Der Wiener Mozart 1785/86

mit Leif Ove Andsnes

Zu den Konzerten

Frei sein! Lästige Abhängigkeiten abwerfen! Nicht mehr buckeln müssen vor schikanöser Obrigkeit! Der 25-Jährige träumte davon, und er träumte den Traum laut, als er im April 1781 an seinen Vater schrieb: „... wenn sie nicht wären: so schwöre ich ihnen bey meiner ehre das ich keinen augenblick versäumen würde, sondern gleich meine dienste quittierte ...“ Der Mensch, der hier in aller Liebe als Glücksverhinderer apostrophiert wurde, war noch eine bestimmende Größe – aber er war nicht da! Wolfgang Amadeus Mozart befand sich allein in Wien, abkommandiert, um im Gefolge des Salzburger Fürsterzbischofs zu Diensten zu sein. Ohne die bremsende Präsenz des Herrn Papa eskalierte der Konflikt zwischen den salzburgischen Hofschranzen und dem freiheitsdurstigen jungen Mann, und der legte es auf den ultimativen Kick an. Am 8. Juni 1781 war es so weit. Mit einem historisch gewordenen „tritt im Hintern“ beförderte der Oberstküchenmeister Graf Arco den Hofmusiker Wolfgang Amadeus Mozart endgültig aus den fürsterzbischöflichen Diensten. Mozart war ein freier Mann. Und das am Ort seiner Träume: in Wien! „ich versichere sie“, hatte er dem Vater schon vorsorglich geschrieben, „daß hier ein Herrlicher ort ist – und für mein Metier der beste ort von der Welt.“ 

Mozarts Metier: Das war natürlich die Musik im Allgemeinen, in all der funkelnden Vielfalt, wie sie das josephinische Wien mit seinen Theatern und Kirchen, seinem musikinteressierten Hof und seinen kunstliebenden Adels- und Bürgerhäusern bieten konnte. Mozarts Metier: Das war aber auch eine Spezialdisziplin im engeren Sinn, für die nun einmal Wien „der beste ort von der Welt“ war: die Kunst des Klavierspiels und der Klavierkomposition, gipfelnd im Genre des Klavierkonzerts, das Mozart innovativ vorantrieb. „mein fach ist zu beliebt hier, als daß ich mich nicht Soutenieren sollte“, so Mozart im Juni 1781 aus Wien: „hier ist doch gewis das Clavierland!“ 

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Dabei war es noch gar nicht so lange her, dass sich Wien zu diesem „Clavierland“ entwickelt hatte. Die Erfindung des Hammerklaviers, dazumal „Fortepiano“ genannt, setzte sich in Deutschland rascher durch als in Österreich, wo man sich erst um 1770 mit der Novität anzufreunden begann. Dann aber ging es rasch. Binnen kurzem avancierte Wien zur Metropole der Klavierbaukunst. Warum aber wurde das Klavier zum tonangebenden Instrument der Zeit? Der höfische Absolutismus hatte spürbar an Gewicht verloren; es entfaltete sich eine neue, vom aufklärerischen Geist geprägte Privatheit und eine neue, von solcher Individualität getragene Form der Öffentlichkeit: eine „Bürgergesellschaft“, die wohl Teile des Adels einschloss, aber klar geschieden war von der starren Hierarchie des alten Hofstaats. 

Mozart im „Clavierland“ verlieh der so gewonnenen Autonomie die schönsten, beredtsten Klänge. Und er „soutenierte“ sich wirklich. Die Erfolge, die er feiern konnte, waren so enorm, dass auch Vater Leopold, 1785 auf Kontrollvisite in Wien, aus dem Staunen nicht herauskam. „wenn nur einmahl die Akademien vorbey sind“, schrieb er an Tochter Nannerl, schon etwas malträtiert vom Rummel um den Vielbegehrten: „es ist ohnmöglich die schererey und unruhe und alles zu beschreiben: deines Bruders Fortepiano Flügel ist wenigst 12 mahl, seit dem [ich] hier bin, aus dem Hause ins Theater oder in ein andres Haus getragen worden.“ In all diesen Fällen saß Mozart selbst am Klavier, um zumeist tintenfrisch Neues zu spielen. „Das Concert war unvergleichlich“, so Leopold in einem Bericht nach Hause, der Höhepunkt des Programms aber war „ein neues vortreffliches Clavier Concert vom Wolfgang, wo der Copist, da wir ankamen noch daran abschrieb, und dein Bruder das Rondeau noch nicht einmahl durchzuspielen Zeit hatte, weil er die Copiatur übersehen mußte ...“ 

