Tue 21. June 2022

19:30 Großer Saal, Musikverein

Christian Gerhaher • Gerold Huber

Johannes Brahms

Replacement date for 10. Dec 2021

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Kunst ist nicht Privatsache

Gerhaher singt Brahms

Erkennende Hingabe, hellsichtige Liebe. Das Thomas-Mann-Wort kann einem zu Christian Gerhaher immer einfallen. Erst recht, wenn Johannes Brahms auf dem Programm steht. Das zweite seiner Musikvereins-Porträtkonzerte widmet der Sänger Liedern von Brahms.

Christian Gerhaher im Porträt. Zu einem Gespräch über das nächste Konzert seiner Porträt-Reihe im Musikverein, einen Brahms-Liederabend, ist der Sänger gern bereit. Und wie es der Zufall so will: Das Ambiente dafür könnte nicht stimmiger sein. Wir treffen einander vor einer Porträt-Reihe im Musikverein: der Galerie alter Meister, porträtiert in Öl, in der Direktionskanzlei des Hauses. Direkt im Blickfeld: das Porträt von Johannes Brahms. Genau daneben: das von Robert Schumann. Die beiden gehören ja wirklich zusammen. Denn was wäre Brahms ohne Schumann? Wie wäre sein Weg verlaufen ohne die „Neuen Bahnen“, auf die Schumann ihn wies, mit allem nur denkbaren Überschwang?

Keine Frage: Wer sich intensiv mit Brahms beschäftigt, muss seine Beziehung zu Schumann mit bedenken. Für Christian Gerhaher liegt es doppelt nah, jetzt, da er gerade ein singuläres Schumann-Projekt abgeschlossen hat: die Aufnahme aller Lieder … Und so blicken die zwei Dioskuren sinnig und „ziemlich skeptisch“, wie Gerhaher amüsiert bemerkt, herab auf den Dialog, der sich da entspinnen soll. Eine dritte Größe könnte man sich noch dazudenken, eine, die scheinbar nichts in dieser Porträt-Reihe verloren hat und doch so viel dazu zu sagen hätte: Thomas Mann. Er sprach davon, dass wahre Liebe Kritik einschließen müsse. „Erkennende Hingabe, hellsichtige Liebe – das ist Passion.“ Eine Liebe, so Thomas Mann, wäre keine tiefe und „vor allen Dingen ohne Geist …, wenn sie nicht auch zu zweifeln, an ihrem Gegenstand zu leiden wüsste“. Damit sind wir nun genau bei Schumann, Brahms und Christian Gerhaher. Denn Gerhahers Passion ist stets erkennende Hingabe, hellsichtige Liebe. Und sie ist es, ganz speziell, bei Johannes Brahms.

Was dieser Liebe Nahrung gibt und als Bekenntnis hinter seinem Brahms-Programm steht, ist „eine echte tiefe Zuneigung zu diesen Liedern, die eine wunderbar sinnliche Größe haben. Und die ist“, sagt Christian Gerhaher, „auch so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. Dieser breite, dieser dunkelgrüne und dunkelrote Fluss, ein gleichsam dreidimensionales Tongebilde, das sich da dem Sänger bietet, das ist schon etwas, was es bei anderen Komponisten schwerlich in dieser Fülle und als Hauptcharakteristikum gibt.“ Aus dieser Fülle schöpft er nun: mit einem weitgespannten Programm, das sogleich tief eintaucht in den Fluss, den Sog der Brahms’schen Melancholie. „Der Strom, der neben mir verrauschte, wo ist er nun?“ Gerhaher beginnt mit dem Opus 32, in dem sich dieses Lied findet, er geht weiter zu den „Vier ernsten Gesängen“, dem Opus ultimum des Liedkomponisten Brahms, und schließt in den zweiten, dramaturgisch subtil zusammengestellten Programmteil einen kleinen Zyklus ein, den „Regenlied-Zyklus“, der sich in Brahms’ Opus 59 verbirgt. Im Unterschied zu Schumann, dessen „konzeptionelle Weitsicht“ Gerhaher begeistert heraushebt, hat Brahms „Zyklen eher vermieden“. Umso spannender: dieser „Regenlied-Zyklus“. Die Texte stammen von einem mit Brahms befreundeten Dichter, Klaus Groth – nicht unbedingt ein Goethe von der Waterkant, wie Brahms ja überhaupt, typisch für ihn und ganz im Unterschied zu Schumann, Texte aus der höchsten literarischen Liga gern vermieden hat, wenn er Lieder schrieb. „Nachklang“ heißt eines der Groth-Gedichte, das Brahms ansprach. Und diesen Nachklang suchte er, dem spürte er nach, den füllte er mit seiner Musik. „Noch schmerzt das Nachgefühl“ – ein anderer Groth-Vers für Brahms, und so typisch, so wesentlich dabei: das Nach, das Danach. Stand nicht sein ganzes Leben unter dieser Perspektive? Ein Komponist nach Beethoven zu sein, nach Schubert, nach Mozart, nach all den von ihm so tief erkannten Meistern der Vergangenheit, ein Künstler auch nach Schumann? Und dann auch ganz privat: Was immer er für Clara Schumann sein konnte, er war es nach Robert. Schumann lebte und liebte anders: Als Künstler riskierte er kühne Würfe, „sein Werk“, so fasst es Christian Gerhaher ins Bild, „ist eher ausgefranst, hat viele Richtungen. Da will keine rettende Hand sein, die ständig auf den Nachlass achtet.“

