Dodo und Tatz

Das neue Musikvereinsprogramm für die Jüngsten bis zu drei Jahren

Mit der Saison 2021/22 startet der Musikverein eine Konzertreihe für Babys und Kleinkinder bis zu drei Jahren. Bei „Dodo und Tatz“ dürfen sie sich frei im Raum bewegen, mitsingen, tanzen oder einfach nur schauen, lauschen und staunen. Das Programm „Herbsttöne“ eröffnet im Oktober die gemeinsame Reise mit Musik durch die Jahreszeiten.

Tatz hat sich versteckt. Das entzückende Fantasiewesen will zu Konzertbeginn erst einmal hervorgelockt werden. Gelingen kann dies nur mit einem Lied, das Musikpädagogin Julia Ruthensteiner-Schwarz eigens dafür komponiert hat. Sie singt es als Protagonistin Dodo, begleitet von einem Instrumentalduo. Und im nächsten Konzert, wenn es wieder gilt, Tatz aus dem Versteck zu locken, singen die größeren Kinder das Lied vielleicht sogar schon mit.

Bei „Dodo und Tatz“ wird der Metallene Saal an vier Wochenenden zu einem Wohlfühlort für Kinder von null bis drei Jahren und ihre Eltern oder andere Begleitpersonen, zu einem Raum des ganzheitlichen gemeinsamen Musik-erlebens von Klein und Groß. In der ersten Saison laden Dodo und Tatz zu einer Reise mit Musik durch die Jahreszeiten ein: Herbsttöne, Sternenklang, Flockentanz, Frühlingsnoten. Anna Rockenschaub, selbst Musikpädagogin und im Musikverein für den Bereich „Programme für Kinder, Jugendliche und Familien“ verantwortlich, hat die neue Konzertreihe gemeinsam mit Julia Ruthensteiner-Schwarz entwickelt. „Die Kinder“, sagt sie, „sollen sich hier in Bezug setzen können zu dem, was im Raum geschieht, auch wenn das bedeutet, dass ein Kind zu einem der Musiker hingeht und das Instrument angreift – das ist in Ordnung. Und die Eltern können Freude daran haben, ihre Kinder in diesem besonderen Setting mit Musik und verschiedenen Instrumenten zu erleben.“  Ein solches Setting fordert freilich flexible Akteure wie Julia Ruthensteiner-Schwarz und die sehr unterschiedlichen Instrumentalduos, die – natürlich gemeinsam mit Tatz – die vier Programme gestalten. „Wir haben ein sehr offenes Konzept, um auf das reagieren zu können, was von den Kindern kommt. Natürlich gibt es einen Plan – aber die schönsten Interaktionen passieren organisch. Dann entstehen Situationen, in denen man gemeinsam mit dem Publikum ganz im Fluss ist.“ Ihre Erfahrung hat die Musikpädagogin gelehrt, dass in der Arbeit mit Kindern weniger oft mehr ist. „Reduktion, Reduktion, Reduktion der Sprache“, lautet daher ihre Devise. „So wenig wie möglich erklären. Vieles geschieht durch Blicke, durch Gesten, auf die das Gegenüber reagiert.“ Das funktioniert am besten, wenn alle ganz im Moment und in der Sache sind, es keine Ablenkung gibt. „Der gemütliche, aber reduzierte Rahmen, den wir im Saal schaffen, ist im Grunde ein Abschaffen von Ablenkung. Es soll ja gerade etwas anderes im Zentrum stehen, nämlich das, was man hört und sieht“, führt Anna Rockenschaub aus. Tatz kommt dabei eine tragende Rolle zu: „Der ist ja einer, der erfunden wurde, um die Kinder hereinzuholen, nonverbal viel auszudrücken.“ „Mit ihm“, setzt Julia Ruthensteiner-Schwarz fort, „kann ich vieles vorzeigen – zum Beispiel wie das Kind zur Musik getragen und bewegt werden kann. Da braucht man nicht viele Worte. Worte verkopfen das Ganze, und dann ist man weg, nicht mehr im Körper, sondern im Denken, in der Sprache, im Kognitiven. Das holt einen heraus aus diesem Fluss. Reduktion ist das Wichtigste. Wir zeigen viel, wollen Momente der Nähe schaffen.“

