22. 3月 2022

19:30 Brahms-Saal, Musikverein

Lenaerts • Morrison • Hood-Koll

Führlinger • Hedenborg | Wolf • Ravel • Debussy

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Remarks

Adela Frasineanu mußte krankheitsbedingt ihre Teilnahme an Konzert absagen. Dankenswerterweise erklärte sich Patricia Hood-Koll bereit, an dem Konzert teilzunehmen.

 

Direkt ins Herz

Die Harfenistin Anneleen Lenaerts

Anneleen Lenaerts ist Soloharfenistin der Wiener Philharmoniker. Ende April spielt sie das Harfenkonzert von Reinhold Glière, begleitet von ihren Orchesterkollegen unter Tugan Sokhiev.

Die Harfe ist als Soloinstrument nach wie vor eine Seltenheit im Konzertsaal. Dabei zählt sie zu den ältesten Instrumenten der Menschheit. „Erst durch das Doppelpedal-System, das Sébastien Érard in Frankreich entwickelt hat, und die dadurch neuen chromatischen Möglichkeiten wurde die Harfe für Komponisten so richtig interessant“, führt Anneleen Lenaerts, Soloharfenistin der Wiener Philharmoniker, ins Treffen. „Komponisten des französischen Impressionismus wie Debussy und Ravel haben genau für dieses Instrument geschrieben.“ Seither erweitert sich das Repertoire kontinuierlich, und inzwischen, sagt die Künstlerin in Bezug auf Konzerte mit solistischer Harfe, „wird es besser“. Sie selbst gehört zu jenen herausragenden Harfenistinnen und Harfenisten, die wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben.

Dabei hatte sie ganz zufällig zur Harfe gefunden. Anneleen Lenaerts stammt aus einem Elternhaus ohne musikalischen Hintergrund – einem Elternhaus jedoch, das den drei Kindern verschiedenste kreative Möglichkeiten bot: neben Musik auch Theater, Zeichnen und vieles mehr. Das Klavier, das eigens besorgt wurde, war stark frequentiert: Nach der Schwester begann auch der Bruder zu spielen und schließlich Anneleen, die Jüngste, im Alter von acht Jahren. Schon ein Jahr später hielt sie Ausschau nach einem Orchesterinstrument, das es ihr ermöglichen würde, gemeinsam mit anderen zu musizieren. Sie fasste Klarinette oder Oboe ins Auge, ein Instrument jedenfalls, das sich in einem kleinen Köfferchen zur Probe tragen ließe. Doch ihr Solfeggio-Lehrer, der auch das lokale Orchester leitete, hatte anderes für sie im Sinn. Im Orchester fehlte ihm eine Harfe. „Meine Eltern hätten mich frei wählen lassen, aber er hat sich durchgesetzt. Und als ich die Harfe dann zum ersten Mal gesehen und probiert habe, habe ich sie sofort geliebt“, erzählt sie. „Aber ob das jetzt mit Harfe, Klarinette, Oboe oder einem anderen Instrument gewesen wäre: Ich glaube, jedes Instrument wäre mir recht gewesen. Ich wollte einfach musizieren und Teil dieses Orchesters sein.“

Bis sie achtzehn Jahre alt war, erhielt sie neben Harfen- weiterhin auch Klavierunterricht, was Anneleen Lenaerts als äußerst vorteilhaft erlebte, sowohl das harmonische Denken betreffend (unerlässlich beim Spiel der komplexen Doppelpedal-Harfe) wie auch für das Repertoire. „Wenn man immer nur auf die doch sehr französisch orientierte Harfen-Klangwelt fokussiert ist, dann entwickelt man sich nicht so leicht weiter. Weil ich am Klavier aber früh Bach und dann auch Chopin, Liszt etc. gespielt habe, habe ich solche Werke auch ziemlich bald auf der Harfe probiert. In der Harfenwelt gibt es die Tradition von Bearbeitungen, die Standard geworden sind. Man sucht aber selber auch nach Werken, die man hinzufügen kann.“ Während ihrer Ausbildungszeit am Brüsseler Konservatorium studierte sie auch Komposition. Heute bearbeitet sie zahlreiche Werke für ihr Instrument selbst.

