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Vergessene Kostbarkeiten

Aus dem Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien an die Öffentlichkeit gebracht

Interpreten aus aller Welt suchen und finden in unserem Archiv musikalische Kostbarkeiten für ihr Repertoire: Werke, die aus dem Repertoire verschwunden und vergessen, aber es wert sind, wieder an die Öffentlichkeit gebracht zu werden. Durchschnittlich achtzehn Mal pro Saison erklingen solche vergessene Kostbarkeiten aus dem Archiv in unserem Haus. Sie werden aber auch in Konzertsälen oder Opernhäusern in aller Welt aufgeführt und auf Tonträger aufgenommen. Einige Beispiele dafür präsentieren wir Ihnen hier. 
Es sind vornehmlich  Werke von Komponisten, die keine Großmeister der Musikgeschichte sind, aber deshalb nicht völlig übersehen werden sollten. Auch sie waren zu ihrer Zeit berühmt wie beliebt und haben den Stil und das Repertoire ihrer Epoche mitgeprägt. Wir stellen zu den Werken kurze biographische Informationen und ausgewähltes Bildmaterial aus Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.

Alle Nutzungsrechte an den Aufnahmen wie dem Bildmaterial liegen bei den Rechtseigentümern. 

 

Leopoldine Blahetka (1809-1856)

Variationen für Klavier und Violoncello, op. 11

Patrick Cohen, Klavier (Ignaz Bösendorfer, Wien 1834)
Christophe Coin, Violoncello (Gabriel Lemböck, Wien nach 1841)

Brahms-Saal des Musikvereinsgebäudes Wien, 9. Mai 2019
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Leopoldine Blahetka war ein pianistisches Wunderkind, das von Beethoven wohlwollend und mit Ratschlägen begleitet wurde; Franz Schubert hätte fast für sie ein Klavierkonzert geschrieben. Als Erwachsene hat sie ihre Karriere festigen und fortsetzen können. Leopoldine Blahetka hat auch einen gediegenen Kompositionsunterricht erhalten (u.a. bei Simon Sechter) und war eine europaweit anerkannte Komponistin.  Ab 1825 war sie als reisende Virtuosin viel in Europa unterwegs; acht Jahre später ließ sie sich im französischen Seebad Boulogne-sur-Mer nieder, von wo sie erst noch ihre pianistische Reisetätigkeit fortsetzte. Bald aber zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück, komponierte nicht mehr und war als Pianistin nur noch im musikalischen Milieu des Kurorts präsent. Diese Variationen sind 1825 in Wien im Druck erschienen. Das in unserem Archiv überlieferte Exemplar dieser Erstausgabe wurde für die Aufführung verwendet, deren Mitschnitt hier zu hören ist, ebenso Musikinstrumente aus den Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Das Thema dieser Variationen erinnert ein wenig an Taminos „Zu Hilfe, zu Hilfe, sonst bin ich verloren“ aus Mozarts „Zauberflöte“, ist aber mit seinem rhapsodischen Duktus ein fesselnder durch und durch eigener Einfall. 

Die Wiener Geigenschule 1:
Joseph Mayseder (1789-1863)

Concertino Nr. 2 für Violine und Orchester, E-Dur, op. 53

Raimund Lissy, Violine
Joseph Mayseder Orchester

Helmut Zehetner, Leitung

Joseph Mayseder (1789-1863) war einer der Ahnherrn der Wiener Geigerschule und der berühmteste österreichische Violinvirtuose seiner Generation, verglichen mit Paganini. Beim Gründungskonzert der Wiener Philharmoniker im Jahr 1842 war er der Solist. Als Komponist hat Mayseder bedeutende Werke geschrieben, die in ganz Europa publiziert und gespielt wurden.

Die 1837 in Wien erschienene Erstausgabe dieses Concertino op. 53 ist im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überliefert. Sie diente als Grundlage für diese CD-Einspielung, erschienen – zusammen mit anderen Werken Mayseders – auf Gramola 99181.

Wenzel Pichl (1741-1805)

