Audio

Wie klingt denn das ...

Gerne stellen wir Ihnen hier Historische Musikinstrumente aus den Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien in Wort, Bild und Ton, vor.

Die Instrumente live erleben? Das Programm unseres Abonnement-Zyklus „Nun klingen sie wieder“ für die Saison 2020/21 finden Sie hier.

Alphorn

unbezeichnet, frühes 19. Jahrhundert

Ausschnitte aus - Leopold Mozart: 
Sinfonia Pastorella. G-Dur, für Alphorn und Streicher (Audio)

Siegfried Johann Koch, Alphorn
Thomas Fheodoroff und Florian Hasenburger, Violinen
Pable de Pedro, Viola
Dorothea Schönwiese, Violoncello
Alexandra Dienz, Violone

Mit nur fünf Tönen hat Leopold Mozart den Solopart in dieser kleinen weihnachtlichen Hirtenmusik gestaltet. Diese fünf Töne stammen aus der auf dem Alphorn zu blasenden so genannten Naturton-Skala. 

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 30. April 2019.
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Csakan

Anton Heberle:
Csakan (Audio)
Die Post (Audio)
Ungarisch (Audio)

Alfred Endelweber, Csakan

Der Csakan (Czakan) oder die Stockflöte war ein Mode-Instrument des Biedermeier und ist in der Spielweise der Blockflöte verwandt. Charakteristisch ist hier die Kombination der Flöte ist mit einem Spazierstock. Der Herr ging damals nicht ohne Spazierstock, und wer einen Csakan benützte, hatte immer ein Musikinstrument bei sich. Seine Wurzeln hat der Csakan in einem Volksmusikinstrument, das in Oberungarn bzw. in der Slowakei verbreitet hat. Wir besitzen mehrere Csakans in unserer Musikinstrumentensammlung und freuen uns über einen schönen Bestand an Csakan-Musik: darunter sind zahlreiche Werke von Anton Heberle, der ein Csakan-Virtuose war und für sein Instrument komponiert hat.

Drehleier

Caron, Versailles, zwischen 1770 und 1779

Ludwig van Beethoven:
Ecossaise G-Dur, WoO 23, Gespielt auf der Drehleier

Walisisches Volkslied:
„Farewell thou noisy town“, Gespielt auf der Drehleier

Schottisches Volkslied:
„Bonny Laddie, highland laddie“, Gespielt auf der Drehleier
„O how can I be blithe and glad“, Gespielt auf der Drehleier

Matthias Loibner, Drehleier
Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 18. Jänner 2020 Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Bei der Drehleier werden Saiten von einem laufend gedrehten Holzrad gestrichen und von Holz-Stempeln, die der Spieler betätigt, „gegriffen“, also auf die notwendige Länge und somit Tonhöhe gebracht. Was bei anderen Streichinstrumenten der Bogen ist, ist hier das Holzrad, was die Finger des Spielers sind, sind hier Holz-Stempel. Unsere Drehleier ist von dem Hoflautenmacher der Königin Marie-Antoinette, Caron, zweimal signiert, einmal innen im Corpus mit einem Signaturzettel und einmal außen mit einem Brandstempel: „CARON A / VERSAILLES“. Caron war so bekannt und berühmt, daß von ihm gar kein Vorname überliefert ist: Man sprach offensichtlich nur von Meister Caron. Das Instrument besitzt zwei Spielsaiten, vier Bordunsaiten und sieben (ursprünglich neun?) Resonanzsaiten. Die Spiel- oder Melodiesaiten werden mit 23 Tasten bespielt. Den Wirbelkasten ziert ein Türkenkopf. Wir haben diese Drehleier im Juni 2001 im Londoner Auktionshaus Phillips für unsere Sammlungen erworben.

Dulcitone

von Thomas Machell & Sons, Glasgow, um 1900  

Georg Christoph Wagenseil:
Das Glockengeläute zu Rom, dem Vatikan (Audio)

Florian Birsak, Dulcitone

Das Dulcitone wurde von Thomas Machelll erfunden und in seiner Firma Thomas Machell & Sons, Glasgow, im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gebaut. Es ist ein Tasteninstrument, bei dem Filzhämmer auf Stimmgabeln schlagen, was einen glockenartigen Klang ergibt. 

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 30. April 2019.
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Glasklavier

Brünn 1789

Johann Christian Müller:
Romanze mit Variationen, A-Dur (Audio)

Der Instrumentenbauer hat sein auch als Möbel sehr schönes Instrument datiert und mit Brünn bezeichnet, aber nicht signiert. Es entstand zu einer Zeit, als man dem Glasklang besonderes Interesse entgegenbrachte, sowohl der Glasharmonika wie dem Glasklavier, bei dem die Klavierhämmer nicht auf Saiten, sondern auf Glasplättchen schlagen. Der Klang ist zart, flötend und an ein Glockenspiel erinnernd: Es ist der Klang einer empfindsamen Zeit.

Hammerflügel

von André Stein, Wien, um 1825 

Ludwig van Beethoven:
Sonata quasi una Fantasia cis-Moll, op. 27/2, „Mondscheinsonate“
Adagio sostenuto
Allegretto
Presto agitato
(Audio)

Stefania Neonato, Hammerflügel

André Stein (1776-1842) war einer der renommiertesten Wiener Klavierbauer seiner Zeit; er genoß das besondere Vertrauen Beethovens und hat auch den ersten Flügel für Clara Wieck (verehelichte Schumann) geliefert. Dieser Flügel besitzt einen Tonumfang von Kontra-C – c4 und drei Pedale: Dämpfungsaufhebung, Verschiebung und Fagott-Zug. Letzterer ist bei dieser Sonate obsolet.  

