Die Engel des Musikvereins

Hoch oben am Rande des Daches schweben sie, die kleinen, putzigen Engel des Musikvereins. Putti, Amoretten oder auch Cupidines nennt man die himmlischen Figuren aus Sandstein. Ihr Wesen ist die Sinnlichkeit, ihre Botschaft die Lust, die sich in Musik verströmt. Strahlen können die kleinen Engelchen wieder, nachdem sie vor einigen Jahren aufwendig restauriert wurden.

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Musen

Die Decke des Großen Musikvereinssaals – nicht nur Akustiker aus der ganzen Welt fasziniert ihre Konstruktion, sondern auch Kunsthistoriker kommen bei ihrem Anblick ins Schwärmen. Theophil Hansen hat den Musikverein als Gesamtkunstwerk geplant und nicht an ornamentalem Detailreichtum gespart. Über den Wiener Maler Carl Rahl lernte Hansen August Eisenmenger kennen und beauftragte ihn mit der Gestaltung der Deckengemälde des großen Musikvereinssaales. Apollo und die neun Musen der Künste – diese Figuren aus der Mythologie sollten die Decke des Saales zieren. Apollo, der Gott, der alles Edle und Lichte verkörpert, der Gott der Künste und der Musik wurde von Hansen in die Mitte des Saales gesetzt – als Zentrum der Harmonie, umspielt von schwebenden, farbenprächtigen Musen.

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Th. Hansen

Im Dezember 1857 freute man sich im Musikverein über ein "großartiges, echt kaiserliches Weihnachtsgeschenk". Kaiser Franz Joseph I. hatte die Schleifung der alten Stadtmauern bewilligt und damit die Möglichkeit einer großangelegten Stadterweiterung geschaffen. Die Wiener Ringstraßenzeit begann. Neue Gebäude - darunter ein Opernhaus, Galerien und Museen - sollten nach kaiserlichem Ratschluss an der Ringstraße entstehen. Die Musikfreunde hatten die Chance, sich mit einem repräsentativen Bau ins Ensemble der Ringstraßen-Architektur einzufügen. Sie planten entsprechend großzügig. Prominente Architekten, unter ihnen Theophil Hansen, August Siccard von Siccardsburg und Eduard van der Nüll, wurden eingeladen, entsprechende Entwürfe auszuarbeiten. Siccardsburg und van der Nüll, die Schöpfer der Hofoper, winkten ab. Hansen blieb übrig - und erwies sich als allererste Wahl. Theophil Hansen (1813-1891) machte sich mit Eifer ans Werk. Die Konkurrenz zur Hofoper beflügelte seine Phantasie und bestärkte ihn auf seinem Weg zu einem neuen Stil, hin zum "strengen Historismus". Anders als die Architekten des frühen, romantischen Historismus - unter ihnen Siccardsburg und van der Nüll - setzte er sich mit der Baukunst der Hochrenaissance auseinander. Und konsequent ging er weiter, ließ sich von der "Neorenaissance" zurück zur klassischen Antike führen. Hier war Hansen buchstäblich zu Hause. Denn bevor der gebürtige Däne 1846 nach Wien gekommen war, hatte er acht Jahre lang in Athen studiert und auch als Architekt gewirkt. Dieser Aufenthalt prägte: Vom klassischen Griechenland inspiriert, wurde Hansen zum Verfechter einer - wie er selbst gern sagte - "griechischen Renaissance". Im Musikvereinsgebäude ist Hansens Philhellinismus auf Schritt und Tritt zu sehen: Die Karyatiden im Großen Musikvereinssaal, die ionischen Säulen und das Tempeldach im Brahms-Saal, Apollo und die Musen als Blickfang am Plafond des Großen Musikvereinssaales und Orpheus auf dem Giebelfeld der Frontfassade - das alles sind griechische Reminiszenzen wie die Farbgebung des Hauses, ein vollendetes Beispiel antikisierender Polychromie. Heute tragen zahlreiche Gebäude entlang der Wiener Ringstraße Theophil Hansens Handschrift, das berühmteste unter ihnen wahrscheinlich das Österreichische Parlament. Hansen war nicht nur einer der wichtigsten Vertreter historistischer Architektur in Wien, sondern auch einer der konsequentesten des Gesamtkunstwerks: unter Aufbietung aller ornamentalen, farblichen und figuralen Möglichkeiten strebte er nach einer künstlerischen Einheit von Innen- und Außengestaltung. Im Falle des Musikvereins ist ihm das vortrefflich gelungen.