Divertimento für zwei Violinen und Bass, C-Dur
Andante
Allegro
Menuetto-Trio

Gunda Hagmüller und Scabolcs Illés, Violinen
Florian Wieniger, Violone
Gespielt auf historischen Streichinstrumenten aus den Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Brahms-Saal des Musikvereinsgebäudes Wien, 25. April 2018
Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Wenzel Pichl stammte aus Böhmen, wurde dort musikalisch ausgebildet, war dann Kapellmeister am Bischofshof zu Großwardein in Siebenbürgen (Oradea, Rumänien) und 1769 für kurze Zeit Kapellmeistere bei Johann Nepomuk  Graf Hartig in Prag. 1770 wurde er Primgeiger am Wiener Hofburg-Theater und Mitte der 1770er Jahre Musikdirektor Erzherzog Ferdinands in Mailand, eines Sohnes von Maria Theresia, der nach ihrem Tod dort Statthalter der Lombardei wurde. Als er 1796 nach Wien zurückkehrte, kam Pichl mit ihm. Pichl war ein hervorragender Geiger und als Komponist vor allem mit seinen Kammermusik- und Orchesterwerken hoch geschätzt, doch haben auch seine Opern und Kirchenmusik berechtigten Erfolg gehabt. Dieses Divertimento ist in einem Stimmenmanuskript aus dem auslaufenden 18. Jahrhunderts in unserem Archiv überliefert. Es stammt aus dem Besitz von Joseph Lidl, einem damals in Ischl lebenden Verwandten der Familie Mozart.

Benedict Randhartinger (1802-1893)

Grand Trio für Klavier, Violine und Violoncello, op. 10
Adagio-Allegretto
Menuetto. Vivace-Più lento
Adagio
Allegro

Fritz-Kreisler-Trio:
Stefan Gurtner, Klavier
Josef Herzer, Violine
Lisa Kilian, Violoncello

weinberg records LC 14529

Benedict Randhartinger war Jugendfreund Franz Schuberts, Schüler Antonio Salieris und bereits anerkannter Komponist, als er 1832 Mitglied der K.K. Hofmusikkapelle wurde. 1844 wurde er zum Vizehofkapellmeister und 1862 zum Hofkapellmeister bestellt. Sein umfangreiches kompositorisches Schaffen galt allen musikalischen Gattungen. In seiner Jugend hat Randhartinger seinen sicheren Lebensunterhalt als Sekretär des Grafen István Széchenyi verdient, dem er 1826 dieses Klaviertrio gewidmet hat. Ein Exemplar der Erstausgabe ist im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überliefert; es war ursprünglich im Besitz von Erzherzog Rudolph von Österreich, dem Freund und Förderer Ludwig van Beethovens.

Antonio Salieri (1750-1825)

Magnificat, C-Dur, für Sopran- und Altsolo, Chor, Orchester und Orgel

Wiener Hofmusikkapelle (Mitglieder der Wiener Philharmoniker, des Herrenchors der Wiener Staatsoper und Wiener Sängerknaben)
Riccardo Muti, Dirigent

HMK 500-2
Mitschnitt eines Konzerts am 8. November 1998 im Großen Musikvereinssaal in Wien

Antonio Salieri, als Sechzehnjähriger aus seiner italienischen Heimat nach Wien gekommen und hier bis zum Hofkapellmeister aufgestiegen, war 1812 Gründungsmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde und hat in den ersten Jahren sehr aktiv an ihrem Aufbau mitgearbeitet. Das in unserem Archiv überlieferte Partitur-Manuskript dieses Magnificat stammt aus der Musikaliensammlung von Erzherzog Rudolph von Österreich (1788-1831); er war der Bruder von Kaiser Franz II. (I.) und erster Kaiserliche Protektor der Gesellschaft der Musikfreunde. Aus dem einen wie dem anderen Grund stand er Salieri sehr nahe.

Salve Regina, B-Dur, für Chor, Orchester und Orgel

Wiener Hofmusikkapelle (Mitglieder der Wiener Philharmoniker, des Herrenchors der Wiener Staatsoper und Wiener Sängerknaben)
Riccardo Muti, Dirigent

HMK-500-2
Mitschnitt eines Konzerts am 8. November 1998 im Großen Musikvereinssaal in Wien

Antonio Salieri, der 1766 aus seiner italienischen Heimat nach Wien gekommen war, hier Karriere machte und 1788 zum Hofkapellmeister ernannt wurde, hat viele Schüler gehabt, an der Spitze Mozarts Sohn Franz Xaver, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert, der unter ihm 1808 bis 1812 als Sängerknabe Mitglied der Hofmusikkapelle war. Im Einfall wie Duktus von Schuberts Salve Regina D 811 erkennt man Parallelen zu der hier präsentierten Vertonung desselben Textes durch Antonio Salieri, die nicht wie Zufall, sondern wie eine leise Reminiszenz wirken. Als Grundlage für die Aufführung und Aufnahme dieses Salve Regina in B-Dur von Antonio Salieri diente ein Partitur-Manuskript im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, das mit der Musikaliensammlung von Erzherzog Rudolph von Österreich (1788-1831) hierher gelangt ist. Der Erzherzog war der Bruder von Kaiser Franz II. (I.) und erster Kaiserliche Protektor der Gesellschaft der Musikfreunde. Antonio Salieri war deren Gründungsmitglied; er hat sehr aktiv am Aufbau der Gesellschaft mitgearbeitet.

