Vielseitige Tastenläuferin 

Sophie Druml 

Im Leben von Sophie Druml spielen gleich zwei Instrumente die erste Geige: die Violine und das Klavier. Ob eines der beiden je in den Vordergrund rücken wird, steht noch in den Sternen. Im März gibt die junge Wienerin im Zyklus „Tasten.Lauf“ schon einmal ihren ersten Klavierabend im Musikverein.

Manchen gibt’s der Herr im Schlaf. Doch ganz so einfach ist es freilich nicht. Selbst wenn manche mit außergewöhnlicher – zum Beispiel musikalischer – Begabung auf ihren Lebensweg geschickt werden: Hinter schlafwandlerischem Können, scheinbar selbstverständlichem künstlerischem Agieren steckt eine gehörige Portion Konsequenz und Arbeit, die für eine Vollblutmusikerin wie Sophie Druml größte Freude bedeutet. Diese Arbeit will erledigt sein – im Wachzustand: Üben, Üben, Üben; Notenstudium, Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Komponisten und seiner Zeit, Finden der eigenen Interpretation und so weiter. Sophie Druml tut dies sogar an zwei Instrumenten: an der Violine ebenso wie am Klavier.

Musikalische Doppelgleisigkeit

Die zwanzigjährige Wienerin macht es sich, so scheint es von außen betrachtet, nicht einfach. Für sie selbst ist diese musikalische Doppelgleisigkeit allerdings völlig selbstverständlich. „Es gibt Tage“, sagt sie, „da stehe ich auf und sage: Ich bin eine Pianistin. Und am nächsten Tag denke ich: Nein, ich bin eine Geigerin. Doch meistens ist das Gefühl für beide Instrumente gleich. Es fragen mich nur immer alle, wann ich mich entscheiden werde. Aber muss ich?“ Für sich selbst hat Sophie Druml diese Frage längst beantwortet: „Ich schau mal, wie weit es geht. Wenn es nicht mehr geht oder wenn ich doch irgendwann eines der Instrumente lieber haben sollte, werde ich es sicher merken.“ Dass sie sich unter diesen Vorzeichen ihren Tages- und Wochenplan genauestens zurechtlegt und im Vorhinein entscheidet, wie viel Zeit sie für welches Stück an welchem Instrument einrechnet, versteht sich. Um ihre Zeiteinteilung kümmert sie sich selbst, seit sie dreizehn Jahre alt ist. „Ich muss ein sehr gutes Gefühl dafür haben, was ich gerade brauche, weil mit dem Üben bin ich nie fertig. Das geht nicht. Als ich klein war, haben meine Eltern darauf geachtet, dass das alles passt, und auch manchmal mit mir geübt. Aber inzwischen mischen sie sich gar nicht mehr ein.“

Ideale Voraussetzungen

Die Voraussetzungen im Elternhaus könnten besser nicht gewesen sein. Der Vater ist Sänger, die Mutter Pianistin. Was zu Hause gepflegt wird, wird vom Nachwuchs als völlig natürlich wahrgenommen, wird nachgeahmt und mitgemacht. Sophie Druml erinnert sich nicht mehr daran, wann sie zum ersten Mal am Klavier saß oder eine Geige in der Hand hielt. Ebenso wenig könnte sie sagen, ob sie – aktiv sozusagen – den Wunsch verspürte, Unterricht zu bekommen. „Dadurch, dass Musik immer schon da war in unserer Familie, habe ich das nicht infrage gestellt. Das hat einfach dazugehört“, meint sie schlicht. Zu den Anfängen ihres Klavierunterrichts kennt Sophie Druml eine Geschichte, die ihre Mutter ihr erzählt hat. Man stelle sich vor, Klein-Sophie sitzt am Klavier und spielt, vermutlich freie Tonfolgen, die sich aus der Fantasie heraus gerade ergeben. „Meine Mutter ist zu mir gekommen und hat mir das Mittel-C gezeigt. Und ich soll darauf gesagt haben: Nein, nein, das ist ein G. – Da hat sie beschlossen, eine Lehrerin für mich zu suchen.“

Eine Phase, die nie eintrat

Fünf Jahre jung war Sophie Druml damals, und im selben Alter begann sie auch mit dem Violinunterricht. Klavier lernte sie bei Alma Sauer an der Musikuniversität, zunächst im Hochbegabtenkurs und später im Vorbereitungslehrgang. An der Geige wurde Juri Polatschek ihr erster Lehrer, dann dessen Tochter Tatjana Sotriffer. Dass sie ein Jahr früher als üblich eingeschult wurde, sollte sich später für ihre musikalische Ausbildung als „hilfreich“ herausstellen. Es waren jeweils Meisterkurse noch während ihrer Schulzeit, die Sophie Druml ihre aktuellen Lehrer finden ließen. Ihre beiden Konzertfachstudien absolviert sie derzeit bei Christopher Hinterhuber an der Musikuniversität Wien und bei Benjamin Schmid am Mozarteum Salzburg.