Giebelfries

Der Giebelfries an der Hauptfassade zeigt Orpheus, den Sohn der Muse Kalliope und des thrakischen Königs und Flussgottes Oiagros auf dem Gipfel seiner Kunst und damit die Macht der Musik in ihrem äußersten, höchsten Vermögen. Apoll, der als Beschützer der Künste verehrt wird, machte ihm eine Lyra zum Geschenk und mit ihrer Hilfe und seiner Stimme verstand er es Menschen, Tiere, Pflanzen und Steine zu betören.  Die Sage lehrt uns, dass selbst die Götter mit Musik bezwungen werden können – und der Tod besiegt.

Mythos Musikverein

Dachkonstruktion

In Rekordzeit erbaut, schuf Theophil Hansen mit dem Musikverein einen Konzertsaal von phänomenaler Akustik. Als hölzerne Schuhschachtel funktioniert der Große Saal wie ein überdimensionales Instrument. Die Decke liegt wie eine Membran über dem Saal, aufgehängt an einem Eisendachstuhl und schafft so einen großen, wichtigen Resonanzraum. Wie der Raum unterhalb des Saales, macht dieser den Klang komplexer und dadurch auch schöner.

Die Königin der Instrumente

Der saalbestimmende berühmte Orgelprospekt im Großen Musikvereinssaal birgt seit 2011 eine der besten Konzertorgeln der Welt. Das Instrument ist das bereits vierte seit der Eröffnung des Musikvereinsgebäudes im Jahr 1870 und verknüpft mit einer bewegten Orgelgeschichte in diesem Haus.

Die Königin der Instrumente

Großer Saal

Er gilt als das Kronjuwel unter den Konzertsälen dieser Welt: der Große Musikvereinssaal in Wien. Ein Raum, in dem Architektur zu Musik wird und Musik zu Architektur: „Wäre es möglich, die große Jupiter-Symphonie von Mozart sich in festen, sichtbaren Formen konstruiert zu denken, so würde dieser neue Saal des Musikvereins-Gebäudes ein entsprechendes Bild liefern.“ Das war eines der Urteile, mit denen Musikfreunde auf die Eröffnung des Großen Musikvereinssaals reagierten.

Der Große Musikvereinssaal

Sessellager

Viele schwärmen von ihr, manche loben sie in höchsten Tönen – die exzellente Akustik des Großen Musikvereinssaals ist ein Zusammenspiel vieler, verschiedener Faktoren. Theophil Hansen war ein renommierter Architekt, doch kein Akustikspezialist in unserem heutigen Sinn. Überhaupt sah raumakustische Planung im 19. Jahrhundert entschieden anders aus als in der Gegenwart. Hansen plante und beschrieb den Klang viel mehr mit Worten, stützte sich auf Erfahrungswerte und setzte Traditionen fort. Zahlen, Formeln, Modelle – all das sind Mittel, die erst später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Konzertsaalbau bestimmten.
Ein kleines Geheimnis, ein großes Wunder ist sie daher bis heute geblieben – die Akustik des Goldenen Saales. Ein Raum, der nachweislich sehr viel zu diesem Phänomen beiträgt, ist der Raum unter dem Großen Saal. Ursprünglich von Hansen als Lagerraum für die Stühle gedacht, verwandelt er sich im leeren Zustand zu einem Resonanzkörper für den darüber liegenden Saal. Wie der Korpus eines Streichinstruments so macht dieser Raum den Klang im Saal komplexer und rundet ihn im schönsten Maße ab. Ein Raum so profan wie sein Zweck, wird somit zum heimlichen Star.
Einmal im Jahr, beim Ball der Wiener Philharmoniker, erhaschen wir einen Einblick in diesen so wichtigen Raum. Sobald die letzten Töne der Eröffnung verklingen und die Tanzfläche freigemacht wird für das Jung-Damen/Jung-Herren-Komitee, wird der Deckel im Parterre geöffnet und die Stühle des Orchesters verstaut. Dann heißt es „Alles Walzer“ und er tut wieder seinen üblichen Dienst: der Raum unter dem Goldenen Saal.

