Editorial

November 2021

Liebe Musikfreundinnen und Musikfreunde,


Musik, „die einen die Ohren spitzen lässt“ – sie ist es, die der Maler und Musikenthusiast Georg Baselitz vor allem, ja ausschließlich liebt: Tonkunst, die „einen zwingt, tiefer zu gehen“. In der bildenden Kunst – dem Metier, in dem er weltberühmt wurde – hat Baselitz selbst mannigfaltig Anstöße dazu gegeben, die Augen zu schärfen. Mit seinen Bildern, die „auf dem Kopf stehen“, bringt er Bewegung in die Köpfe der Betrachtenden. Animierend lädt er dazu ein, in die Tiefe zu gehen und neue Perspektiven zu finden. Für unsere „Musikverein Perspektiven“ ist er so ein idealer Partner. Ich freue mich besonders, dieses neue Programmformat im November mit Georg Baselitz beginnen zu können. 

Der Dialog mit Künstlerinnen und Künstlern anderer Genres kann ein Weg sein, spannende neue Perspektiven auf die Musik zu gewinnen. Aber es gibt, selbstverständlich, noch viele andere Wege. „Der Wiener Mozart 1785/86 mit Leif Ove Andsnes und dem Mahler Chamber Orchestra“ beleuchtet Meisterwerke aus der Perspektive einer herausragenden Schaffensperiode, die „Brahms-Schumann-Symphonien mit Daniel Barenboim“ zeigen verwandte Geister im imaginären Zwiegespräch. Und hier wie da gewinnen diese Programmschwerpunkte im Musikverein noch eine besondere Dimension: durch einzigartige Zeugnisse in unserem Archiv. Mozart ist hier mit dem Autograph seines Klavierkonzerts KV 466 aus dem Jahr 1785 gleichsam zum Greifen nah. Und was Schumann für Brahms bedeutete, das wird kaum wo so unmittelbar spürbar wie im Archiv des Musikvereins, dem Johannes Brahms mit seinem Nachlass auch eigenhändige Zeugnisse dieser Seelenbiographie übergab: bewegende Briefe aus Schumanns letzten Lebensjahren. Die „Musikfreunde“ geben Einblick in diese ganz persönliche Perspektive.

Geschichten, die in der großen Geschichte des Musikvereins stecken, werden auf besondere Weise auch in unseren Kinder-, Jugend- und Familienprogrammen erzählt. Und auch da gibt es neue Perspektiven: mit der neuen Serie „Die Musikforscher“, die Taschenlampenführungen und Workshops bietet. Los geht’s da mit „Mozarts Schreibtisch: Tinte, Streusand und Feder“. Man muss die Feder spitzen. So wie man die Ohren spitzen sollte. Das Musikvereinsprogramm des November bietet dafür die schönsten, spannendsten Anregungen.

Herzlich

Dr. Stephan Pauly

Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Monatsmagazin Musikfreunde November 2021

Musik, „die einen die Ohren spitzen lässt“ – sie ist es, die der Maler und Musikenthusiast Georg Baselitz vor allem, ja ausschließlich liebt: Tonkunst, die „einen zwingt, tiefer zu gehen“. In der bildenden Kunst – dem Metier, in dem er weltberühmt wurde – hat Baselitz selbst mannigfaltig Anstöße dazu gegeben, die Augen zu schärfen. Mit seinen Bildern, die „auf dem Kopf stehen“, bringt er Bewegung in die Köpfe der Betrachtenden. Animierend lädt er dazu ein, in die Tiefe zu gehen und neue Perspektiven zu finden. Für unsere „Musikverein Perspektiven“ ist er so ein idealer Partner. Ich freue mich besonders, dieses neue Programmformat im November mit Georg Baselitz beginnen zu können.

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