Eine Orchesterstelle strebte Anneleen Lenaerts ursprünglich nicht an. Nach ihren Studien in Brüssel und Paris und einer ganzen Reihe von Wettbewerbspreisen nahm ihre freie künstlerische Laufbahn Fahrt auf. Ihr Gewinn des Dritten Preises beim ARD-Wettbewerb in München hatte zur Folge, dass Anneleen Lenaerts über ein Jahr hinweg Einladungen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks erhielt, unter Mariss Jansons im Orchester zu spielen: Mahler-Symphonien, ihre „ersten großen Orchestererfahrungen. Hier habe ich meine Liebe zum Orchesterspielen entdeckt. Wenn man mit solchen Musikern arbeiten darf – das war schon unglaublich schön.“
Dann machte sie Xavier de Maistre, der in München in der Wettbewerbsjury gesessen war, auf das Probespiel zur Nachbesetzung seiner Soloharfenistenstelle bei den Wiener Philharmonikern aufmerksam. „Aber ich habe dann die Anmeldefrist fast verpasst“, gesteht sie. „Ich hatte damals so viele andere Projekte, dass ich den Termin aus dem Blick verloren hatte.“ Sie hatte gerade ihre erste Solo-CD mit Werken von Chopin und Liszt aufgenommen und unmittelbar anschließend in München Mahlers Vierte Symphonie unter Mariss Jansons gespielt. Zwei Wochen blieben noch bis zum Probespiel in Wien. „Ich war gar nicht so darauf fokussiert, bin eher entspannt und ohne allzu hohe Erwartungen in das Probespiel hineingegangen. Ich wusste: Niemand kennt mich hier, man spielt hinter einem Vorhang. Wenn es nicht gutgeht, gehe ich wieder nach Brüssel“, erzählt sie lachend. „Natürlich war das dann eine Wahnsinnsfreude, als die Nachricht gekommen ist, dass ich die Stelle bekommen habe.“ Und nach einer kleinen Pause: „Und dann fängt erst einmal ein Jahr harter Arbeit an.“

Oper hatte sie bis dahin noch nie gespielt. 43 verschiedene Werke waren es, bei denen sie dann in ihrem ersten Jahr im Orchestergraben saß. Eine harte Schule, Anneleen Lenaerts macht daraus keinen Heel. „Aber man hat eine solche Motivation zu bestehen, dass man gar nicht da-rüber nachdenkt. Das ist auch das Tolle an diesem Orchester: Es dauert, aber wenn man das Repertoire dann einmal drauf hat, kann man viel flexibler aufeinander reagieren. Das ist eine Stärke der Philharmoniker, dass man anders zuhört. Das ist eine ganz andere Ausgangsposition in der gemeinsamen Arbeit.“
Mit jeder Oper und mit jedem symphonischen Werk lernt man dazu, unabhängig davon, wie lange man dabei ist. Auch bei den Wiener Philharmonikern begegnete Anneleen Lenaerts Mariss Jansons, von dem sie in München so wichtige Impulse für die Orchesterpraxis erhalten hatte. „Er dirigierte das erste Neujahrskonzert, das ich gespielt habe“ erzählt sie. „Das war etwas ganz Besonderes für mich. Und er war erstaunt zu sehen, dass ich in Wien im Orchester saß."

Etwas ganz Besonderes wäre es für Anneleen Lenaerts auch gewesen, unter Mariss Jansons’ Leitung mit den Wiener Philharmonikern das Harfenkonzert von Reinhold Glière zu spielen. „Es kam leider nicht mehr dazu“, sagt sie traurig. „Es ist so schade, dass es ihn nicht mehr gibt.“ Das Glière-Konzert ist für Anneleen Lenaerts ein wahres „Herzensstück. Wenn man ein bisschen emotional veranlagt ist“, sagt sie, „dann geht es direkt ins Herz. Ich denke, weil es so viele schöne Melodien in sich birgt, die von der russischen Volksmusik inspiriert sind. Ich habe es von Anfang an sehr gemocht und es immer sehr gerne gespielt.“
Das erste Mal spielte sie es kurz vor ihrem Erfolg beim ARD-Wettbewerb, erinnert sie sich. Sie hat es auf CD eingespielt und es mit verschiedensten Partnern aufgeführt. Nun blickt sie der bevorstehenden Aufführung mit den Wiener Philharmonikern und Tugan Sokhiev im Musikverein mit großer Freude entgegen.

Noch vor diesem Konzert ist Anneleen Lenaerts im Brahms-Saal mit philharmonischen Streicherkolleginnen und -kollegen zur Kammermusik verabredet – in einem Programm, das nach der Pause die Harfe ins Zentrum rückt. Originalkompositionen für Harfe und Streicher von Claude Debussy und Marcel Grandjany sowie von ihrem Bruder Wouter Lenaerts, der vor einigen Jahren „Visions“ für Harfe und Streicher für sie komponiert hat, wird sie spielen. Und Debussys berühmtes Klavierwerk „Clair de Lune“ in einem selbst erstellten Arrangement, das die Klangfarben und Rhythmen dieser zauberhaften Mondnacht eindrucksvoll auf ihr Instrument überträgt.

Ulrike Lampert
Mag. Ulrike Lampert ist Redakteurin der Zeitschrift „Musikfreunde“ und der Programmhefte der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

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