Haupteingang

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Brahms-Saal

Lange Zeit hieß er nur der „Kleine Musikvereinssaal“, bis er 1937, zur 125-Jahr-Feier der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, den Namen erhielt, der seiner Bedeutung ganz entspricht: Brahms-Saal. Johannes Brahms trat nicht nur persönlich in diesem Raum auf, er stand auch hinter dem ersten Konzert, das hier stattfand. Clara Schumann gab es am 19. Jänner 1870. Die Maßstäbe, die damit gesetzt wurden, gelten bis heute. Der Brahms-Saal ist einer der stärksten Anziehungspunkte für die weltbesten Kammermusikensembles und Liedsänger geblieben.

Brahms-Saal

Künstlereingang

Auf der linken Seite des Musikvereinsgebäudes befindet sich der Künstlereingang. Über diesen Eingang betreten Musiker wie Mitarbeiter tagsüber das Gebäude. Hier finden Sie auch den Portier.

Loggia Statuen

Bei den drei Statuen vor der Loggia, an der Vorderseite des Musikvereins handelt es sich um:
·         Die komponierende Musik
·         Die ausübende Musik
·         Die Dichtkunst
Diese drei personifizierten Ideen umspannen programmatisch das Geschehen im Inneren des Musikvereins. Im Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde gab es sogar eine Abteilung für die Ausbildung von Schauspielern. Zudem fanden früher wie auch heute immer wieder literarische Veranstaltungen und Lesungen statt. Das Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien hieß seit 1876 wegen des dort erteilten Schauspielunterrichts ganz offiziell: „Conservatorium für Musik und darstellende Kunst der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien“. Dementsprechend heißt die Nachfolgerin des Konservatoriums heute: Universität für Musik und darstellende Kunst.

Austellungssaal

Hier finden jeweils im Frühjahr und im Herbst Ausstellungen ausschließlich aus den Beständen von Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde statt. Sie stehen jeweils unter einem bestimmten musikalischen oder kulturgeschichtlichen Thema und behandeln den Zeitraum vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Für die Ausstellungen stehen Wandvitrinen, Tischvitrinen und Hängeflächen an der Wand und an praktikablen Stellwänden zur Verfügung. Informationen zu aktuellen Ausstellungen finden Sie hier

Archiv·Bibliothek·Sammlungen

Schulgang

Dieser Gang liegt zwischen dem Großen Musikvereinssaal und dem Gottfried-von-Einem-Saal. Die Bezeichnung “Schulgang” erinnert an das Musikkonservatorium dessen Führung die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien während beinahe 100 Jahren als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansah. 1909 in staatliche Verwaltung übergegangen, übersiedelte es 1913 in das neue Haus in der Lothringerstraße, wo es als Universität für Musik und darstellende Kunst fortlebt.

Gottfried von Einem-Saal

1996 wurde der ehemalige Kammersaal des Musikvereinsgebäudes nach umfassender Renovierung als Gottfried-von-Einem-Saal neu eröffnet. Die Gesellschaft der Musikfreunde ehrte damit einen Komponisten, der dem Musikverein besonders eng verbunden war. Gottfried von Einem (1918–1996) brachte im Musikverein zahlreiche Werke zur Uraufführung und vermachte seinen umfangreichen Nachlass an Noten, Büchern und Briefen dem Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde.

Gottfried-von-Einem-Saal