Champions League

Die Bank Austria und der Musikverein

Die Bank Austria, Premium Partner der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien seit 2011, engagiert sich drei weitere Jahre für den Musikverein. Der Sponsoringvertrag wurde bis zum Jahr 2020 verlängert. Für Robert Zadrazil, den neuen Chef der Bank Austria, eine Win-win-Situation.

Verlängerung: Im Sport wird sie angesetzt, wenn noch keine Entscheidung gefallen ist. Bei Finalspielen im Fußball folgt sie, im Anschluss an die reguläre Spielzeit, aufs Unentschieden. Bei der Bank Austria und dem Wiener Musikverein ist es anders: Auch hier geht es in die Verlängerung, aber die Voraussetzung ist kein Unentschieden, sondern, ganz im Gegenteil, ein klares Entschiedensein. Die Bank Austria setzt ihre Sponsoring-Partnerschaft mit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien fort und bleibt für weitere drei Jahre Premium Partner des Musikvereins.

Zwei Topmarken

„Als führendes Unternehmen“, sagt Robert Zadrazil, Generaldirektor der Bank Austria, „kooperieren wir vor allem mit den auf ihren Gebieten führenden Institutionen und Organisationen. Und dass der Musikverein ein derartiger Premium Partner ist, steht außer Zweifel – hier arbeiten zwei österreichische Topmarken zusammen.“
Oder: zwei Teams der Champions League. Auch so könnte man es sagen, und der Vergleich liegt in jeder Hinsicht nahe. Die UniCredit, Mutterkonzern der Bank Austria, ist Hauptsponsor der UEFA Champions League. Der Fußballkenner weiß es, und so nimmt er den Ball leicht auf, den er im Büro des Generaldirektors tatsächlich vor sich sieht. Auf einer Ablage hinter dem Chefschreibtisch prangt das prestigeträchtige Stück: ein Ball des UEFA-Champions-League-Finales 2016.

Playing Captain

Kurz vor diesem Finale hat Robert Zadrazil dieses Büro bezogen, seit März 2016 ist er Vorsitzender des Vorstandes des UniCredit Bank Austria AG und sitzt im Chefsessel der größten Bank Österreichs. Die Formulierung freilich entspricht ihm ganz und gar nicht: dass er im Chefsessel sitze – sie passt nicht zur sportlichen Agilität des 46-Jährigen, und sie passt, ganz grundsätzlich, nicht zu seinem Verständnis von Führung. Der Ball im Hintergrund verdeutlicht es. Er ist nicht bloß Souvenir, sondern Symbol für ein Teamspiel, das Zadrazil von vielen Seiten kennt und liebt. In seiner Jugend war er aktiver Fußballer, im Team der Bank Austria spielt er seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten auf unterschiedlichen Positionen, und jetzt, seit März 2016, sitzt er eben nicht auf dem Chefsessel, sondern führt das Unternehmen als „Playing Captain“. Das ist sein vom Sport geprägtes Modell: Führung mit großer Beweglichkeit im System – klar gestaltende Vorgaben eines aktiv spielenden Kapitäns, kombiniert mit möglichst großem Freiraum für die Mitspieler.