Perspektivenwechsel

Besonders spannende Zeiten sind für Sophie Druml stets jene, in denen sie auf beiden Instrumenten Werke desselben Komponisten studiert. „Man blickt dann aus zwei verschiedenen Perspektiven darauf. Mozart zum Beispiel hat auch beide Instrumente gespielt. Seine Musik von der geigerischen und von der pianistischen Seite zu betrachten ist sehr aufschlussreich. Wenn ich Klavier spiele, überlege ich mir auch immer, wie ich das auf der Geige spielen würde – und umgekehrt.“ Sogar Gesang spielt für die Instrumentalistin eine gewisse Rolle: „Große Professoren wie Elisabeth Leonskaja und Pavel Gililov haben mir gesagt, ich soll nicht Klavier spielen, sondern mit dem Instrument singen. Das ist auch etwas, das ich auf beiden Instrumenten versuche.“ Impulse wie diese holt sich Sophie Druml auch abseits des regulären Unterrichts bei ihren Konzertfachprofessoren in Meisterkursen. „Es ist immer interessant, was unterschiedliche Professoren sagen. Da sauge ich alles auf wie ein Schwamm und setze um, was gut für mich ist.“

Verlockende Vorstellung

Der Gedanke, mit beiden Instrumenten eine solistische Laufbahn einzuschlagen, klingt für die junge Künstlerin freilich verlockend. Dennoch: Ihr Herz schlägt gleichermaßen für die Kammermusik, die im Elternhaus seit jeher gepflegt wird. „Es war auch immer sehr praktisch, eine Pianistin im Haus zu haben“, erzählt Sophie Druml. „Früher haben wir immer mit meiner Mutter gespielt – auch jetzt noch, obwohl ich inzwischen meistens mit meiner Schwester spiele.“ Ania, um vier Jahre jünger als Sophie, tut es der großen Schwester gleich: Sie konzentriert sich mit ebensolcher Leidenschaft auf zwei Instrumente: das Violoncello und das Klavier. Die Schwestern haben zuletzt auch ein gemeinsames Konzert gegeben – in allen möglichen Besetzungen, die ihre Instrumente zulassen. Ansonsten sind Klavierquintette derzeit unter den Spitzenreitern im persönlichen Kammermusik-Ranking von Sophie Druml. „Da spiele ich lieber Klavier, wenn man mir die Wahl lässt“, erzählt sie begeistert und ist in Gedanken bei den Quintetten von Brahms und Schubert, dessen „Forellenquintett“ sie, kurz nach ihrem Klavierabend, mit weiteren Studierenden der Musikuniversität im Musikverein spielt.

"Wenn ich Klavier spiele, überlege ich mir auch immer, wie ich das auf der Geige spielen würde – und umgekehrt.“ Sophie Druml

Kammermusik so und so

Seit etwa einem Jahr hat Sophie Druml auch ein eigenes Ensemble, ein Klaviertrio. Mit zwei Studienkollegen ihres Jahrgangs an der Musikuniversität fand sie sich ursprünglich für das Pflichtfach Kammermusik zusammen. „Von der ersten Probe an war klar: Das funktioniert gut mit uns – wir verstehen uns super, auch musikalisch.“ So wird nun mehr daraus als eine Pflichtübung: Geplant sind inzwischen Konzerte und auch Wettbewerbsteilnahmen. Kammermusik der etwas anderen Art macht Sophie Druml, wiederum als Pianistin, mit „TwoSet Violin“, den australischen Geigern Brett Young und Eddy Chen. Das erklärte Ziel des Classical-Comedy-Duos ist „Making classical music relevant to the modern generation through fun, humour and simplicity“. Mit diesen ungeheuerlich erfolgreichen Youtubern, die auch schon Lang Lang, Janine Jansen, Maxim Vengerov und Hilary Hahn mit in ihr Comedy-Boot geholt haben, arbeitete Sophie Druml erstmals 2017 zusammen, und das gleich im Musikverein in Wien. Im vergangenen Herbst war sie Partnerin des Duos auf einer Tournee in Musikzentren Deutschlands und der USA.

Von wegen langweilig!

Mitte März kehrt Sophie Druml – diesmal ganz allein mit einem Klavierabend – in den Musikverein zurück und gibt im Zyklus „Tasten.Lauf“ ihr Debüt bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Hätte sie Lieblingskomponisten (die sie nicht hat, wie sie betont), Beethoven und Schumann gehörten dazu. Als Teilnehmerin des Internationalen Beethoven-Wettbewerbs in Wien vor zwei Jahren hat sie sich eingehend mit der Musik dieses Komponisten beschäftigt. Die Sonate op. 101 stand auch damals auf ihrem Programm. Und die „Jagd-Sonate“ (op. 31/3) in der Interpretation eines Konkurrenten begeisterte sie dermaßen, dass sie das Werk sogleich studierte und nun in ihrem Debütkonzert spielt. Von Schumann wählte sie die g-Moll-Sonate op. 22 und die Etüden über ein Beethoven-Thema, die die beiden Komponisten einander gegenüberstellt. „Das ist ein spannendes Stück“, begeistert sich Sophie Druml, eines, „das sehr selten gespielt wird. Es ist in freier Variationenform geschrieben, sodass man sich die Anordnung selber überlegen und sich das Stück selber zusammenbasteln kann.“ Diese Freiheit wird sie sich nehmen – ebenso wie in ihrem Künstlerleben selbst als Geigerin und/oder Pianistin.

Ulrike Lampert
Mag. Ulrike Lampert ist Redakteurin der Zeitschrift „Musikfreunde“ und der Programmhefte der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.