Editorial

Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde,

Vertiefung und Weitung, Intensivierung und Öffnung: Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien bewegt sich, und sie tut es voll Überzeugung und Enthusiasmus in beide Richtungen. Die Porträts und Komponistenschwerpunkte, die wir für die Saison 2021/22 geplant haben, vertiefen das Konzertgeschehen auf vielfältige Weise. Sir András Schiff ist in dieser Saison der Künstler mit dem umfassendsten Porträt: Nicht weniger als acht verschiedene Programme hat er mit uns gemeinsam konzipiert. Nach seinem ersten, begeistert aufgenommenen Porträtkonzert mit der Cappella Andrea Barca gibt er nun einen Abend mit seinem Freund Robert Holl. „Wahlverwandtschaft, Seelenverwandtschaft“, sagt András Schiff in dieser Ausgabe der „Musikfreunde“, verbinde ihn mit Robert Holl – und „vor allem die Liebe zu Schubert“.

Diese Liebe kommt in einem Konzert zum Tragen, das sich an den Geist der Schubertiade anschließt und aufs schönste an die Geschichte der Gesellschaft der Musikfreunde anknüpft. Mit seinen „Abendunterhaltungen“ schloss sich der junge Musikverein damals an die Musikkultur der Salons an, er transformierte, wie man sagen könnte, ein Programmformat aus dem privaten Bereich ins Öffentliche, und so sann auch Franz Schubert darauf, im Musikverein eine „öffentliche Schubertiad“ zu veranstalten. Die Gesellschaft der Musikfreunde ging gern darauf ein und überließ ihm ihr Haus für ein „Privatkonzert“, bei dem auch zum ersten Mal öffentlich das berühmte „Ständchen“, D 920, für Altsolo und Frauenchor zu hören war. Das Vokalensemble bildeten damals Schülerinnen der legendären Anna Fröhlich, die am Konservatorium des Musikvereins unterrichtete. Ganz in diesem Sinn haben auch András Schiff und Robert Holl junge Künstlerinnen und Künstler für ihre Schubertiade im Jänner eingeladen.

Wiener Stimmen waren das, die damals, 1828, mit Franz Schubert erstmals im Musikverein zu hören waren. Wir übertragen solche Gedanken ins Heute und verbinden sie mit einem entschlossenen Schritt zur gesellschaftlichen Öffnung: „Wiener Stimmen“ ist ein Projekt, das wir gemeinsam mit der Wiener Brunnenpassage entwickelt und nun gestartet haben. Sechs junge, in Wien lebende Sängerinnen wurden eingeladen, eigene Songs in einem gemeinsamen künstlerischen Prozess für großes Orchester bearbeiten zu lassen. Am 4. Juni wird das Resultat in einem Konzert mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, einem weiteren Kooperationspartner, im Großen Musikvereinssaal zu hören sein. Es geht dabei nicht nur um eine faszinierende Konzertidee, sondern um einen großen, nachhaltigen Schritt zur Weitung: hin auf die diverse, vielfältige, pulsierende Wiener Stadtgesellschaft. Wir freuen uns, Ihnen in dieser Ausgabe auch davon berichten zu können. Wiener Stimmen – einst und jetzt.

Herzlich

Dr. Stephan Pauly

Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Monatsmagazin Musikfreunde Jänner 2022

Vertiefung und Weitung, Intensivierung und Öffnung: Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien bewegt sich, und sie tut es voll Überzeugung und Enthusiasmus in beide Richtungen. Die Porträts und  Komponistenschwerpunkte, die wir für die Saison 2021/22 geplant haben, vertiefen das Konzertgeschehen auf vielfältige Weise. Sir András Schiff ist in dieser Saison der Künstler mit dem umfassendsten Porträt: Nicht weniger als acht verschiedene Programme hat er mit uns gemeinsam konzipiert.
Nach seinem ersten, begeistert aufgenommenen Porträtkonzert mit der Cappella Andrea Barca gibt er nun einen Abend mit seinem Freund Robert Holl. „Wahlverwandtschaft, Seelenverwandtschaft“, sagt András Schiff in dieser Ausgabe der „Musikfreunde“, verbinde ihn mit Robert Holl – und „vor allem die Liebe zu Schubert“.

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