Johann Georg Reutter (1708-1772)

Konzert für Orgel und Streicher, F-Dur
Allegro
Andante
Allegro

Anton Holzapfel, Orgel (Stadtpfarrkirche Hainburg, Johann Pirchner / Steinach am Brenner, 1982)
dolce risonanza
Florian Wieninger, Leitung

Gramola 98898

Johann Georg Reutter entstammte einer Musikerfamilie, wurde am Wiener Kaiserhof ausgebildet und nach einer Studienreise durch Italien 1731 als Hofkomponist angestellt. Im Maria-Theresianischen Wien war er als Hof- und Domkapellmeister die zentrale Persönlichkeit der Musikszene. Auf Talentsuche für geeignete Domsängerknaben hat er in Hainburg Joseph Haydn entdeckt, der unter ihm Sängerknabe und wichtige musikalische Erfahrungen sammelte. Reutter hat Opern, Kirchen- und Instrumentalmusik komponiert. Insbesondere seine Kirchenwerke waren sehr beliebt und weit verbreitet. Zu diesen zählt auch dieses Orgelkonzert, das bei feierlichen Gottesdiensten anstelle des Offertorium-Gesanges gespielt wurde. Es ist in unserem Archiv in einem bald nach Reutters Tod geschriebenen Stimmenmanuskript überliefert.

Franz Xaver Süßmayr (1766-1803)

Symphonie C-Dur, SmWV 404
Allegro
Andante
Menuetto.Allegretto – Trio
Finale

Concilium musicum Wien Auf Originalinstrumenten
Christoph Angerer, Konzertmeister
Paul Angerer, Leitung

Cavalli-Records CCD 422

Süßmayr war Schüler Antonio Salieris, der Überlieferung nach auch Mozarts, genoß Mozarts künstlerisches Vertrauen und ging als Vollender von dessen Requiem in die Musikgeschichte ein. Er war Dirigent am Hofburg-Theater und an der Hofoper am Kärtnertortheater. Als Komponist hat er alle musikalischen Gattungen bedacht. Die autographe Partitur dieser Symphonie ist in unserem Archiv überliefert; sie ist nicht datiert.

Josef Ferdinand Timer (1708-1771)

Sonate für Violine und Cembalo Nr. 3, Es-Dur
Adagio
Allegro ma non troppo
Adagio
Allegro

Maria Bader-Kubizek, Violine
Florian Birsak, Cembalo

Mitschnitt eines Konzerts im Zyklus „Nun klingen sie wieder“ (2017) von radio klassik Stephansdom.

Josef Ferdinand Timer entstammte einer Wiener Musikerfamilie, von denen etliche Mitglieder am Wiener Kaiserhof oder in dessen Umfeld tätig waren. Er war Mitglied des privaten Musikensembles von Franz Stephan von Lothringen, dem Gatten Maria Theresias, der ein guter Geiger war. Kurz nachdem Franz Stephan 1745 zum Kaiser gekrönt worden war, ließ Timer in einem venezianischen Verlag eine Sammlung von zwölf Sonaten für Violine und Generalbaß erscheinen, die er dem nunmehrigen Kaiser Franz I. und der Kaiserin und Königin Maria Theresia widmete. Die dritte dieser Sonaten wird in dieser Aufnahme aus dem Exemplar des venezianischen Erstdrucks musiziert, das im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überliefert ist. Das Widmungsblatt und die erste Notenseite sind hier zu sehen.

Philipp Franz von Siebold (1796-1866)

Japanische Melodien
1. Allegro vivace
2. „Anoko mi ta sani“, Poco lento
3. Andante commodo
4. Vivace con fuoco
5. Allegro
6. Lento quasi Adagio lamentoso
7. Andante con moto

Reinhard Führer, Konzertflügel (Ludwig Bösendorfer, Wien 1874)
Konzert im Brahms-Saal des Musikvereinsgebäudes, Wien, 26. März 2019 Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Philipp Franz von Siebold war Arzt und als solcher 1823 bis 1829 und 1859 bis 1862 in der europäischen Kaufmannssiedlung auf der vor Nagasaki gelegenen Halbinsel Dejima tätig, damals der einzigen europäischen Enklave in Japan. Er war nicht nur Arzt und Naturwissenschaftler, sondern auch sehr musikinteressiert. Nach Japan hat er sich ein Tafelklavier mitgenommen. Seine Aufzeichnungen und (europäischen Ohren entgegenkommenden) Klavierarrangements japanischer Melodien sind aus seinem Nachlaß 1874 in Wien in einem lithographierten Privatdruck erschienen. Im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien befindet sich ein Exemplar dieser Ausgabe aus dem Besitz von Johannes Brahms. Sie wurde als Grundlage für die Aufführung verwendet, deren Mitschnitt hier zu hören ist.

