Alla Breve

FRANZÖSISCHES, KONTRASTREICH

Mit César Francks einziger Symphonie, der Symphonie d-Moll, eröffnete Alain Altinoglu in einem fulminanten Konzert die Musikvereinssaison 2021/22 am Pult der Wiener Philharmoniker. Und mit César Franck kehrt Altinoglu im Jänner in den Großen Musikvereinssaal zurück: Seine Konzerte mit den Wiener Symphonikern beginnt der französische Dirigent mit der symphonischen Dichtung „Le Chausseur maudit“, in der Franck den durchaus grausigen Inhalt der Ballade „Der wilde Jäger“ von Gottfried August Bürger musikalisch nacherzählt – dynamisch und klanglich höchst kontrastreich und mit enormen dramatischen Steigerungen versehen.

Französisch, doch deutlich sanfter setzt das Programm fort mit Ernest Chaussons „Poème de l’amour et de la mer“. Weit ausschwingende Melodien, farbenreiche Instrumentation und melancholische Grundstimmung dominieren dieses Werk, das im gleichen Jahr, in dem Franck seinen „Chausseur“ komponierte, begonnen wurde: 1882. Über elf Jahre hinweg arbeitete Ernest Chausson an seinem „Poème“, für das er sich einiger schwärmerischer Texte des Dichters Maurice Bouchor bediente. Mezzosopranistin Nora Gubisch übernimmt hier den Solopart, ehe im zweiten Programmteil die Reise in den Norden führt, nach Finnland zu Jean Sibelius und seiner Fünften Symphonie.

Alain Altinoglu
© Marco Borggreve

Alain Altinoglu 

27. Jänner 2022

Wiener Symphoniker | Alain Altinoglu | Nora Gubisch
Werke von Franck, Chausson und Sibelius

Mittwoch, 26. Jänner 2022, 19.30 Uhr

木曜日, 27. 1月 2022, 07.30 午後

David Pennetzdorfer
© unbezeichnet

David Pennetzdorfer 

16. Jänner 2022

Ensemble Wien | Christian Frohn | David Pennetzdorfer
Werke von Dvořák und Tschaikowskij

日曜日, 16. 1月 2022, 06.30 午後

SCHÖPFERGLÜCK

Kreative Prozesse, auch die der größten Meister, bewegen sich zwischen Extremen. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Oder eher umgekehrt: Tiefe Täler des Zweifels, ja der Depression – und dann das Gipfelglück im vollen Licht: Geschafft! Peter Iljitsch Tschaikowskij ging es so mit seiner Oper „Pique Dame“. Der Druck, das große Werk fertigzubringen, war enorm. Als es endlich vollbracht war, durfte der Enthusiasmus schon auch ins Hyperbolische kippen. „Es scheint mir jetzt, dass die Weltgeschichte in zwei Zeitabschnitte eingeteilt ist: In den ersten gehört alles, was sich seit der Erschaffung der Welt bis zur Komposition von ,Pique Dame‘ abgespielt hat. Der zweite hat vor einem Monat begonnen.“ Übermut im Übermaß. In dieser Stimmung begann Tschaikowskij die Arbeit an einem Streichsextett, das er „Souvenir de Florence“ nannte: aus dankbarer Erinnerung an den Ort, an dem ihm der Abschluss seiner großen Oper geglückt war. Die Woge des Selbstbewusstseins trug ihn weiter. Was Haydn – sagte er – nicht geschafft habe, das sollte ihm gelingen: ein Werk für sechs unabhängige Stimmen zu schreiben. Am Ende war er mit sich mehr als zufrieden: „Welch ein Sextett, und was für eine Schlussfuge! Es ist eine Freude. Schrecklich, wie ich mir selbst gefalle …“ Am 16. Jänner ist Tschaikowskijs „Souvenir de Florence“ wieder im Zyklus „Freude an Musik“ zu hören.

FASSUNG FÜR DAS UNFASSBARE

„Dieses Werk muss für die damalige Zeit ein Schockerlebnis gewesen sein. Vom ersten Ton an!“ Das Ausrufezeichen will gesetzt sein, es geht gar nicht anders, findet auch Rudolf Buchbinder, der seine Ausführungen über die Sonate op. 57 so beginnt, nachzulesen in seinem faszinierenden Buch „Mein Beethoven“. „Appassionata“ wurde und wird diese Sonate genannt, der Name kam erst nach Beethovens Tod auf, weil auch damit eine Art Ausrufezeichen gesucht wurde. „Appassionata“, die „Leidenschaftliche“ – kein unpassender Begriff, aber doch einer, der noch immer zu kurz greift. Die „Appassionata“, so Buchbinders Freund Joachim Kaiser in einem seiner Bücher, „ist mehr als eine Bühne fabelhafter Leidenschaften. Sie ist … ein Virtuosenstück des Entsetzens“. So kann einen die Sprache schon weit hinaustreiben, wenn man es mit diesem Stück aufnehmen will, und auch musikalisch könnte der Furor mit einem durchgehen. Es sei denn, man schafft die Balance von großer Emotion und klarem Gestaltungswillen und versteht, wie Buchbinder, die Zeichen wissend zu deuten. Auch das kann man nachlesen in seinem Buch: wie exakt der Text beachtet sein will. „Wo schreibt Beethoven ,forte‘, wo ,fortissimo‘? Wo ,piano‘, wo ,pianissimo‘?“ In seinem Studio zu Hause studiert Buchbinder diese Details genauestens und immer wieder aufs Neue. Die Fassung muss klar sein, damit das Unfassbare zum Erlebnis werden kann. Buchbinder spielt Beethovens „Appassionata“ – am 10. Jänner im Großen Musikvereinssaal.

Rudolf Buchbinder
© Marco Borggreve

Rudolf Buchbinder 

10. Jänner 2022

Rudolf Buchbinder
Werke von Brahms, Schubert und Beethoven

月曜日, 10. 1月 2022, 07.30 午後

Monatsmagazin Musikfreunde Jänner 2022

Vertiefung und Weitung, Intensivierung und Öffnung: Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien bewegt sich, und sie tut es voll Überzeugung und Enthusiasmus in beide Richtungen. Die Porträts und  Komponistenschwerpunkte, die wir für die Saison 2021/22 geplant haben, vertiefen das Konzertgeschehen auf vielfältige Weise. Sir András Schiff ist in dieser Saison der Künstler mit dem umfassendsten Porträt: Nicht weniger als acht verschiedene Programme hat er mit uns gemeinsam konzipiert.
Nach seinem ersten, begeistert aufgenommenen Porträtkonzert mit der Cappella Andrea Barca gibt er nun einen Abend mit seinem Freund Robert Holl. „Wahlverwandtschaft, Seelenverwandtschaft“, sagt András Schiff in dieser Ausgabe der „Musikfreunde“, verbinde ihn mit Robert Holl – und „vor allem die Liebe zu Schubert“.

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