-Dur, op. 92
sowie weitere Werke 

Samstag, 12. Dezember 2020, 19.30 Uhr

Sonntag, 13. Dezember 2020, 19.30 Uhr

Inneres und Äußerstes

Marlis Petersen „alla breve“ – ein Kurztext, 1.000 Zeichen für die „Sängerin des Jahres“? Das kann nicht gelingen. Zu vielseitig ist sie, zu fantastisch-facettenreich, als dass man sie rasch beschreiben könnte. Es geht nicht auf einen Blick, es geht nicht auf einen Klick. Oder doch?

Der Klick auf ihre Website zeigt, schon auf den ersten Blick, das Neueste: Gerade erst wurde sie, nun schon zum vierten Mal, von der Zeitschrift „Opernwelt“ zur „Sängerin des Jahres“ gekürt. Genau dieses Prädikat erhielt sie auch beim Opus Klassik 2020: „Sängerin des Jahres“! Über diesen News aber baut sich auf der Website in zarter Schrift eine Sentenz auf: „Weicht die äußere Sicherheit, dürfen wir in unser Vertrauen fallen.“ Dass Marlis Petersen uns diesen Gedanken mitgeben will, zeigt schon viel von ihr. Den Weg nach innen sucht und geht sie selbst, mit allen Sinnen und der ganzen Sinnlichkeit ihres Singens. „Innenwelt“ heißt denn auch die Lied-CD, die ihr bei Opus Klassik den großen Jahrespreis eingebracht hat. Die Innenwelt, so tief ergründet, ist das Pendant zum Äußersten, das ihr auf der Opernbühne gelingt. Die „Opernwelt“ sah es in diesem Jahr phänomenal ausgeprägt in ihren Aufritten als Korngolds Marietta (Marie) in München und als Salome am Theater an der Wien. „In beiden Fällen“, so die Jury, „hat die Sopranistin Rollenporträts geschaffen, die durch ihre Vielschichtigkeit, aber mehr noch durch ihre gleichsam existenzielle Wucht betören ...“ Nein, ein Kurztext über Marlis Petersen lässt sich schwer schreiben. Nur noch kurz so viel: Am 12. und 13. Dezember ist sie Solistin beim Concentus Musicus.

Schauer und Schauriges

Das wird ein Originalklang-Konzert mit ganz besonderen Tönen: Schauer und Schauriges schwingen mit, wenn Musik gespielt wird, die bei Beethovens Begräbnisfeier ertönte. Und das mit Posaunen, die authentischer nicht sein könnten.

Die Geschichte dahinter? 1812 schrieb Beethoven für den Linzer Stadt- und Kirchenmusiker Franz Xaver Glöggl drei Equale, das sind Begräbnismusiken, für vier Posaunen. Zwölf Jahre später kaufte die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien von Glöggl 43 historische Musikinstrumente für ihre Sammlungen, teils solche, die er bewusst als musikalische Altertümer gesammelt, und teils solche, die er noch in Verwendung gehabt hatte. Wir können annehmen, dass sie bei den von Glöggl und seinen Musikern besorgten Begräbnismusiken zum Einsatz kamen, also auch für Beethovens Equale. Bei „Nun klingen sie wieder“ werden jetzt Glöggls Posaunen verwendet. „Abschied von Beethoven“ lautet das Thema des Konzerts, bei dem im Posaunensound von damals auch die Musik zu hören ist, die Beethoven selbst für Glöggl schrieb – und solche, die an seinem eigenen Grab erklang.  

Zugposaune
© Archiv-Bibliothek-Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Zugposaune 

Nun klingen sie wieder

„Abschied von Beethoven”

Konzert mit Trauer- und Erinnerungsmusiken für Ludwig van Beethoven 

Montag, 14. Dezember 2020, 19.30 Uhr

Fauré Quartett
© Tim Klöcker

Fauré Quartett 

Fauré Quartett

Mahler: Klavierquartettsatz a-Moll
Fauré: Klavierquartett Nr. 2 g-Moll, op. 45
Dvořák: Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur, op. 87

Donnerstag, 03. Dezember 2020, 19.30 Uhr

Fauré forever

Mit den Klavierquartetten von Gabriel Fauré begann vor 25 Jahren die beeindruckende Laufbahn des Fauré Quartetts. Internationale Engagements führen immer wieder auch in den Musikverein – dieses Mal mit Dvořák, Mahler und Fauré.

„Das Fauré Quartett gehört zum Besten, was man derzeit hören kann.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ findet klare Worte für das exzellente Ensemble, das seit einem Vierteljahrhundert in der raren fixen Besetzung Klavier, Violine, Viola und Violoncello international Furore macht. An der Musikhochschule Karlsruhe kamen die vier damals, 1995, zusammen, um die zwei Klavierquartette von Gabriel Fauré zu studieren. Die Werke entfachten ein Feuer, das bis heute ungebrochen lodert und immer wieder über die Klassik hinaus auch in andere Richtungen Flammen schlägt, etwa für ein Album mit Popsongs oder für Projekte mit Künstlern wie Rufus Wainwright und Sven Helbig.
Ihren Ausgangspunkt haben „die Faurés“ dabei stets im Blick und im Herzen bewahrt: die beiden Klavierquartette ihres Namensgebers. Bis heute sind sie ihnen Verpflichtung und Vergnügen gleichermaßen, was sie – zum 175. Geburtstag des Komponisten und zum 25-jährigen Bestehen ihres Ensembles – mit einer Neuaufnahme dokumentieren. Und Fauré, sein zweites Quartett op. 45, steht auch auf dem Programm ihres Konzerts im Brahms-Saal.