„Wie konnte das möglich sein? Was geschah da?“ Mit diesen Fragen widmen sich Leif Ove Andsnes und das Mahler Chamber Orchestra dem unfassbaren Schaffensrausch der Jahre 1785 / 86. „Mozart Momentum“, so nennen sie treffend dieses großangelegte Projekt – als Team sind sie dafür optimal aufgestellt. Seit 2003 arbeiten sie kontinuierlich zusammen, 2012 bis 2015 waren sie mit einer „Beethoven Journey“ auf einer international weit ausstrahlenden Erkundungstour, die auch im Musikverein für Begeisterung sorgte. „Es ist“, sagt der norwegische Meisterpianist, „eine echte Partnerschaft. Selbstverständlich habe ich meine Vorstellungen und setze mich für sie ein, aber dann bin ich stets überrascht von den vielen Ideen, die aus dem Orchester kommen, Inspirationen, die wir dann gemeinsam weiter entfalten.“ Dieser partnerschaftliche Geist ist dann auch die beste Voraussetzung, um Kammermusikalisches in dieses Mozart-Projekt mit einzubeziehen – so wie für den Mozart im „Clavierland“ eben auch Kammermusik und Lieder zum immensen Spektrum seiner Kunst gehörten. Ein Abend im Brahms-Saal widmet sich diesen intimeren Facetten, während bei den Konzerten im Großen Musikvereinssaal neben vier Klavierkonzerten und der „Prager Symphonie“ noch ein Werk auf dem Programm steht, bei dem man eine andere Form der Intimität herausspürt: die Konzertarie „Ch’io mi scordi di te“, die Mozart, wie er selbst in sein Werkverzeichnis notierte, „für Mad:selle storace und mich“ schrieb. Nancy Storace war die erste Susanna in „Le nozze di Figaro“ – und dass sie nicht nur den Männern auf der Bühne, sondern auch dem Komponisten selbst den Kopf verdrehte, mag man aus dem hinreißenden Werk heraushören. In diesem Komponistenkopf kreisten denn auch Pläne, mit der Storace auf Musiktour nach London zu gehen – es wurde nichts daraus, Mozart blieb in Wien, der Stadt, die ihn so wohl aufgenommen hatte.

Konzerte im Fokus

15. November 2021

Mahler Chamber Orchestra
Leif Ove Andsnes | Leitung und Klavier
Matthew Truscott | Leitung 

Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert d-Moll, KV 466
Symphonie D-Dur, KV 504, „Prager“
Klavierkonzert C-Dur, KV 467

Anschließend: Nachklang
Leif Ove Andsnes | Klavier
Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra

Dieses Konzert ist Teil des Zyklus
Das Goldene Musikvereinsabonnement I

Monday, 15. November 2021, 07.30 PM

16. November 2021

Mahler Chamber Orchestra
Leif Ove Andsnes | Leitung und Klavier
Matthew Truscott | Leitung 
Christiane Karg | Sopran

Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert A-Dur, KV 488 
Ch’io mi scordi di te. Konzertarie für Sopran und Orchester, KV 505
Maurerische Trauermusik, KV 477
Klavierkonzert c-Moll, KV 491

Dieses Konzert ist Teil des Zyklus
Soirée musicale

Tuesday, 16. November 2021, 07.30 PM

17. November 2021

Christiane Karg | Sopran
Leif Ove Andsnes | Klavier
Konzertmeister und Stimmfrüherer des Mahler Chamber Orchestra:
Matthew Truscott | Violine
Joel Hunter | Viola
Frank-Michael Guthmann | Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart
Klaviertrio B-Dur, KV 502
Lieder 
Klavierquartett Es-Dur, KV 493

