27. 1月 2012

19:30 Brahms-Saal, Musikverein

Acht Cellisten der Wiener Symphoniker

Wagner • Dvorák • Krenek

この催し物は既に開催されました。


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プログラム

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コンサートシリーズ

  • Außerordentliches Gesellschaftskonzert

主催者

Wiener Symphoniker

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Remarks

Musikalische Bearbeitungen: Christoph Stradner.

 

Teamgeist

Die Acht Cellisten der Wiener Symphoniker

Schon ein Cello allein kann berückend wirken. Die „Acht Cellisten der Wiener Symphoniker“ sind nicht darum verlegen, den Charme ihres Instrumentes zu potenzieren. Am 27. Jänner werden sie im Musikverein in Wagner-Klängen schwelgen und Tschaikowskijs Schwäne tanzen lassen.

Das Cello gilt als Instrument, das mehrheitsfähig ist. Sein weicher, vielseitiger Klang sichert ihm im Konzertalltag hohe Sympathiewerte. Wem die Geige zu hell, der Kontrabass zu dumpf, der findet im Cello ein Instrument, das sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe eine gute Figur macht. Die Figur scheint übrigens das ihrige zur Popularität des Cellos beizutragen, Analogien zum weiblichen Körper sind oft behauptet und selten in Abrede gestellt worden (Man Rays legendäres Rückenphoto aus dem Jahr 1924 leistet hiefür eine einprägsame Argumentationshilfe). Obwohl das Cello also optisch und klanglich durchaus zur Diva taugt (ein überschaubares Repertoire an Solokonzerten trägt dem auch Rechnung), kann es im regulären Konzertalltag nur beschränkt seine Vorzüge ins Treffen führen: Im Streichquartett stellt es den harmonischen Unterbau sicher, im großen Orchesterverein, wo schwerere Geschütze die Basslinie abstecken, kommt ihm eine Art Mittlerfunktion zwischen den hohen und den ganz tiefen Stimmen zu.

Wenn die Sehnsucht Form annimmt

Es ist also keineswegs verwunderlich, dass sich in der Cellogruppe eines symphonischen Orchesters früher oder später einmal die Sehnsucht regen kann, aus der gewohnten Rolle zu fallen und es den Geigen oder Klarinetten an Virtuosität gleichzutun. Im Berlin der frühen 1970er Jahre fand dieses Verlangen erstmals eine organisierte Form, die zwölf Cellisten des dortigen Philharmonischen Orchesters sind bis heute, wenn auch längst in neuer Besetzung, ein gern gehörter Gast auf den internationalen Konzertpodien. 1980 formierten sich die „Acht Cellisten der Wiener Symphoniker“, die es, angeführt von ihrem damaligen Primus Wilfried Rehm, über viele Jahre geschickt verstanden, spielfreie Tourneetage ihres Stammorchesters für umjubelte Auftritte in der ganzen Welt zu nutzen. Als mit der Zeit die Reiselogistik immer effizienter und die Verpflichtungen als Konzert- bzw. Opernorchester vielfältiger wurden, verebbten die Aktivitäten schließlich, da sich kaum noch freie Tage für das außertourliche Musizieren finden ließen. Erst im Jahr 2005 – der Wiener Christoph Stradner war kurz zuvor als neuer Erster Solocellist zu den Symphonikern gestoßen – reifte wieder der Wille heran, trotz der nicht weniger werdenden Orchesterdienste einen Neuanfang mit geballtem, süffigem Celloklang zu wagen. Der Moment hierfür war günstig, da sich gerade eine Reihe junger Cellisten im Orchester eingefunden und aufeinander eingespielt hatte. Der frisch entfachte Teamgeist wollte sich in einer über das Orchesterspielen hinausgehenden Form Ausdruck verleihen.

Auf den Leib geschneidert

Dass in der exquisiten Cellogruppe bestes Einvernehmen herrscht, ist bei einem kurzen Gesprächstermin für diesen Text, zu dem sich gleich drei Vertreter des Ensembles einstellen, nicht zu übersehen. In großer Übereinstimmung und mit verteilten Rollen erzählen Christoph Stradner, Andreas Pokorny und Romed Wieser, was sie bei ihrem cellistischen Kontrastprogramm antreibt. Natürlich gilt für sie zunächst einmal, was jede Kammermusikformation, die sich aus Orchestermusikern zusammensetzt, ins Treffen führt: dass das Musizieren in kleinen Besetzungen das Ohr schult und man sich selbst und die anderen noch besser hören lernt. Bei den „Acht Cellisten“ hat das Ensemblespiel aber auch eine Art gruppendynamische Bedeutung, denn die Individualität eines jeden Spielers, die sich im Orchester dem großen Ganzen, dem Gesamtklang unterzuordnen zu hat, könne sich im Celloensemble, wo nicht mehr bedingungslos mit einer Stimme zu sprechen sei, auf einmal frei entfalten. Damit die Besonderheiten seiner Mitstreiter bestmöglich zur Geltung kommen, schneidert ihnen Christoph Stradner in seinen extra für das Ensemble angefertigten Bearbeitungen auch vieles regelrecht auf den Leib.

Unbekannte Dimensionen

Große, vielgespielte Werke sind der Grundpfeiler des Repertoires der acht symphonischen Cellisten, bei ihrem bevorstehenden Auftritt im Musikverein werden so zum Beispiel Klassiker von Peter Iljitsch Tschaikowskij und Richard Wagner zu hören sein – von der „Schwanensee- Suite“ über das „Siegfried-Idyll“ bis zum Vorspiel zum dritten Akt von „Lohengrin“. Christoph Stradner will damit dem Publikum das Angebot machen, vertraute Werke völlig neu zu entdecken: „Unser besonderes Anliegen ist es, durch die neue Instrumentierung unbekannte Dimensionen vermeintlich bekannter Werke freizulegen. Die Bearbeitungen sind originalgetreu, kein Ton ist neu. Es wurden lediglich Verdopplungen gestrichen und Oktavlagen angepasst. Die Besetzung mit acht gleichen Instrumenten lässt neue, spannende Querverbindungen im Ohr des Zuhörers entstehen. Darüber hinaus erzeugt die solistische Interpretation jeder einzelnen Stimme eine vielschichtige, sehr persönliche kammermusikalische Intimität.“

Nicht ganz jugendfrei

Konsequent weiter gedacht, bedeutet dies, dass die Neuentdeckung altbekannter Werke mit einem Konzert der „Acht Cellisten“ keineswegs endet, sondern auch im Nachhinein noch Früchte trägt – dann nämlich, wenn man die bearbeitete Musik nach einiger Zeit wieder im Original zu hören bekommt. Nicht so schnell wird man freilich eine Pointe dieses cellistischen Musikvereinsabends im regulären Konzertbetrieb wieder erleben können, die Mozarts berühmte, nicht ganz jungendfreie Kanons mit Gedichten von Ernst Jandl verquickt. Schon allein dafür sollte man also am 27. Jänner im Brahms-Saal zugegen sein.

Markus Siber
Mag. Markus Siber ist Kulturjournalist und Dramaturg des Festivals Carinthischer Sommer. 

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