Festkonzert für kleine und große Pfeifen

Rolf Rüdiger und die Orgel im Musikverein

Für ein Gespräch mit den „Musikfreunden“ lässt sich Rolf Rüdiger gerne ins Kaffeehaus einladen. Als Erkennungszeichen schlägt er vor: Rose im Knopfloch, dunkle Sonnenbrille. Am 18. Mai präsentiert die beliebte TV- und Radio-Ratte in Doppelconférence mit Robert Steiner und mit Martin Haselböck an der Orgel die Königin der Instrumente im Großen Musikvereinssaal.


Rolf Rüdiger, unser Gespräch im Vorfeld deines ersten Musikvereinsauftritts vor drei Jahren haben wir am Telefon geführt, da warst du gerade auf Urlaub in Florida, um dich vom Trubel und den aufregenden Interviews auf dem Opernball zu erholen.
Wie geht’s dir derzeit?

Ausgezeichnet. Ich bin rundum zufrieden.

Wie gehst du mit deinem hohen Bekanntheitsgrad um?

Es ist ja schon witzig, dass eine Ratte so bekannt wird, weil eine Ratte ist normalerweise nicht so ein positiv besetztes Tier. Und witzig ist es auch, weil wenn Interviews sind oder solche Sachen, der Robert Steiner, der eigentlich der Wichtigere ist, oft nicht gefragt wird, und dann ärgert er sich furchtbar. Aber ich erwähne ihn dann ja immer. Und ein Aspekt ist natürlich, wenn man für ein junges Publikum arbeitet – das sagt der Robert zumindest immer –, dass man eine Vorbildwirkung hat. Was sehr schwierig ist, wenn man schlechte Manieren hat – so wie ich.

Was tust du dagegen?

Üben. Und wenn einmal ein Pupser auskommt oder so, dann ist der Robert schuld.

Was waren deine Gedanken, als du zum ersten Mal in den Musikverein gekommen bist?

Das ist der schönste Musiksaal überhaupt auf der ganzen Welt. Nicht nur wegen der Orgel und der Akustik, sondern primär wegen der vielen schönen goldenen Damen, die da drinnen herumstehen, alle oben ohne. Das Zweitschönste war dann aber schon die Orgel.


Was gefällt dir an Orgel besonders?

Das Faszinierende ist, dass auf diesem Ding – und der Herr Professor Haselnuss …

… Haselböck ……

ja, der Herr Professor Haselnuss hat es uns eh vorgeführt und wird es wieder vorführen –, dass man alle Instrumente, die es gibt, damit spielen kann. Was ja praktisch ist. Man braucht nicht jedes Instrument lernen, sondern wenn man die Orgel spielen kann, kann man ein ganzes Orchester spielen – ganz allein. Das ist wunderwunderschön und günstig.

Du meinst, der Musikverein könnte sich die großen Orchester sparen und bräuchte nur einen einzigen Solisten für die Orgel engagieren?

Ja, genau. Und der Organist kann hinterher das Buffet ganz allein essen. Man muss ja immer nützlich denken.

Hast du Lust gekriegt, selber Orgel spielen zu lernen?

Ja, aber das Problem ist, ich hab so kurze Haxeln, dass ich mit den Beinen nicht runter- und mit den Händen nicht zur Tastatur hinkomme. Aber wenn ich einmal groß bin – vielleicht. Im Musikverein ist es schon ziemlich aufregend – auf der Bühne, wo schon alle, die den Taktstock schwingen oder ein Instrument besonders gut spielen können, aufgetreten sind – dass ich da selber oben stehen darf. Darum hab ich auch den Opernball-Frack schon in die Waschmaschine gesteckt, damit er hübsch sauber ist am 18. Mai. Weil es geht ja um die Königin der Instrumente.


Dann wird sich Robert Steiner wohl auch in Schale werfen.

Ja, der sowieso. Aber der ist auch ohne Frack wunderwunderschön. Und was wir vom Herrn Professor Haselnuss gelernt haben, ist ja, dass man in einem Vormittagskonzert nicht den Frack anzieht. Den Smoking bestenfalls, Rollkragenpulli. Und ab Nachmittag den Frack. Beim letzten Mal war unser Konzert am Vormittag – gleich nach unserer Radiosendung. Das war überhaupt ein bissl stressig, außerdem der Tag der Zeitumstellung, alles noch eine Stunde früher. Aber diesmal ist es am Nachmittag.

Wisst ihr schon, wie ihr die Sache diesmal angeht?

Wir sind noch am Experimentieren, was die Stücke anbelangt. Ich glaub, wir werden für den Herrn Professor Haselnuss noch die Noten für „Das Phantom der Oper“ organisieren. Mit dem Proben ist es gar nicht so einfach, weil der Professor so viel in der ganzen Welt herumflitzt – zwischen Japan und ich weiß nicht wo überall. Wir proben ja erst ganz zum Schluss auf der Originalorgel. Zuvor einmal an der Universität, wo’s auch so ein Ding gibt. Und vor drei Jahren waren wir sogar einmal in der Hofburgkapelle.

