Di 18. Februar 2020

19:30 Brahms-Saal, Musikverein

Altenberg Trio

Matthias Schorn | Haydn • Saint-Saëns • Messiaen

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Das Quartett für den unwandelbaren Frieden 

Das Quartett für den unwandelbaren Frieden 

Wie ein Mahnmahl erinnert Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ an die dunkelste Zeit im Europa des 20. Jahrhunderts. Achtzig Jahre nach seiner Entstehung mitten im Krieg erklingt das friedvolle Werk auch wieder im Musikverein. 

Soldat Messiaen Olivier, 620e R.I.Pioniers, 2e Bataillon, 5e Compagnie – secteur postale 42 schreibt im November 1939 aus dem Feld in der Nähe Verduns an seinen Organistenkollegen in Paris, Jean Langlais: „Meine abgeschürften und vom Ruß geschwärzten Hände, die die Spitzhacke schwingen, die Fliegen, die unvorstellbar schweren Lasten (von Baumstümpfen bis hin zu Lithographiesteinen) – all das verhindert, dass ich mich richtig mit Musik beschäftigen kann.“ Seit Kriegsbeginn zwei Monate zuvor leistet der 31-jährige Komponist und Organist seinen „Militärdienst“ bei den Pionieren in einer Zitadelle in Vauban. Die Überlebensstrategie des hungernden und frierenden Soldaten ist eine Handvoll Taschenpartituren, die er in einem Seesack in einer Tasche verwahrt: Bachs „Brandenburgische Konzerte“, Beethoven-Symphonien, Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“, Ravels „Ma Mère l’Oye“, Strawinskys „Petruschka“ und „Les Noces“ oder auch Alban Bergs „Lyrische Suite“. Jeden Tag nützt er die wenige freie Zeit zum Studium der Partituren. Ein Hauptmann bei den Pionieren ist der Dirigent und Komponist Maurice Jaubert, mit dem er über Musik reden kann, wenn der Granatenlärm aussetzt und nicht gerade exerziert wird. An Sonntagen spielt Messiaen auf Kirchenorgeln in umliegenden Ortschaften. Er stärkt sich und vielleicht auch den einen oder anderen zuhörenden Soldaten mit Bachs Toccata und Fuge d-Moll oder Charles-Marie Widors Toccata aus der Fünften Orgelsymphonie. Dann aber wieder die ganze Woche beschwerliche Einsätze im Feld, die nichts für Organistenhände sind. 

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