Mo 29. November 2021

20:00 Gläserner Saal / Magna Auditorium, Musikverein

Janoska Ensemble

THE BIG B‘s

Abgesagt


Interpreten

Programm

Ende ca.: 21:15

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Die fabelhaften Vier

Das Janoska Ensemble

Wer immer einen von den Janoskas fragt: „Was ist das Besondere an eurer Musik?“, erhält zur Antwort: „Der Janoska-Style!“ Ja, aber worin besteht dieser, woran erkennt man ihn und vor allem: Wie und woraus zum Teufel machen sie ihn?

Das ist eben das Schöne und das Wesen von Kunst – sie entzieht sich hartnäckig der Beschreibung. Schöpferische Prozesse, frei schwebend im Grenzgebiet zwischen bewusst und unbewusst, sind selbst ihren Schöpfern unerklärlich. Welche Antworten bekäme man wohl, würde man „The Big B’s“ mit Fragen nach der Quintessenz ihres jeweiligen „Stils“ löchern, wie und aus welchen geheimen Zutaten er sich zusammensetzt? „The Big B’s“, das sind die Komponisten, die das Janoska Ensemble als Basis für ein neues Programm gewählt hat: Bach, Beethoven, Brahms, Bizet, Bartók und The Beatles. Aber was ist das eigentlich, was die fabelhaften vier Musiker machen, wenn sie „Bach spielen“? Sie wählen ein Musikstück von Johann Sebastian Bach, zum Beispiel seine berühmte „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3, und machen sich sehr persönliche musikalische Gedanken darüber. Sie assoziieren, variieren, sinnieren, kommentieren und reminiszieren und stellen den ursprünglichen musikalischen Text in einen neuen, ungewöhnlichen, zeitgenössischen Kontext. Auf diese Art entsteht ein neues, zauberhaftes Stück Musik. Und doch bleibt es ein echter Bach.
Jeder schöpferische Vorgang funktioniert, wenn man so will, nach dem Pasticcio-Prinzip: Ohne die Verarbeitung, Verwendung, Verwandlung von Bestehendem wäre Neues nicht möglich. Nichts entsteht jemals aus dem Nichts. Und doch gleicht nichts vollkommen etwas anderem.
František, der Pianist, ist beim Komponieren der Hauptakteur. Er schreibt siebzig Prozent der Musik auf. Ungefähr. Das Übrige und das endgültige Ganze entsteht kollektiv, dynamisch, oft erst durch spontanes Improvisieren auf der Bühne oder im Aufnahmestudio. Fürs Improvisieren bleibt immer Raum, das ist den Musikern äußerst wichtig. Es sei bedauerlich, meinen sie, dass die Kunst des Improvisierens, im Barock ebenso üblich wie im Jazz, fast ganz verlorengegangen ist.
Das Ergebnis ist immer unerwartet, nie vorhersehbar. Zum Beispiel Beethoven. Aus dem ersten Satz seiner „Mondscheinsonate“ entrollt sich Cole Porters „Night & Day“ und verschwindet wieder in seinen Tiefen, mit selbstverständlicher Leichtigkeit. Oder die Beatles. „Yesterday“, der am häufigsten gecoverte Song der erfolgreichsten Band der Musikgeschichte, entwickelt sich aus einem barocken Prélude, dem ersten Satz aus Bachs Cello-Suite Nr. 1, der bis zum Schluss präsent bleibt, im Untergrund und fast unbemerkt. „Let it be“ aus dem Jahr 1969 reflektiert Johann Pachelbels legendären Kanon aus dem Jahr 1694. Den Kanon hört man nur, wenn man von ihm weiß; für die Wirkung der Musik spielt es keine Rolle, ob man das eine oder das andere Musikstück kennt oder nicht. „Penny Lane“ spielen die durchaus würdigen Nachfolger der „Fabulous Four“ ganz bewusst in der fünf Kreuz schweren Originaltonart H-Dur. Die wahrscheinlich hellste aller Tonarten verleiht dem Song seinen unwiderstehlichen Frohsinn. Die Janoskas setzen noch eins drauf und entwickeln die swingend synkopierte Melodie nach und nach zu einem Tango. Die Beatles-Nummern auf ihrer mitreißenden CD „Revolution“ haben sie ganz authentisch in den legendären Abbey Road Studios aufgenommen.
