Auf Entdeckungsreise

Nun klingen sie wieder 2019 

Bis nach Japan führen diesmal die Klangexkursionen der Musikvereinsreihe „Nun klingen sie wieder“. Historische Instrumente in spannenden Programmen, präsentiert von Archivdirektor Otto Biba. 

Seit 2003 klingen ausgewählte historische Musikinstrumente aus den Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien wieder für das Publikum des Musikvereins – in dem seither alljährlich im Frühjahr stattfindenden Zyklus „Nun klingen sie wieder“. Die übrigen Monate des Jahres „schlafen“ sie auch nicht, sondern stehen Musikern und Wissenschaftlern zu Studienzwecken zur Verfügung, werden in Ausstellungen gezeigt oder helfen als Vergleichsmaterial anderen Museen. Bei aller Vorsicht, die im Umgang mit ihnen notwendig ist, sind sie doch ein recht lebendiger Bestand.   

Hörerlebnisse der besonderen Art

Entstanden ist diese höchst bemerkenswerte Instrumentensammlung aus der Absicht unserer Gründerväter, in Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde alles zu sammeln, was Musik dokumentiert – und dank der Hilfe von Freunden und Mäzenen unseres Archivs wächst der Bestand noch weiter. Was uns diese Instrumente zeigen und hören lassen können, damit überraschen wir das Publikum von „Nun klingen sie wieder“, dessen vier Konzerte heuer am 26. März, 24. April, 30. April und 9. Mai stattfinden. Primär sollen die Klänge der Instrumente fesseln – seien es nun Klänge gängiger Instrumente in historischen Repräsentanten ihres Typus, Klänge heute gar nicht mehr gespielter Instrumente oder Klänge von Instrumenten, die heute in ganz anderer Weise gebaut werden. Sie alle bieten ein Hörerlebnis besonderer Art. Eingebettet ist dieses heuer in drei spezielle und sehr unterschiedliche Programmkonzepte.   

Geburtstage mit Überraschungen

Zum einen wird des 300. Geburtstags von Leopold Mozart gedacht. Er ist uns als strenger Vater Wolfgangs vertraut, doch muss Leopold ein humorvoller Mensch gewesen sein, der seinen Humor – auch – musikalisch zum Ausdruck gebracht hat. Wie, das ist am 30. April zu hören. Und auf noch etwas muss hingewiesen werden: Leopold Mozart wird immer sofort mit seiner berühmten und wichtigen Violinschule assoziiert, die im Geburtsjahr seines Sohnes Wolfgang erschienen ist. Er hat aber nichts für Violine solo komponiert, jedoch sehr viel für Tasteninstrumente solo; seine Tochter Nannerl hat offensichtlich solche Kompositionen gebraucht. Hören Sie also am 26. März Klaviersonaten Leopold Mozarts auf einem Tafelklavier, ganz ähnlich jenem, das aus der fürsterzbischöflichen Residenz in Salzburg erhalten ist.  In das Jahr 2019 fällt auch der 200. Geburtstag Clara Schumanns – ein Ereignis, das unser Archiv mehrfach beschäftigt, u. a. mit einer Ausstellung, die im Bonner Stadtmuseum gezeigt wird. Der Programmschwerpunkt Clara Schumann bei den Konzerten „Nun klingen sie wieder“ zeigt einmal mehr, welch hervorragende Komponistin sie war. Dass eine solche Erkenntnis noch immer als Überraschung gelten kann, macht nachdenklich – doch wie auch immer: Lassen Sie sich einladen, am 26. März und am 9. Mai der Musik von Clara Schumann zu begegnen. 

Allerlei Zartbesaitetes

Jener Bösendorfer-Flügel für den Tenno hat trotz des langen Transports durch verschiedene Wetterzonen die Stimmung hervorragend gehalten. Das können wir auch an unserem zeitgleich entstandenen historischen Bösendorfer feststellen. Von dem Tafelklavier für Leopold Mozarts Musik ist das nicht zu sagen; dazu ist auch seine Konstruktion viel zu zart. Auch die für diese Konzerte verwendeten historischen Flügel (um 1825 und von 1834) brauchen die gute Betreuung durch einen Klavierstimmer, belohnen diese Mühe aber mit besonderen Klangschönheiten, die bei späteren robusteren Klavierinstrumenten verloren gehen mussten. Am 26. März ist auch eine Zither aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu hören: wenn nicht gerade die „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Johann Strauß aufgeführt werden, ein Rarissimum im Musikverein. Die Streichinstrumente sind allesamt nicht zur Erreichung einer größeren Klangstärke umgebaut worden und historisch besaitet. 

