08. 5月 2022

15:30 Großer Saal, Musikverein

Cecilia Bartoli • Sir András Schiff

Schubert • Haydn • Rossini

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Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

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Keine Pause.

 

2022年5月9日 | Wiener Zeitung / Fleck, Sandra

Verschnaufpausen mit Witz

Cecilia Bartoli und András Schiff begeisterten im Musikverein.

30 Jahre nach ihrem Debüt bei der Gesellschaft der Musikfreunde steht die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli erneut mit dem Pianisten András Schiff auf der Bühne des Goldenen Saals.

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 Musik für die Insel

Cecilia Bartoli und Sir András Schiff

Im umfassenden Künstlerporträt, das die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Sir András Schiff in dieser Saison widmet, ist Anfang Mai Cecilia Bartoli zu Gast. „La Bartoli“ und Sir András, zwei langjährige Künstlerkollegen, werden Werke von Joseph Haydn, Franz Schubert und Gioacchino Rossini interpretieren. Eine musikalische Unterhaltung auf Italienisch.

Sir András Schiff hat sich für sein Porträt im Musikverein Jewgenij Kissin als Klavierpartner gewünscht und spielte als Solist in Brahms’ Zweitem Klavierkonzert zum ersten Mal mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko. Zur Freude vieler hat er auch eine langjährig Vertraute eingeladen, „das Naturwunder“ Cecilia Bartoli, wie er sagt. Die intelligenteste Sängerin, die er kennt. Die nur singt – und wiederentdeckt, was ihrer Stimme guttut.
Joseph Haydns Kantate „Arianna a Naxos“ fand sich bereits vor dreißig Jahren auf dem Programm der beiden Künstler. Mit diesem Konzert am 9. März 1992 im Rahmen des Zyklus „Haydn mit András Schiff“ gab Cecilia Bartoli ihr Debüt bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Wer Cecilia Bartoli jemals beim Künstlereingang ins Haus huschen gesehen und dann wenig später beim Eintauchen in die Erwartung des Publikums im Goldenen Saal erneut erlebt hat, kann erahnen, welche Bühnenenergie sich hier im Künstlerzimmer aufbaut. Da braucht es auch ein starkes, einfühlsames Gegenüber. Ein inspirierendes Musizieren auf Augenhöhe, das die beiden scheinbar Gegensätzlichen verbindet. Zudem eine rar gewordene Gelegenheit in Wien, Cecilia Bartoli und András Schiff auf der Bühne zu erleben.

Der legendäre englische Produzent Christopher Raeburn brachte die beiden Künstler am Beginn der Karriere Bartolis zusammen. Wolfgang Amadeus Mozarts Konzertarie mit obligatem Klavier, komponiert für die verehrte Nancy Storace, stand dabei Pate. „Ch’io mi scordi di te … Non temer, amato bene“, KV 505, ein Dialog zwischen Ilia und Idamante, ein Dialog zwischen Cecilia Bartoli und András Schiff, der das Zwischenmenschliche in der Musik Mozarts zum Knistern bringt. Aus dieser Zeit stammt auch das Zitat, Cecilia Bartoli würde eine CD mit András Schiff mit auf die einsame Insel nehmen. Verkürzt stand im Titel des Artikels für das „Fono Forum“: „Mit András Schiff auf die einsame Insel“. Nimmt man das Publikum anno 2022 dazu, kann sich diese künstlerische Intimität im Genuss des Zuhörens ausbreiten. Auf die einsame Insel führt auch Joseph Haydn, genauer: zur Einsamkeit einer Verlassenen auf der Insel. Haydns Kantate „Arianna a Naxos“ ist eine wohldosierte Erregung in vier Teilen über ein „erschüttertes Herz“. Oft wird behauptet, Haydn brauche, ja verdiene die besten Interpreten: Mit András Schiff und Cecilia Bartoli wird die Geschichte der verlassenen Arianna zum empathischen Biopic.

Lieder von Franz Schubert lassen dann zusätzlich aufhorchen. Die vertonten italienischen Vorlagen von Pietro Metastasio und Carlo Goldoni gehen auf seine Lehrzeit bei Antonio Salieri zurück. „Vedi quanto adoro ancora ingrato!“, „Sieh, wie sehr ich Dich noch immer anbete!“, führt direkt zu Metastasios Opernlibretto „Didone abbandonata“. Die barocke Szene des Verlassenwerdens lugt in jene Wohnung, die Schubert mit dem theaterbegeisterten Franz von Schober teilte, der vermutlich die Textvorlage anregte. Schubert und Cecilia Bartoli, das erinnert an das singuläre Ereignis einer Großen Schubertiade der Künstlerin bei den Salzburger Festspielen 2014. Hausmusik eines darin gesellschaftlich wie privat Umworbenen hier wie dort: kammermusikalisch, introvertiert virtuos, wenn András Schiff für Cecilia Bartoli am Klavier den Soundtrack mischt.

