Starke Größe

Clara Schumann  

Clara Schumann: Sie war eine Persönlichkeit, die auch noch zweihundert Jahre nach ihrer Geburt tief beeindruckt. Otto Biba erinnert an die Künstlerin, die schon 1838, erst 19-jährig, zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien gewählt wurde.

Vom ehrgeizigen Vater im Klavierspiel unterrichtet und mit Zustimmung der ebenfalls musikalischen Mutter zum Wunderkind aufgebaut, ja sogar aus der Schule genommen, damit sie sich ganz dem Klavier widmen könne, trat die achtjährige Clara Wieck in ihrer Heimatstadt Leipzig erstmals öffentlich auf und begann damit eine lebenslange Karriere als Pianistin. Als sie zehn Jahre alt war, veröffentlichte der Vater ihr Opus 1. Derartige von ihren Eltern geradezu gezüchtete Wunderkinder erlebten mit dem Erwachsenwerden oft einen Absturz, weil sie, sobald sie nicht mehr Kinder waren, weniger interessant wirkten und weil ihnen jede Ausbildung zu etwas anderem als zur Musik fehlte. Clara schaffte hingegen den Übergang vom Wunderkind zur professionellen Pianistin und stand bald lebenstüchtig mit beiden Beinen in der Welt. Das Abnabeln vom Vater fiel ihr deshalb leicht, und dass ein Gerichtsurteil notwendig war, um den vom Vater abgelehnten Robert Schumann zu heiraten, hat sie nicht weiter belastet. – Durch ihre ganze Kindheit und Jugend wohlbehütete Töchter sehen in der Regel freilich anders aus. 

Eine Liebe, groß und schwierig

Robert war und blieb ihre große Liebe, ihre insgesamt acht Kinder (von denen eines einjährig starb und das jüngste dreieinhalb Monate nach der Einlieferung des Vaters in eine Nervenheilanstalt geboren wurde) prägten das Familienleben. Aber obwohl Robert sie gerne ausschließlich als Komponistin gesehen hätte, war es aus finanziellen Gründen diskussionslos notwendig, dass Clara ihre pianistische Karriere fortsetzte. Die im Glanz des Ruhmes stehende Virtuosin und der still tätige Komponist, das führte zu Eifersuchtsgefühlen bei Robert, denen Clara mit besonders gezeigter Zuneigung und viel Robert gewidmeter Zeit begegnete. Woher sie diese nahm, ist nicht nachzuvollziehen. Vielsagend und im Weiteren geradezu erschütternd ist der Blick in die Partitur von Robert Schumanns a-Moll-Klavierkonzert. Bei der Niederschrift müssen beide nebeneinander gesessen sein, denn Clara schrieb alle, auch die kleinsten Taktwiederholungen – und Robert ausschließlich alles Neue. Sie half ihm nicht beim Komponieren, aber sie ermöglichte sein Komponieren stets und grundsätzlich mit viel Rücksichtnahme; jetzt war sie neben ihm und nahm ihm bei diesem großen Werk so viel Schreibarbeit wie möglich ab.  Clara hat ihm alles aus dem Weg geräumt, was er als belastend empfand oder hätte empfinden können, aber sie war nicht seine Dienerin, sondern hat das Familienleben wie das gesellschaftliche Leben der Schumanns bestimmt, geprägt und getragen und neben all dem ihrer eigenen Karriere nichts geopfert. – Weil diese zum Erhalt der Familie notwendig war oder zur Befriedigung des eigenen Ehrgeizes? Zumindest gezeigt hat sie einen solchen nicht, während Robert seine Eifersucht nie verbarg. Selbst im Dankschreiben an die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien für die Ernennung zum Ehrenmitglied musste Schumann erwähnen, dass seiner Frau diese Ehre ja schon lange zuvor zuteil geworden sei und er jetzt nur gleichgezogen habe. Freilich, er war krank, melancholisch, introvertiert, ja eigenbrötlerisch und kontaktscheu bis zur Weltflucht. So entstanden viele Leerräume, die seine Frau füllen musste. Dennoch oder gerade deshalb: Die Liebe der beiden zueinander bestand fort, und mit ihr haben sie alle Schwierigkeiten gemeistert. 