Vila Madalena
© vilamadalenamusic

Vila Madalena 

23. Oktober 2021

Dodo und Tatz
Herbsttöne

Julia Ruthensteiner-Schwarz | Gesang, Schauspiel, Konzept
Vila Madalena, Franz Oberthaler | Klarinette, Saxophon
Nikola Zarić | Akkordeon
Birgit Kellner | Ausstattung
Stephanie Marie Breitegger | Kostüm
Silvia Spechtenhauser | Regieberatung
Anna Rockenschaub | Konzept

土曜日, 23. 10月 2021, 11.00 午前 土曜日, 23. 10月 2021, 02.00 午後 土曜日, 23. 10月 2021, 04.00 午後

Metallener Saal
© Wolf-Dieter Grabner

Metallener Saal 

24. Oktober 2021

Dodo und Tatz
Herbsttöne

Julia Ruthensteiner-Schwarz | Gesang, Schauspiel, Konzept
Vila Madalena, Franz Oberthaler | Klarinette, Saxophon
Nikola Zarić | Akkordeon
Birgit Kellner | Ausstattung
Stephanie Marie Breitegger | Kostüm
Silvia Spechtenhauser | Regieberatung
Anna Rockenschaub | Konzept

日曜日, 24. 10月 2021, 11.00 午前 日曜日, 24. 10月 2021, 02.00 午後 日曜日, 24. 10月 2021, 04.00 午後

"Es werden musikalische Gefühlswelten geschaffen, die für Kinder sehr intuitiv spürbar sein sollen."

Anna Rockenschaub

Die unterschiedlichen Möglichkeiten von Kindern der Altersgruppe von null bis drei werden ganz bewusst in die Programme mit einbezogen. „In den ersten drei Lebensjahren tut sich sehr viel“, ist sich Anna Rockenschaub bewusst. „Alle Angebote, die wir in den fünfzig Minuten der Veranstaltung stellen, sind in diesem flexiblen Setting so aufgebaut, dass sich jeder beteiligen kann, wie er es gerade imstande ist zu tun. Die Größeren kennen eines der klassischen Kinderlieder vielleicht schon von zu Hause und können mitsingen. Für die Babys singen die Eltern. Im dramaturgischen Bogen wird es auch sehr viel um Spannung und Entspannung gehen, um gemeinsame Aktivität und gemeinsame Ruhe. Es werden musikalische Gefühlswelten geschaffen, die für die Kinder sehr intuitiv spürbar sein sollen.“

Den Eltern Impulse nach Hause mitzugeben, „wie sie mit ihrem Kind Musik hören, sich zur Musik bewegen, singen können“, ist für Julia Ruthensteiner-Schwarz „ein ganz wichtiger Aspekt. In den Konzerten wird viel gesungen. Es wird jedes Mal ein traditionelles Kinderlied vorkommen, das ich mit den jeweiligen Musikern so arrangiere, dass auch mitgesungen werden kann; es wird Lieder geben, die immer wieder vorkommen, sodass die Kinder sie wiedererkennen; und es wird auch in jedem Konzert ein neues Kinderlied zum jeweiligen Thema geben, das ich eigens dafür schreibe. Die Lieder werden auch nach Hause mitgegeben.“

Konzerte für die Allerkleinsten sind international noch nicht die Regel. Mit der Entscheidung, ihr Angebot mit einem Programm für Null- bis Dreijährige zu erweitern, macht die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien nun einen durchaus großen Schritt und setzt ihn auf wissenschaftlichem Grund. „Schon in den 1970er Jahren wurde in mehreren Studien festgestellt, dass der am meisten entwickelte Sinn bei Neugeborenen der Hörsinn ist“, weiß Anna Rockenschaub. „Bereits ab dem letzten Trimester können Ungeborene hören. Sie haben eine Erinnerungsfähigkeit nach der Geburt, erinnern sich beispielsweise, was die Mutter gesungen oder welche Musik sie gehört hat. Diese Musik hat eine unglaublich beruhigende Wirkung auf sie. Ebenfalls wurde herausgefunden, wie stark Babys auf Musik reagieren, dass sie schon ganz unterschiedliche Stimmungen in der Musik spüren und darauf reagieren können. Zwei-, Dreijährige können schon sehr direkt auf Musik antworten und mit ihr mitgehen. Sie koordinieren Bewegungen zur Musik, zum Takt, zum Metrum – ganz natürlich. Das sind Situationen, die wir schaffen wollen. Den Kindern den Freiraum geben, das auszuleben, weil die körperliche, die sprachliche und die musikalische Entwicklung in diesem Alter ein Ganzes bilden, das man nicht trennen darf und kann. In den Konzerten von ,Dodo und Tatz‘ wollen wir dies auf verschiedenen Ebenen ansprechen und verbinden.“