Genau daran aber entzündet sich die Brahms-Kritik von Gerhaher, das ist’s, was ihn leiden lässt in seiner Passion: dass Brahms glaubte, diese rettende Hand für Schumann bieten zu müssen und so, mit Clara im Bunde, sortierend zugriff auf das, was von Robert bleiben sollte. Cello-Romanzen aus Schumanns Nachlass wurden vernichtet, Clara verbrannte sie unter dem Beifall von Johannes. Es ging auch da ums Danach, um die Nachwelt und den Nachruf – Perspektiven, die Schumann weit weniger interessierten als den aufs Nachhaltige erpichten Brahms. In vielerlei Gestalt suchte er es im eigenen Werk. Und nicht jede muss man mögen. Gerhaher lässt sich nicht gewinnen, wo er einen Hang zur Glättung spürt. Aber er ist ganz bei Brahms, wenn er die Arbeit sieht und hört: als Verdichtung des Gedankens im musikalischen Prozess, als Objektivierung der subjektiven Befindlichkeit in tönend bewegter Form. Aus Gerhahers Buch von 2015 weiß man, dass er als Sänger ganz Ähnliches erstrebt. „Für mich“, schreibt er da, „geht es um eine im Ideal subjektunabhängige Fähigkeit, Emotionen auch theoretisch und damit das Kunstwerk immanent zu begreifen.“ Gemeint ist damit auch die präzise Scheidung von Sentimentalität und Emotionalität. „Natürlich“, sagt er, „ist die Emotionalität zwischen Menschen, auch auf der Bühne, das treibende Movens, es wäre vollkommen unsinnig, sie nicht zu wollen. Aber einem Darsteller dabei zusehen zu müssen, wie er eine Rolle aus der Augmentation der eigenen Lebenswirklichkeit begreift und so durch Sentimentalität verunstaltet, das muss nun wirklich nicht sein. Da ist eine Objektivierung sinnvoll.“

Johannes Brahms war ein Meister solcher Objektivierung: weil er seine Gefühle bemeisterte im kompositorischen Prozess. Und was auch immer ihn umgetrieben haben mag im Innersten: Er barg es im Werk, verschloss es für sich und erschloss es so, verwandelt, für andere. So entsteht Kunst. Zu ihrem Wesen gehört, ganz zentral, dass sie keine Privatsache mehr ist.

Sollte das nicht jedem klar sein, der sich auf die Kunst besinnt? Christian Gerhaher erlebte da zuletzt Denkwürdiges. Kritik als notwendiges Element von Passion bewog ihn, mit Künstlerkolleginnen und -kollegen gemeinsam die Initiative „Aufstehen für die Kunst“ zu starten: ein, wie er sagt, „juristisches Engagement“ zur „Wiederherstellung der Freiheit der Kunst“. Durch – aus ihrer Sicht – unangemessen einschränkende Pandemie-Schutzmaß-nahmen sei das im deutschen Grundgesetz und in der bayerischen Landesverfassung verankerte Grundrecht auf Freiheit der Kunst verletzt worden. Diesbezügliche Eilanträge der Initiative wurden von den Gerichten zurückgewiesen – einmal, berichtet Christian Gerhaher, „mit der Begründung, die Kunstfreiheit sei ja schon deshalb nicht eingeschränkt, weil jeder Darsteller die Möglichkeit habe, im Internet zu streamen“. Ein anderes Mal wurde argumentiert, dass das Grundrecht auf Freiheit der Kunst anders zu behandeln sei als das auf Versammlungsfreiheit (Demonstrationen) und Religionsausübung (Gottesdienste), „weil hier ja alle betroffen seien, bei der Einschränkung der Künste aber nur die Künstler“. „Wie kann ein Richter sich anmaßen, die Künste nur auf die Künstler zu reduzieren?“, kommentiert Gerhaher. „Wir brauchen ein Publikum! Ohne Publikum gibt’s keine Künste. Jede Kunst muss aufgenommen, wahrgenommen und interpretiert werden – und zwar auch, ganz entschieden, vom Publikum. Das Publikum leistet Interpretation.“ Dazu muss es aber auch physisch anwesend sein, nicht bloß anonym eingeloggt im Internet, sondern erlebbar als Gegenüber.

Im Großen Musikvereinssaal wird es auf besondere Weise zu spüren sein, wenn Christian Gerhaher hier, mit Gerold Huber am Klavier, Brahms-Lieder singt. „Ströme der Seele Verlangen,/ Ström es in brausende Lieder“. Kunst ist größte Innigkeit. Aber keine Privatsache.

Joachim Reiber
Dr. Joachim Reiber ist  Chefredakteur der Zeitschrift „Musikfreunde“ und Programmheftredakteur der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

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