Im November feiert das Janoska Ensemble sein achtjähriges Bestehen. Doch sind es wirklich erst acht Jahre? Die drei Brüder Janoska spielen schon „ensemble“ seit sie Kinder waren, im Familien-Trio aus Klavier und zwei Geigen. Und der vierte im Bunde, Julius Darvas, der eine Janoska-Cousine geheiratet hat, fügte sich 2013 nahtlos ein. Auch er stammt aus einer traditionsreichen Musikerfamilie und ist mit ähnlichen musikalischen Vorzeichen aufgewachsen. Er ist Kontrabassist in der dritten Generation. Die Familie Janoska blickt gar auf sechs Generationen von Musikern zurück, die die unterschiedlichsten Instrumente spielten. Und so haben František, Ondrej und Roman neben ihrer Muttersprache Slowakisch quasi eine gemeinsame Vatersprache erlernt, nämlich: Musik. Der Vater war – wie sein Vater und viele Väter zuvor, fast 250 Jahre zurück – Unterhaltungsmusiker. Er kam viel in der Welt herum und brachte von überall eine Fülle von Eindrücken und Anregungen mit und, ganz wichtig: Schallplatten! Klassik, Jazz, Blues, Folk, Volksmusik – die Kinder lernten alle Stile, Techniken und Klänge kennen; spielten damit wie andere Kinder mit Sand oder Legosteinen und dennoch von Anfang an ganz ernsthaft. Zum Beispiel gab ihnen der Vater oft ein Thema und stellte ihnen eine Variationsaufgabe.
Das bringt uns zu den „Big H’s“ – den gar nicht so geheimen sechs Zutaten des Janoska-Style.
Nr. 1: Handwerk. Alle vier beherrschen ihr Handwerk in atemberaubender Vollkommenheit. Das, was sie als Kinder intuitiv und spielerisch erfahren und gelernt haben, das hat jeder für sich in hochrangigen Institutionen perfektioniert, Wettbewerbe inklusive. Ondrej und Julius haben Wiener philharmonische Berufserfahrung, Roman hat sich als Jazz-Geiger profiliert, und František hat als Pianist eine Geschmeidigkeit und einen Anschlag von geradezu Gulda’scher Qualität entwickelt.
Nr. 2: Hingabe. Wenn man die vier Musiker auf der Bühne erlebt, wird die starke innere Anteilnahme spürbar an dem, was sie tun, eine Energie und Intensität, die über die vielstrapazierte „Spielfreude“ weit hinausgeht. Es schließt ein bedingungsloses Vertrauen aufeinander ein und ein Sich-Öffnen gegenüber den Zuhörern.
Nr. 3: Humor. In ihrer Musik und in ihrem Musizieren steckt immer ein kleines Augenzwinkern. Bei aller Ernsthaftigkeit und trotz ihres weltweiten Erfolgs nehmen die Janoskas sich selbst nicht halb so wichtig, wie sie sind. Und genau das ist das Wesen von Humor – dass man über sich selbst lachen kann.
Nr. 4: Herz. Womöglich klingt es ein wenig altmodisch, wenn man die Janoskas so beschreibt: „Sie musizieren mit Herz!“ Und trifft es doch besser als das mittlerweile inhaltsfrei gewordene „Emotion“. Emotion steckt ja heutzutage angeblich schon in jedem neuen Automodell.
Nr. 5: Hirn. Im Neu-Komponieren wie im spontanen Improvisieren steckt eine ganze Menge Hirn oder vielleicht noch besser: Hirnschmalz. Man könnte natürlich auch „kreativ“ sagen oder „intelligent“, wären diese Begriffe durch übermäßigen, beliebigen Gebrauch nicht schon so sinnentleert.
Nr. 6: Harmonie. In unserer Zeit der Dissonanzen und Widersprüchlichkeiten ist Harmonie eine seltene und wohltuende Erscheinung. Sie besteht in einer tiefliegenden verborgenen Übereinstimmung der Musiker, die beim Spielen zu Tage tritt und sich unmittelbar auf uns Zuhörer überträgt. Im Musikerlebnis wird sie für uns intui-tiv erfahrbar. Intuitiv haben die „Fabulous Four“ der Klassik über Jahre und Jahrzehnte eine gemeinsame musikalische Sprache entwickelt. Wenn einer etwas sagt, weiß der andere, was gemeint ist, fängt den Ball auf, spielt ihn weiter.

Und wie charakterisieren die fabelhaften Vier sich selbst? Das illustriert am besten die bekannte Anekdote, wie sie ihre Liebe zu den Beatles entdeckt haben: „Wir saßen im Flugzeug nach Seoul und sahen eine Dokumentation über die ,Fab’ Four‘. Da stellten wir fest, dass wir viel gemeinsam haben. Wir sind zu viert und verstehen uns gut. Viel Musik entsteht aus dem Augenblick heraus, auch im Studio. Wir sind unbekümmert und folgen unserer Intuition. Es geht uns darum, etwas Eigenes zu schaffen. Und wir haben sehr viel Spaß!“

Sabine M. Gruber
Sabine M. Gruber ist Musikpublizistin, Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie veröffentlichte neben Romanen und Erzählungen u. a. „Unmöglichkeiten sind die schönsten Möglichkeiten. Die Sprachbilderwelt des Nikolaus Harnoncourt“ und „111 Orte der Musik in Wien, die man erlebt haben muss“.

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