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 5. März 2020
Aufgenommen von radio klassik Stephansdom

Harfe

von Godefroy Holtzmann, Paris, um 1780

Edward Jones: 
Variationen über „The Welsh Ground“, aus der Sammlung „Musical and Poetical Relicks oft he Welsh Bards“, London 1825 (Audio)

Adelheid Blovsky-Miller, Harfe

Über Holtzmanns Biographie ist kaum etwas bekannt. Jedenfalls war er zu seiner Zeit einer der gesuchtesten Harfenbauer in Paris – und Paris war damals eine Domäne des Harfenbaus und Harfenspiels. 

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 18. Dezember  2019. 
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Nagelgeige

unbezeichnet, Österreich, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts

Anonymus, fälschlich W. A. Mozart zugeschrieben: 
Tempo di Valse, „Das Butterbrot“, KV Anh. C 27.098 (Audio)

Wolfgang Amadeus Mozart, aus: Die Zauberflöte, KV 620:
Arie (Papageno) „Der Vogelfänger bin ich ja“ (Audio)
Arie (Papageno) „Ein Mädchen oder Weibchen“ (Audio)

Anonymus, aus dem Notenbuch für Nannerl Mozart: 
Menuett C-Dur, gespielt von Nagelgeige und Violoncello (Audio)

Max Engel, Nagelgeige 
Philipp Comploi, Violoncello

Bei der Nagelgeige sind Stahlstifte in ein etwa halbrundes Corpus gesteckt, die vom Spieler mit einem Geigenbogen gestrichen werden. Die Länge der Stifte entspricht genau der gewünschten Tonhöhe. Der Klang ist leise und sehr flötig. 

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 30. April 2019. 
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Orphica

Unbezeichnet, wohl Leopold Röllig, Wien um 1800

Leopold Röllig:
Vier kleine und leichte Tonstücke für die Orphica (Audio)
Solfeggio für eine Hand für die Orphica (Audio)

Florian Birsak, Orphica

Die Orphica ist ein tragbares Klavierinstrument, erfunden um 1790 von Leopold Röllig. Es wurde mit einem Riemen über die Schulter getragen (unser Kupferstich aus dem Jahr 1795) und einhändig gespielt oder auf einen Tisch gelegt und zweihändig gespielt. Die Saiten werden von Hämmerchen angeschlagen, aber nach dem Anschlag nicht wie bei anderen Klavierinstrumenten gedämpft. Das ergibt einen ätherischen, das Minimum an Resonanzkasten einen leisen Klang. 

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun  klingen sie wieder“, 25. April 2018
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Pedalflügel

von Ludwig Bösendorfer, Wien 1874

Robert Schumann:
Vier Skizzen für den Pedalflügel op. 58 (Audio)
Franz Liszt:
Praeludium und Fuge über den Namen B-A-C-H (Audio)

Jean Guilleau, Pedalflügel

Der Pedalflügel war kein Orgelersatz, sondern ein erweitertes Klavier. Mozart hat einen besessen, Schumann …. Und in unseren Sammlungen befindet sich einer, aus dem Nachlaß von Ludwig Bösendorfer (1835-1919): Ein Corpus liegt auf dem Boden; die darin befindlichen Saiten werden mit einer Pedalklaviatur angespielt. Das andere Corpus steht mit drei Beinen darauf und ist sozusagen ein üblicher Flügel.

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 26. März 2012
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Streichzither

Unsigniert, 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Alexander Baumann:
Sechs Stücke aus „Gebirgs-Bleamln“, 1. Heft, Wien 1848 (Audio)
Anonym:
Ländler, 1819 aufgezeichnet in Maria Taferl für die Volksmusik-Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde (Audio)
Anonym:
Tänze, 1819 aufgezeichnet in Russbach am Paß Gschütt, OÖ, für die Volksmusik-Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde (Audio)

Max Engel, bei den Werken von Baumann begleitet von Cornelia Mayer an einer Zither von Anton Kiendl, Wien um 1860

Die Streichzither wurde etwa 1823 von dem Zither-Spieler Johann Petzmayer (1803-1884) erfunden. Sie ist eine Zither mit herzförmigem Corpus, ohne Begleitsaiten und mit Melodiesaiten, die nicht gezupft, sondern gestrichen werden. Um sie streichen zu können, ist dasmit Bünden versehene  Griffbrett gewölbt. Unsere Streichzither gelangte 2011 als Geschenk aus Privatbesitz in Mondsee in unsere Sammlungen. Die damalige Eigentümerin erinnerte sich noch, daß ihr Großvater darauf gespielt hat. Damals nannte man das Instrument in der Familie „Raffele“, eine noch für volkstümliche Zither-Typen übliche Bezeichnung. Das  Instrument ist nicht signiert, aber jedenfalls eine hoch stehende kunsthandwerkliche Arbeit. Es ist in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren und gehört dem Typus der viersaitigen Streichzither an. 

Musikverein, Brahms-Saal, Konzert im Zyklus „Nun klingen sie wieder“, 19. April 2013 
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom