Fri 28. February 2020

20:00 Gläserner Saal / Magna Auditorium, Musikverein

Cornelius Obonya

Ensemble Wild | § soundso. Absatz 3 - Gesetz und Musik

This event has already taken place


Programme

§ soundso. Absatz 3 - Gesetz und Musik Sascha Peres „On the loose“ aus der der Suite „World Wide Wild“ Werner Koczwara Der Anwalt Die Gesetze Rudolf Welser Schleicht’s Euch! Ein Dammbruch Musikalische Produktionen Django Reinhardt / Stéphane Grappelli Swing 39; arrangiert von Sascha Peres Rudolf Welser Legegegacker Zigarettenkamel Johann Strauß Sohn Electrofor. Polka schnell, op. 297; arrangiert von Wolfgang Ortner Daniel Glattauer Wem gehört der Gummibaum? Rudolf Welser Der Seltenheitswert eines Richters Richterliche Arbeit auf dem Sofa Schlafender Richter Eine Information einer ehemaligen Anwältin Harry Woods / Gary Campbell Midnight, the stars and you; arrangiert von Robert Michael Weiss Rudolf Welser Das Wasserbett Das Doppelbett Stierig! Komplizierte Verschlüsse Peep Show Playboy Der Kuss Reptilien Störung am Ehebett durch Dritte Trost und Hilfe vom Nachbarn David Clayton-Thomas Spinning Wheel; arrangiert von Andreas Plank Werner Koczwara Das Straßenverkehrsrecht Rudolf Welser Die Kniebeuge Die Kurve Hunde gegen Kfz-Diebstahl Stuhldrang im Straßenverkehr Franz von Suppè / Ferdinand Preis O du mein Österreich. Marsch; arrangiert von Robert Michael Weiss Rudolf Welser Der Aufenthalt der Verstorbenen Meldung der Russin Noch immer verstorben Rotkäppchen im Juristendeutsch Walter Haberl Wild Latin

Encores

Rudolf Welser Altweibersommer Die Honorarnote Nachweis einer Schildlaus Kärntner Fischfang Werner Koczwara Lieblingsgesetz Ludovic Bource George Valentin

Service

print the programme

Remarks

Keine Pause.

 

Vor dem Gesetz

Juristenprosa auf dem Prüfstand

Gesetzes- und Verständnislücken hat Cornelius Obonya in der österreichischen Rechtsordnung entdeckt. Er wird sie nicht schließen, aber Ende Februar auf offener Bühne des Gläsernen Saales präsentieren. Alexander Marinovic hat sich aus diesem Anlass Gedanken über das chronische Leiden an der Amtssprache (vulgo Juristendeutsch) gemacht. 

Der Befund ist alt. Schon der sprichwörtlich gewordene Adolph Knigge stellte in seinem Klassiker „Über den Umgang mit Menschen“ vor 230 Jahren die Juristen an den Pranger: „Ihr barbarischer Stil, ihre bogenlangen Perioden, ihre Gabe, die einfachste, deutlichste Sache weitschweifig und unverständlich zu machen, erfüllt jeden, der Geschmack und Gefühl für Klarheit hat, mit Ekel und Ungeduld.“ 

Juristen und Dichter 

Und das, obwohl unter den bedeutendsten Stilisten deutscher Zunge eine große Zahl von Juristen zu finden ist: Goethe erlangte mit seiner Dissertation 1771 an der Universität Straßburg das Licentiat der Rechte; E. T. A. Hoffmann verdiente sein Einkommen vor seiner Künstlerlaufbahn als Jurist in Berlin, Posen und Warschau; Franz Grillparzer leistete seinen juristischen Staatsdienst in der k.k. Hofkammer (dem Vorläufer des Finanzministeriums); Theodor Storm war Amtsrichter in Husum und Franz Kafka Jurist in der Arbeiter-Unfall-Versicherung des Königreiches Böhmen in Prag. Freilich: Beruf und Berufung kamen bei diesen dichtenden Juristen nicht zur Deckung, wie Goethe in seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ bekannte: „Keine innere Richtung drängte mich zu diesen Gegenständen.“ Dafür – oder besser: deshalb – verdanken wir den juristisch gebildeten Dichtern eindrucksvolle Kritik an der Jurisprudenz. Franz Kafka hat aus seinem Roman „Der Process“ zu Lebzeiten nur ein Kapitel publiziert, die Parabel „Vor dem Gesetz“. Dieses dunkle Gleichnis fand viele Deutungen. Der Türhüter, der sich dem Suchenden vehement in den Weg stellt, könnte als unüberwindliche Sprachbarriere zwischen dem Mann vom Lande und dem Gesetz verstanden werden: Die Unverständlichkeit der Gesetzessprache verursacht Angst und Verunsicherung.

weiterlesen