Faszinierende Parallelen

Der Ball rollt. Im Gespräch wird erst einmal ein spannendes Passspiel daraus, das zeigt, wie sehr der moderne Fußball als Systemmodell für Unternehmensführung taugt. Denn vorbei sind die Zeiten, als – um beim Fußball zu bleiben – Stürmer vorne bloß auf Bälle warteten und Verteidiger, aufs Ausputzen fixiert, kaum je die Mittellinie überquerten. „Die Systeme sind viel dynamischer geworden, ein Stürmer muss verteidigen können, ein Verteidiger auch Tore schießen, die Erwartungen“, sagt Zadrazil, „sind ganz andere als in der Vergangenheit, was Disziplin, was Taktik anlangt.“
Man könnte die Tragfähigkeit des Modells in ausgefeilten Managementseminaren bestätigen. Oder auch im kollegialen Gespräch mit einem Fußball-Spitzentrainer. Robert Zadrazil erzählt von seiner Freundschaft mit Peter Stöger, dem Ex-Austria-Coach, der den 1. FC Köln in die erste deutsche Bundesliga zurückgeführt hat und dort jetzt ganz vorne mitspielt. Derzeit auf einem Champions-League-Rang.
Wie weit weg sind wir damit von der Musik? Kaum eine Handbreit. Sieht man’s systemisch, zeigen sich tiefgreifende Entsprechungen. Auch in der Musik sind die Zeiten passé, in denen autoritatives Von-oben-Dirigieren als Erfolgsmodell gehandelt wird. Der Playing Captain prägt den neuen Führungsstil auch hier, und klar ist, „dass man auch in der Musik fantastische Einzelspieler braucht, aber ein erfolgreiches Team erst dann entsteht, wenn die Einzelnen dynamisch in ein Ganzes eingebunden werden. Wie ein Unternehmen funktionieren kann“, sagt Zadrazil, „lässt sich an einem Orchester genauso sehen wie an einem Fußballteam. Das sind faszinierende Parallelen.“

Österreichs größte Bank

Zadrazil hat die Führung der Bank Austria in einer Phase der grundlegenden Neuausrichtung übernommen. Die geänderte Zuordnung internationaler Geschäftsfelder, von der UniCredit-Spitze in Italien beschlossen, wurde von heimischen Medien in drastischen Schlagzeilen kommentiert. Vom „Verlust des Zentral- und Osteuropa-Geschäfts“ war die Rede, und der Eindruck konnte entstehen, dass von der Bank Austria nur wenig übrig bleibe, wenn die UniCredit den Zentral- und Osteuropa-Geschäftsbereich direkt von Mailand aus steure und verantworte. „Diese Darstellung“, sagt Robert Zadrazil dazu, „darf man als durchaus überzeichnet bezeichnen, denn die Bank Austria ist auch weiterhin die führende heimische Bank im Firmenkundengeschäft, im Corporate- und Investment-Banking und im Private Banking. Wir bleiben die mit Abstand größte Bank Österreichs. Nur zwei Zahlen, die das sehr anschaulich unterstreichen: Was die Inlandsaktiva – also Kreditgeschäft plus Inlands-Wertpapiere wie Bundesanleihen – betrifft, sind wir weiterhin fast dreimal so groß wie der nächstgrößte Mitbewerber und bei den Sparbucheinlagen fast doppelt so groß. Übrigens wird sich auch für die zahlreichen Firmenkunden, die mit uns gemeinsam und seit vielen Jahren erfolgreich in den zentral- und osteuropäischen Ländern aktiv sind, nichts ändern: Wien bleibt das Osteuropa-Kompetenzzentrum unserer Bankengruppe.“ Mit anderen Worten: Die Bank Austria spielt weiter in der Champions League.

Geändertes Spielsystem

Größe per se ist noch kein Wert. „Unser Ziel“, sagt Robert Zadrazil, „ist nicht, die größte Bank Österreichs zu sein, das ist ein Effekt. Unser Ziel ist es, die Bank Austria zur attraktivsten Bank für Kunden des 21. Jahrhunderts weiterzuentwickeln!“ Ein so hochgestecktes Ziel lässt sich nur bei genauer Kenntnis der Rahmenbedingungen erreichen. Zadrazil und sein Vorstandsteam widmen dem größte Achtsamkeit, wobei sich der Fokus nicht bloß auf Wirtschaftsfaktoren richtet, sondern auch auf gesellschaftlich relevante „Megatrends wie die Digitalisierung“ und den damit verbundenen Trend zur Individualisierung, „der das Kundenverhalten enorm verändert“.
Die entscheidende Frage, die daraus resultiert, formuliert Zadrazil mit der treffenden Sportmetapher: „Wie müssen wir, um unter den geänderten Rahmenbedingungen erfolgreich zu sein, unser Spielsystem ändern?“