Virtuoses mit vier Tönen

An wirklich ausgefallenen Instrumenten sind heuer wieder zwei dabei: eine Nagelgeige und ein Alphorn. Letzteres stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und erklingt am 30. April bei einer Aufführung von Leopold Mozarts ganz weihnachtlich klingendem Divertimento für Alphorn und Streicher, das fälschlich sogar seinem Sohn zugeschrieben worden war. Leopold Mozart verwendet für die Solostimme überhaupt nur vier Töne, die auf dem Alphorn zwar in hoher Lage, aber sehr gut zu spielen sind. Überprüfen Sie es doch bitte: Niemand unter den Zuhörern merkt, dass der Solopart in verschiedener Reihen- und Abfolge sowie in unterschiedlichem Tempo und unterschiedlichen Tonlängen immer nur auf dieselben vier Töne zurückgreift. Die Nagelgeige stammt aus derselben Zeit. Sie heißt so, weil ein Geigenbogen verwendet wird, um in einem Resonanzkörper eingeschlagene Stahlstifte (die wie große Nägel aussehen und genau auf den ihnen zugedachten Ton gestimmt sind) zu streichen. Das ergibt einen sehr glasigen, ätherischen, beruhigenden Klang.   

Alte Musik und neue Form

Nun erklingen sie auch heuer wieder, solche ausgewählten Instrumente aus unseren Sammlungen, in Programmen, die ihnen adäquat sind und dem Publikum etwas erzählen können. Um solche Programme zusammenstellen zu können, sind uns unsere Archivbestände sehr hilfreich: Was man in diesem reichen Notenschatz nicht alles findet, um den Instrumentenschatz entsprechend präsentieren zu können! Genauso wichtig ist es, Interpreten zu finden, die alle diese Instrumente so zum Klingen bringen, wie sie es brauchen, und die sich dafür wochenlang vorbereiten, sozusagen eine „Ehe auf Zeit“ mit diesen Instrumenten eingehen. Daher fällt auch der Abschied schwer, wenn die Konzerte vorbeigegangen sind. Freilich, in der nächsten Saison kehrt „Nun klingen sie wieder“ in neuer Form wieder, 2019/20 als ein über die ganze Saison verteilter Zyklus von vier Konzerten, für den man schon ab Ende März die Abonnements erwerben kann. 

Otto Biba 

Prof. Dr. Dr. h. c. Otto Biba ist Direktor von Archiv · Bibliothek · Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.   

Tafelklavier | Jakob Warth, Untertürkheim 1791
© Wolf-Dieter Grabner

Tafelklavier | Jakob Warth, Untertürkheim 1791 

Nun klingen sie wieder

Leopold Mozart am Clavier
(zum 300. Geburtstag)
Clara Schumanns Romanzen
(zum 200. Geburtstag)
Japanisches in Wien 

Tafelklavier (Jakob Warth, Untertürkheim 1791)
Hammerflügel (André Stein, Wien um 1825)
Flügel (Ludwig Bösendorfer, Wien 1874)
Zither (Anton Kiendl, Wien um 1860)
Violine (Nicolas Caussin, Paris 1847)

Florian Birsak
Maria Bader-Kubizek
Cornelia Mayer
Reinhard Führer
Jeanette Röck
Otto Biba (Moderation)

火曜日, 26. 3月 2019, 07.30 午後

Flügel Ludwig Bösendorfer, Wien 1874
© Wolf-Dieter Grabner

Flügel Ludwig Bösendorfer, Wien 1874 

Nun klingen sie wieder

Der erste Bösendorfer 
am japanischen Kaiserhof, 
Japanische Musik, adaptiert
für Wiener Ohren
Brahms’ Begegnung
mit japanischer Volksmusik 


Flügel (Ludwig Bösendorfer, Wien 1874)

Zvi Meniker,
Maria Bader-Kubizek,
Otto Biba (Moderation)

水曜日, 24. 4月 2019, 07.30 午後

Alphorn frühes 19. Jh.
© Wolf-Dieter Grabner

Alphorn frühes 19. Jh. 

Nun klingen sie wieder

Leopold Mozart: Spaß und Ernst

Alphorn (frühes 19. Jh.)
Nagelgeige (19. Jh.)
Violinen (Mathias Thir, Wien 1756;
Michael Ignaz Stadlmann, Wien 1790)
Viola (Conrad Werl, Wien 1760;
Philipp Jakob Wurm, Wien 1773)
Violoncello (Italien, 17. Jh.;
Christian Franz Partl, Wien 1776)
Violone (Johann Christoph Leidolff, Wien 1757)

Thomas Fheodoroff
Max Engel
Siegfried Koch
Florian Hasenburger
Pablo de Pedro
Dorothea Schönwiese u. a.
Otto Biba (Moderation)

火曜日, 30. 4月 2019, 07.30 午後

Clara Schumann
© Archiv · Bibliothek · Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Clara Schumann 

Nun klingen sie wieder

Clara Schumann

Hammerflügel (Ignaz Bösendorfer, Wien 1834)
Violine (Franz Geissenhof, Wien 1785)
Violoncello (Gabriel Lemböck, Wien nach 1840)

Christophe Coin
Maria Bader-Kubizek
Patrick Cohen
Otto Biba (Moderation)

木曜日, 09. 5月 2019, 07.30 午後