So 20. Oktober 2019

19:30 Großer Saal, Musikverein

Gewandhausorchester Leipzig

Andris Nelsons • Rudolf Buchbinder | Beethoven • Schubert

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Klassische Freiheit

Buchbinder und Beethoven

Mit dem ersten Konzert des Buchbinder-Beethoven-Zyklus geht der Musikverein markant aufs Beethoven-Jahr 2020 zu. Auch sonst ist Rudolf Buchbinder hier und weltweit eine prägende Figur für den immer wieder neuen Zugang zu Beethoven. Beethoven, sagt Buchbinder, weist uns den Weg zu Ausdruck und Freiheit. 

 „Espressivo!“ Ein Gespräch mit Rudolf Buchbinder über Ludwig van Beethoven steuert unweigerlich auf das Wort zu. Warum und in welchem Kontext es gesagt wird, ist dabei nicht weniger spannend als das Wie: nämlich espressivo, con espressione! „Schauen Sie einmal“, erklärt Buchbinder leidenschaftlich, „wie oft Beethoven allein im langsamen Satz der Hammerklaviersonate ,espressivo‘ schreibt, ,con espressione‘ oder ,con grand’ espressione‘! Wieder und immer wieder. Und dann – den Fall gibt’s so ja nur bei Beethoven – lässt er in der 109 zweimal aufs ,espressivo‘ die Anweisung ,a tempo‘ folgen. Das heißt: Das ,espressivo‘ war bei Beethoven nicht im Tempo.“ Daraus folgen ganz wesentliche Einsichten, ja Bekenntnisse: „Für Beethoven war das Allerwichtigste: der Ausdruck!“, sagt Buchbinder, sempre con espressione, und dieser Ausdruck ist ohne Freiheit nicht zu haben. Man kann es sich denken, man muss es fühlen. Aber man kann es auch nachlesen. „Der Beethoven-Schüler Carl Czerny hat ein wunderbares Buch über die Beethoven-Interpretation geschrieben“, erläutert Buchbinder, „und hier berichtet er, dass Beethoven selbst im kurzen langsamen Satz der Sonate Opus 90 mindestens sieben-, achtmal das Tempo gewechselt hat. Das sind Dinge, die wir uns heute kaum getrauen. Wir sind da viel zu puritanisch. Wir erlauben uns keine Freiheiten mehr.“ 

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