Während András Schiff sein Repertoire behutsam reduziert, um „alte Sachen noch besser zu spielen“, findet auch Cecilia Bartoli verstärkt zur Musik von Gioacchino Rossini zurück. Mit der Rosina im „Barbier von Sevilla“ schaffte sie 19-jährig den internationalen Durchbruch. Neben ihrem eigenen akribischen Forschen hat Nikolaus Harnoncourts gelebte „Klangrede“ ihre Interpretationen des Belcanto-Repertoires beeinflusst. Für Cecilia Bartoli „ein Muss“, wie sie im Interview mit der „Opernwelt“ 2017 unterstreicht. Das Genie Rossinis speise sich letztendlich aus dem Barock. Wie sein Nachfolger Giuseppe Verdi betrachtete er Mozart als den Größten. Mit seiner bahnbrechenden rhythmischen Motorik setzte er die Musik unter Strom. Der Rossini-Taumel in Wien vergraulte Beethoven, während Schubert dem neuen Anderen in seiner Musik nachspürte. Mit der Ur-Komödiantin Bartoli als Rossini-Begeisterte bleiben wie bei Mozart Tränen im prallen Lachen eingestickt.

Vor vier Jahren hat die Intendantin Bartoli ihr Festival in Salzburg, die Pfingstfestspiele, dem Thema „1868 – Zeitenbrüche“ gewidmet. Die stets neugierige Forscherin schreibt ihrem Publikum auch warum: „Es hat mich immer berührt, dass Mozart gerade einmal drei Monate tot war, als Gioachino Rossini im Februar 1792 geboren wurde. Europa befand sich damals in einem tiefgreifenden Umbruch. Nach der Absage an den Absolutismus wütete in Frankreich die Revolution, der die europäischen Mächte Einhalt gebieten wollten. Als Rossini 76 Jahre später, am 13. November 1868, starb, befand sich Europa wieder an einer Zeitenwende: Die modernen Industriestaaten begannen sich auszubilden und ein weitreichender Wandel der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen kündigte sich an. Auch musikgeschichtlich steht Rossini zwischen den Epochen. War er den einen ein Neuerer und der Vollender der italienischen Oper, galt er den anderen bald als Epigone und Repräsentant einer überkommenen Ära und schien aus der Zeit gefallen.“ Rossini hat sich dieses Aus-der-Zeit-Fallen mit „Alterssünden“ versüßt.

„Music must be moving or fun“, sagte einst Leonard Bernstein. Die Geburtsstätte der beiden Künstler András Schiff und Cecilia Bartoli, Budapest und Rom, liegen mit dem Auto 1.214,3 km entfernt. Nicht wirklich auf halber Strecke, sondern schon im Süden, den auch András Schiff besonders liebt, liegt Venedig, dem die beiden mit „La regata veneziana“ von Rossini huldigen. Das junge Mädchen Anzoleta fiebert mit ihrem geliebten Momolo mit. Vor, während und nach der Regatta, ehe der finale Kuss das Happy End anzeigt. Cecilia Bartoli als verliebte Sportreporterin, das gäbe ein Szenenbild für die von ihr so geschätzten Rossini-Inszenierungen des Duos Moshe Leiser und Patrice Caurier. Die Chefin der Salzburger Pfingstfestspiele und Intendantin der Opéra Garnier Monte Carlo ist unverändert ein quirliger Bühnenvulkan à la Rossini. In der intimen Form des Liedes verdichtet sie die großen Gefühle zu hochprozentigen Miniaturen.

Auf den Spuren der spanischen Mezzosopranistin Conchita Supervía vermag Cecilia Bartoli echte Menschen zu verkörpern. Mit ihrer Stimme, die selbstverständlich und im Sog der Aufführung mit Nuancen spielt wie andere mit Reglern am Mischpult. An diesem Punkt trifft sie auf ihren Bühnenpartner András Schiff, für den die Musik aus der Stille kommt. Knisternd still ist es meistens, wenn Bartoli mit Rossini durchatmet. Ihre intensive Art, mit Augen und Gesten zu musizieren und dabei doch ganz ruhig zu bleiben, versetzt das Auditorium nicht selten in ein staunendes Lauschen.

Rossini besaß Humor und Selbstironie. Cecilia Bartoli ist ebenso schlagfertig wie charmant. Sie bringt die Dinge auf den Punkt und verlangt dies unmissverständlich auch von anderen. Diese Ansätze finden sich auch in den Liedern Rossinis: „Die Primadonna bin ich.“ Wer es zu ernst nimmt, könnte mit Pathos straucheln. In der elegischen Ballade „L’Orphéline du Tyrol“ jodelt ein Tiroler Waisenmädchen ihren Kummer von der Seele. Bei Rossinis Pariser Samstag-Soiréen war im übertragenen Sinn auch „La Grande Coquette“ zugegen, Madame Pompadour, die große Verführerin des Königs. Und schließlich „La danza“ aus der Feder des Dichters und Politikers des Risorgimento Carlo Pepoli. Rossini vertonte das Lied als neapolitanische Tarantella: „Mamma mia, si salterà“, es wird vermutlich nicht bei einer Zugabe bleiben. Apropos Nachschlag: Das Lieblingsgericht Cecilia Bartolis sind die „Rigatoni all’amatriciana“ ihrer Mutter. Das Geheimnis liege dabei in der richtigen Mischung aus Guanciale, leichter Schärfe und frischen italienischen Tomaten.

Ursula Magnes
Mag. Ursula Magnes ist Musikchefin und Moderatorin bei Radio Klassik Stephansdom.

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