Im Verband mit exzellenten Musikern sind Dodo und Tatz die Idealbesetzung für dieses neue Format. Sie verkörpern die Kleinen und die Großen im Publikum, die Kinder und ihre Eltern. Der fundierte Hintergrund spiegelt sich auch in ihren Namen: „Tatz ist eine Mischung aus Tanz und Tatze“, erklärt Julia Ruthensteiner-Schwarz. „Bei kleinen Kindern sind die Hände ganz wichtig, deshalb die Tatze: das Greifen, das Begreifen. Und Tanz, weil die Bewegung der natürlichste Zugang zur Musik ist. Der Name Dodo kommt vom Grundton Do.“

Das erste „Dodo und Tatz“-Wochenende im Oktober steht ganz im Zeichen des Herbstes. „Der Wind wird ein wichtiges musikalisches Thema sein“, verrät Julia Ruthen-steiner-Schwarz. Buntes Herbstlaub, durchaus zum Angreifen, ist als haptisches Element mit dabei. Und musikalisch kommt das Duo Vila Madalena hinzu – zwei Musiker „mit sehr unterschiedlichen musikalischen Biographien“, wie Anna Rockenschaub weiß. „Franz Oberthaler, der Klarinettist, ist klassisch ausgebildet und unterrichtet selbst an einem Gymnasium. Und Nikola Zarić am Akkordeon ist in der Balkanmusik zu Hause und ebenfalls klassisch ausgebildet. Er ist ein Musikant durch und durch. Was die beiden verbindet, ist nicht zuletzt die Virtuosität und Flexibilität an ihren Instrumenten. Sie reagieren immens schnell improvisatorisch auf jede Situation und haben als Ensemble ein tolles, breites Repertoire.“

Keine Frage: Die Töne werden im Herbstwind wirbeln wie die bunten Blätter. „Musikalisch wird es ein sehr schwungvoller Start in die Saison“, fügt Julia Ruthensteiner-Schwarz hinzu. Doch kein Wirbelwind ohne Windstille. „Die Polarität von Ruhe und Aktivität wird immer gewahrt.“

Ulrike Lampert
Mag. Ulrike Lampert ist Redakteurin der Zeitschrift „Musikfreunde“ und der Programmhefte der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

Monatsmagazin Musikfreunde September / Oktober 2021

Frühlingserwachen mitten im Herbst. Etwas von dieser Stimmung wird sich zweifellos einstellen, wenn der Musikverein im Oktober „Die Jahreszeiten“ spielt. Haydns große Hommage an den Lauf der Zeiten beginnt bekanntlich mit einem überschwänglichen Gefühl der Erleichterung. Vorbei ist’s mit Starre, Lähmung, strenger Enge. Der Frühling, freudig herbeigesungen, lässt sich nicht mehr aufhalten.

Ja, und so ist es dann hoffentlich überhaupt im Herbst, wenn der Musikverein in seine neue Saison geht: Frühlingserwachen im September. Aufatmen und Aufblühen, ein Neu- und Wiederbeginn mit dem Gefühl großer Erleichterung. Hoffen wir darauf! Unser Programm ist jedenfalls ganz auf diese Stimmung ausgerichtet. Voll Optimismus starten wir mit einem vollen, vielfältigen Konzertkalender – und mit einer Saisoneröffnung, die ein ganzes Wochenende zum Fest der Musik macht.

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