Mon 08. October 2018

19:30 Großer Saal, Musikverein

St. Petersburger Philharmoniker

Yuri Temirkanov | Sibelius • Schostakowitsch

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Wednesday, October 10, 2018 | Der Standard / Ender, Daniel

Die St. Petersburger Philharmoniker im Musikverein

Yuri Temirkanow kam mit den St. Petersburger Philharmonikern für drei Konzerte in den Wiener Musikverein – gegeben wurde u.a. Schostakowitsch

Schnelllebig ist das Musikbusiness, Dirigenten jetten global hin und her zwischen diversen Chefposten: Probe, Aufführung und Abflug. Beim ältesten Orchester Russlands, gegründet 1882 vom Zaren Alexander III., ticken die Uhren noch ein wenig anders.

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Vom Geheimnis der Langlebigkeit

Yuri Chatujewitsch Temirkanov – seit 30 Jahren Chef der heutigen St. Petersburger Philharmoniker, Vladimir Iwanowitsch Fedosejev – seit gar 44 Jahren Chef des heutigen Tschaikowskij-Symphonieorchesters! Sind diese beiden wunderbaren alten Herren ein spezifisch russisches Phänomen? Ein soziokultureller Klärungsversuch. 

Die Liste ließe sich ja noch fortsetzen, blickt man in die jüngere Vergangenheit. Den bisherigen Langzeitrekord hielt nämlich Jewgenij Mrawinskij, der genau ein halbes Jahrhundert bis zu seinem Tod 1988 die Leningrader, heute St. Petersburger Philharmoniker leitete. Oder Jewgenij Swetlanow, Chef des Moskauer Gosorchesters, der es bis zu seiner Entlassung 1999 auf 35 Jahre brachte und sicher noch bis zu seinem Tod geblieben wäre, hätte ihn der damalige Kulturminister nicht gefeuert, was im Publikum auf Protest stieß. Und last but not least Valery Gergiev, der auch schon seit 30 Jahren im St. Petersburger Mariinsky Theater regiert, beileibe noch kein alter Herr. Es ist ja nicht so, dass es im 20./21. Jahrhundert nicht auch anderswo sehr lange auf ihren Posten verbleibende Orchesterchefs gab und gibt, in den USA, in Israel beispielsweise. Doch sind die Gründe für derartige „Langlebigkeit“ in Russland anders gelagert als im Westen. Um dies zu verstehen, muss man sich zurück ins 19. Jahrhundert begeben. 

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