Frei, aber einsam?

Als Schumanns Geisteskrankheit – die Folge einer venerischen Erkrankung – ausbrach und er seine Tätigkeit als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf nicht mehr ausüben konnte, musste Clara nun allein für den Lebensunterhalt der Familie und durch fast zweieinhalb Jahre für Roberts Anstaltskosten aufkommen. Johannes Brahms hat für die Kinder gesorgt, während Clara auf Konzertreisen war, nach Schumanns Tod ist er mit Clara in die Schweiz gereist, wo sie beginnen wollte, die Sorgen der vergangenen Jahre zu vergessen. In der Folge gab es schwärmerische Briefe von Brahms (jene von Clara sind verloren); er spricht darin sogar vage von einer gemeinsamen Zukunft, in der er statt Klavier nur mehr Orgel spielen wolle, weil er neben Clara nicht als Pianist tätig sein könne. – Hat Brahms schließlich getreu seinem Wahlspruch „Frei, aber einsam“ auf Clara verzichtet oder Clara auf Brahms, um nicht nochmals in einer Partnerschaft künstlerische Eifersucht hervorzurufen? Eine Lebensfreundschaft zwischen beiden bestand jedenfalls fort, in der jeder für den anderen wichtig war. Neben ihren Aktivitäten als reisende Virtuosin – sie konzertierte tatsächlich in ganz Europa zwischen Russland und Großbritannien und absolvierte zeitlebens 1300 Auftritte – und ihrem immer starken familiären Engagement komponierte Clara Schumann nicht sehr viel, aber sehr Wichtiges. Sie war als Komponistin so anerkannt, dass man in der Öffentlichkeit bei diesem oder jenem Werk munkelte, ob es wohl von Robert oder doch von Clara stamme. Robert wollte, dass sie mehr komponiere, und litt darunter, dass sie dafür – nicht zuletzt seinetwegen – zu wenig Zeit habe. Brahms schätzte ihr Schaffen gleich hoch wie ihr Urteil über seine eigenen Kompositionen.   

Maximilian Flieder und Thomas-Michael Auner
© Maximilian Brunner

Maximilian Flieder und Thomas-Michael Auner 

Thomas-Michael Auner, Violoncello

Maximilian Flieder, Klavier

Donnerstag, 21. März 2019, 20.00 Uhr

Tafelklavier | Jakob Warth, Untertürkheim 1791
© Wolf-Dieter Grabner

Tafelklavier | Jakob Warth, Untertürkheim 1791 

Nun klingen sie wieder

Leopold Mozart am Clavier
(zum 300. Geburtstag)
Clara Schumanns Romanzen
(zum 200. Geburtstag)
Japanisches in Wien 

Tafelklavier (Jakob Warth, Untertürkheim 1791)
Hammerflügel (André Stein, Wien um 1825)
Flügel (Ludwig Bösendorfer, Wien 1874)
Zither (Anton Kiendl, Wien um 1860)
Violine (Nicolas Caussin, Paris 1847)

Florian Birsak
Maria Bader-Kubizek
Cornelia Mayer
Reinhard Führer
Jeanette Röck
Otto Biba (Moderation)

Dienstag, 26. März 2019, 19.30 Uhr

Clara Schumann
© Archiv · Bibliothek · Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Clara Schumann 

Nun klingen sie wieder

Clara Schumann

Hammerflügel (Ignaz Bösendorfer, Wien 1834)
Violine (Franz Geissenhof, Wien 1785)
Violoncello (Gabriel Lemböck, Wien nach 1840)

Christophe Coin
Maria Bader-Kubizek
Patrick Cohen
Otto Biba (Moderation)

Donnerstag, 09. Mai 2019, 19.30 Uhr