Klingt toll. Das sind ja Räumlichkeiten, in die man sonst nicht einfach so reinmarschieren kann.

Ja. Und ich überlege die ganze Zeit, wo ich dann, wenn’s so weit ist, heiraten werde. Ich weiß nur noch nicht, wen. Einen Organisten hab ich dann wenigstens schon.

Hast du andere Instrumente ausprobiert, wenn’s mit der Orgel nicht funktioniert?

Ich kann perfekt den Kamm blasen – die Haare rausblasen. Und dann die Flockblöte. Das war aber enden wollend. Der Robert hat mir dabei geholfen, hat aber dann irgendwann gesagt: Rolf Rüdiger, lass dir einen Buckel wachsen, der ist auch schön, aber man hört ihn nicht.


Ziehharmonika vielleicht?

Wenn, dann Philharmoniker.

Dirigieren, das wäre doch etwas für dich.

Ja, die Frage ist nur, ob man so einen kleinen Stinker wie mich wahrnimmt im Orchester. Aber man könnte eine große Lupe vorne hinstellen. Gemeinsam mit dem Robert haben wir ja schon einige wirklich interessante Projekte gemacht, die auch sehr speziell sind. Aber ein Orchester dirigieren – das wär’s. Ich glaub, ich werde mit dem Herrn Intendanten einmal ein ernstes Wort sprechen.

Bist du vor einem Auftritt eigentlich nervös?

Ja, schon, doch.

Was unternimmst du dagegen?

Cremeschnitten. Von diversen Sängern und Schauspielern gibt’s ja schon so Tricks, um das Lampenfieber zu bewältigen, wie Atemübungen, Bewegungen und so. Aber aus Erfahrung: Was wirklich hilft, ist eine Cremeschnitte – und hinterher zwei als Belohnung. Und mit einem Kumpel wie dem Robert Steiner an der Seite, das macht die Sache schon ein bissl einfacher.

Was macht er gegen die Nervosität?

Der kennt das nicht. Der hat zwar eine Aufgeregtheit manchmal, aber der Hosenscheißer bin ich in Wirklichkeit.


Dafür hast du aber – mit Verlaub – eine ganz schön freche Schnauze?

Ich glaub, das hat damit zu tun, dass ich genau 28 cm groß bin. Die Kinder können das bestimmt bestätigen: Wenn man klein ist, dann gibt’s immer Größere, die wichtiger sind. Da lernt man ein bisschen, sich zu behaupten. Also ich glaub, mit 28 cm bin ich der kleinste Darsteller, der je auf der Bühne gestanden ist. Obwohl es jedes Jahr das Chinesische Neujahrskonzert gibt.

Wenn du Radio oder Fernsehen machst, ist das Publikum für dich ja nicht sichtbar. Im Musikverein hast du 2.000 Menschen vor dir.

Das ist wunderwunderschön. Weil eben im Radio und im Fernsehen funktioniert das nur in eine Richtung. Aber dass da wer draußen ist, kriegt man spätestens mit, wenn Fanpost kommt, manchmal auch Sachertorten. Es ist schon toll, wenn man sein Publikum sieht. Das hat natürlich den Haken, dass man mitkriegt, wenn ein Gag nicht funktioniert – was aber kaum vorkommt.

Im Grunde kennst du ja die Orgel jetzt schon. Was macht es spannend, wieder für eine Orgelpräsentation in den Musikverein zu kommen?

Zu sehen, ob das Ding nach drei Jahren überhaupt noch funktioniert. Weil das ist nicht so selbstverständlich. Das werden wir erst einmal richtig überprüfen.

Das Gespräch führte Ulrike Lampert.


Ulrike Lampert
Mag. Ulrike Lampert ist Redakteurin der Zeitschrift „Musikfreunde“ und der Programmhefte der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.


Rolf Rüdiger
ist bekannt aus Fernsehen und Radio. Nach 15 höchst erfolgreichen Jahren im ORFKinderprogramm und zahlreichen Sommertouren durch ganz Österreich gestaltet er seit nunmehr acht Jahren mit Robert Steiner seine eigene Quizz-Show auf Radio Wien. Er moderierte den Wiener Opernball und wurde bereits auf dem New Yorker Times Square erkannt. Im Musikverein gastierte er erstmals am 27. März 2011. Gemeinsam mit Robert Steiner und Martin Haselböck präsentierte er die neu eröffnete Orgel im Großen Musikvereinssaal.

Festkonzert für kleine und große Pfeifen

Am 27. März 2011 würde die neue Orgel der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien mit einem Programm von Robert Steiner und Rolf Rüdiger auch für die jüngsten Musikfreunde eröffnet.
Tatkräftig unterstütz wurden die beiden von Martin Haselböck der die Orgel nicht nur spielte sondern auch deren Funktionsweise für das junge Publikum erklärte. Eine gelungene Veranstaltung für kleines und großes Publikum im Großen Musikvereinssaal. 

Artikel "Festkonzert für kleine und große Pfeifen" aus dem Musikfreunde Magazin Mai/Juni 2014.