"Der Musikverein finanziert sich, was viele gar nicht wissen, überwiegend aus privaten Mitteln.“
Robert Zadrazil

Das Beste aus zwei Welten

Die Bank Austria hat sich hier schon viel einfallen lassen. „Als moderne Universalbank“, erläutert Zadrazil, „wollen wir unseren Kundinnen und Kunden das Beste aus der digitalen Welt und aus der analogen Welt bieten.“ Bereits 270 Mitarbeiter der Bank Austria kümmern sich in der „Online-Filiale“ um ein Optimum aus der digitalen Welt. Sie stehen österreichweit zu deutlich flexibleren Beratungszeiten zur Verfügung. Dazu kommen Fachberatungen, die per Videozuschaltung möglich sind, wo immer in Österreich ein Expertenrat zu Themen wie Wohnbaufinanzierung oder Veranlagung gefordert ist. Die analoge Welt wiederum kennt nur eine „Übersetzung“, und an der hält die Bank Austria klar fest. „Das ist der persönliche Kontakt. Er wird“, sagt Zadrazil, „im Bankengeschäft bedeutsam bleiben, so weit ich denken kann.“

Partner auf Augenhöhe

Freilich gilt auch hier – und Zadrazil hebt den Punkt besonders hervor: Wer an einem geschätzten Prinzip festhalten und einen Wert erhalten will, muss sich bewegen. „Tradition alleine reicht in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft nicht mehr aus“, sagt Zadrazil. „Wir sind und bleiben eine traditionelle Universalbank mit Werten wie Vertrauen, Kompetenz und Sicherheit, aber fatal wäre es, sich auf diesen Werten auszuruhen.“ Um sie für nächste Generationen relevant zu halten, muss, um das Wort nochmals aufzugreifen, das Spielsystem geändert werden. Hier heißt es, offen zu sein, aufgeschlossen für die Situationen, in denen die „alten“ Werte neu an Bedeutung gewinnen können.
Auch darin, in diesem dynamischen Verständnis von Tradition, liegen die Bank Austria und der Musikverein auf einer Linie. „Die beiden Häuser“, sagt Robert Zadrazil, „verbindet eine gemeinsame Geschichte: Sie sind ,Kinder des 19. Jahrunderts‘, die den Weg ins 21. Jahrhundert gehen. Mir persönlich“, fügt der Bank-Austria-Chef hinzu, „gefällt auch eine weitere Parallele der beiden Häuser sehr gut. Der Musikverein finanziert sich, was viele gar nicht wissen, überwiegend aus privaten Mitteln. Die Bank Austria wiederum hat – selbst in der größten Finanzkrise – keine staatliche Unterstützung in Anspruch genommen. Das heißt, auch hier sind wir sozusagen Partner auf Augenhöhe.“

Klassische Win-win-Situation

Als Premium Partner nimmt der Musikverein weiter eine starke Position im Sponsoring-Konzept der Bank Austria ein, in der soziales Engagement ebenso wichtig ist wie gezieltes Sport- und Kultursponsoring. „Wir spielen eine Rolle in der Gesellschaft“, sagt Zadrazil ganz grundsätzlich, „und mit dieser Rolle ist auch eine Verantwortung gegenüber ebendieser Gesellschaft verbunden. Sponsoring ist eine sehr gute und nachhaltige Möglichkeit, diese Verantwortung aktiv zu leben und der Gesellschaft ein Stück weit etwas zurückzugeben. Unser Engagement trägt zudem – damit muss man gar nicht hinterm Berg halten – zur Reputation des Unternehmens bei. Man hat hier also eine klassische Win-win-Situation.“
Was die Bank Austria und den Musikverein angeht, gilt das in besonderem Maß. Kein Unentschieden. Sondern zwei Gewinner in der Königsklasse.

Joachim  Reiber
Dr. Joachim Reiber ist Chefredakteur der Zeitschrift „Musikfreunde“ und Programmheftredakteur der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.