Dieses Konzert ist Teil des
Kammermusik-Zyklus

Wednesday, 17. November 2021, 07.30 PM

07. und 28. November 2021

Mozarts Schreibtisch:
Tinte, Streusand und Feder

Könnt ihr wie Wolfgang Amadeus Mozart mit Gänsefeder und Tinte schreiben? Das ist gar nicht so einfach, probiert es aus! Und auch die Schreibpapiere des alten Meisters können zu echten Kriminalfällen werden …

Sonntag, 7. November 2021, 11.00 Uhr
Sonntag, 7. November 2021, 15.00 Uhr
Sonntag, 28. November 2021, 11.00 Uhr

Sunday, 28. November 2021, 03.00 PM

11. bis 14. November 2021

Nannerl und Wolferl

eine musikalische Geschichte über das Geschwisterpaar Mozart: Nannerl spielt bereits als Kind sehr gut Klavier, sie ist eine kleine Virtuosin! Aber Agathe kann kein Instrument auf der Bühne entdecken. Worauf wird Nannerl musizieren?

Musik von Maria Anna Mozart, Wolfgang Amadeus Mozart, Leopold Mozart u. a.

Donnerstag, 11. November 2021, 9.00 Uhr
Donnerstag, 11. November 2021, 10.30 Uhr
Freitag, 12. November 2021, 9.00 Uhr
Freitag, 12. November 2021, 10.30 Uhr
Samstag, 13. November 2021, 11.00 Uhr
Samstag, 13. November 2021, 13.00 Uhr
Samstag, 13. November 2021, 15.00 Uhr

Sunday, 14. November 2021, 11.00 AM

20. und 21. November 2021

Nachtmusik und Zauberflöte.
Mozart für Kinder

Marko Simsa und seine musikalischen Gäste unternehmen einen interaktiven
Streifzug durch Wolfgang Amadeus Mozarts bekannteste Werke.

Wolfgang Amadeus Mozart
Eine kleine Nachtmusik, KV 525
„Türkischer Marsch“ aus Sonate Nr. 11 A-Dur, KV 331
Menuett aus der Oper „Don Giovanni“
„Der Vogelfänger bin ich ja“ aus der
Oper „Die Zauberflöte“, KV 620
Sowie weitere Werke des Komponisten

Samstag, 20. November 2021, 11.00 Uhr
Samstag, 20. November 2021, 15.00 Uhr
Sonntag, 21. November 2021, 11.00 Uhr

Sunday, 21. November 2021, 03.00 PM

Programm- schwerpunkte

der Saison 2021/22
Im Programm der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien finden sich in der kommenden Saison zahleichte Schwerpunkte. 

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Brahms - Schumann - Symphonien

„Es waltet in jeder Zeit ein Geheimnis verwandter Geister“, schrieb Robert Schumann 1853 im Blick auf den blutjungen, noch ganz unbekannten Johannes Brahms. Nun treffen sie einander wieder, zwei verwandte und doch unterschiedliche Geister: Brahms und Schumann, in einem Symphonien-Zyklus mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim. Julia Spinola sprach dazu mit dem Dirigenten.

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Richard-Strauss-Projekt

„Ich kann es kaum erwarten“, sagt Andris Nelsons, „endlich wieder auf dem Podium des wunderbaren Musikvereins zu stehen!“ 2022 wird er auf diesem Podium ein Herzensprojekt verwirklichen können: eine Serie von Richard-Strauss-Konzerten, die in Allianz von zwei Spitzenorchestern gestaltet wird, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Boston Symphony Orchestra. Bei dieser Verbindung, das zeigt ein Blick auf die Geschichte, spielt auch der Musikverein eine prominente Rolle.

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Grenzgänge

Das weite Spektrum tschechischer Musik steht im Zentrum eines umfassenden Programmschwerpunkts im Musikverein – mit Orchester-, Kammermusik- und Solistenkonzerten, mit Programmen für Kinder und Jugendliche und mit einem Urban-Street-Dance-Projekt.

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