Eusebius Mandyczewski (1857-1929)

„Dem aufgehenden Vollmonde“ (Johann Wolfgang von Goethe), Lied für Mezzosopran, Violine und Klavier, op. 3/1

Jeanette Roeck, Gesang
Maria Bader Kubizek, Violine
Reinhard Führer, Klavier
Brahms-Saal des Musikvereinsgebäudes Wien, 26. März 2019. Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Eusebius Mandyczewski war Musikwissenschaftler, Komponist und Dirigent. Über Empfehlung von Johannes Brahms wurde ihm von der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien 1887 die Leitung des Archivs anvertraut, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1929 innehatte. In der Reihe der Archivdirektoren war und ist er der berühmteste; sein Name wird heute noch von Wissenschaftlern mit Hochachtung genannt. Als Komponist ist Mandyczewski heute in der Musikszene weniger bekannt: Zu Unrecht, wie dieses Lied beweisen kann.

Rudolf Dittrich (1861-1919)

Nippon Gakufu, Zweite Folge

Zehn japanische Lieder, gesammelt und für das Klavier bearbeitet
1. Koi to yu tat o te (Wenn du mich auch zu dir rufen würdest), Volkslied mit Shamisen-Begleitung
2. Dokkoisho (Unübersetzbare heitere Interjektion,) Strophenlied für Solo und Chor, von Arbeitern, Studenten und Kriegern gesungen, eventuell mit Shamisen-Begleitung
3. Sessesse (Unübersetzbare heitere Interjektion), Volkslied mit oder ohne Shamisen-Begleitung
4. Yama-Dera (Die Berg-Kapelle), Volkslied mit Shamisen-Begleitung
5. Hime-Matsu (Junge Föhre), Populäres Strophenlied mit Koto-Begleitung
6. Chacha-Ratsu-Bayashi (Chacha-Ratsu: onomatopoetischer Ausdruck), Instrumentalstück für Flöte oder eventuell Shamisen und kleine Schlaginstrumente
7. Hana-Kurabe (Blüten-Vereinigung), Lied mit Koto-Begleitung
8. Ha-Uta (Album-Blatt), Lied mit Shamisen-Begleitung
9. Jizuki-Uta (Erdarbeiter-Lied), ohne Begleitung
10. O Yedo Nihon-Bashi (Die Nihon-Bashi-Brücke in Jedo, heute: Tokyo), Volkslied mit Shamisen-Begleitung

Rakubai

Fallende Pflaumenblüten. Japanisches Lied mit Koto für Klavier bearbeitet

Yoi!

Marsch aus durchwegs original japanischen, persönlich gesammelten Motiven und Liedern zusammengestellt

Zvi Meniker, Konzertflügel (Ludwig Bösendorfer, Wien 1874, aus den Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien)
Brahms-Saal des Musikvereinsgebäudes Wien, 24. April 2019. Eine Aufnahme von radio klassik Stephansdom

Rudolf Dittrich studierte Am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, u.a. bei Anton Bruckner. 1888 nahm er eine Berufung als Artistischer Direktor an die Musikabteilung der 1887 gegründeten Kaiserliche Kunsthochschule „Tōkyō Geijutsu Daigaku“, kurz „Tokyo Geidai“, an. Er blieb dort bis 1894. Nach seiner Rückkehr publizierte er japanische Volkslieder bzw. volkstümliche Melodien in Klavierarrangements. In Wien war Dittrich, der es hier in seiner musikalischen Laufbahn bis zum k.k. Hoforganisten gebracht hat, ein steter Vermittler zwischen der europäischen und japanischen Musikszene. Für die mitgeschnittenen Aufführungen in diesem Konzert wurden die im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überlieferte Erstdrucke von Dittrichs „Nippon Gakufu“, „Rakubai“ und „Yoi!“ verwendet.

Sigismund Neukomm (1778-1858)

Aus der: Missa pro defunctis
Requiem
Kyrie
Dies irae
Offertorium

Kusatsu Academy Chorus
Fumiaki Kuriyama, Chorus Conductor
Festival Ensemble
Claudio Brizi, Orgel
Edith Mathis, Sopran
Jörg Ewald Dähler, Dirigent

Camerata 25CM-555

Sigismund Neukomm (1778-1858) wurde in Salzburg geboren, wirkte in verschiedenen musikalischen Funktionen in St. Petersburg, Rio de Janeiro sowie vor allem in Paris und war viel auf Kunstreisen unterwegs. Seine Lehrer in Salzburg waren Michael Haydn und der Domorganist Franz Xaver Weissauer sowie in Wien Joseph Haydn. Diesen dreien hat er das Requiem gewidmet, das während des Wiener Kongresses, am 21. Jänner 1815, im Wiener Stephansdom bei einem Gottesdienst zum Gedächtnis an König Ludwig XVI. von Frankreich uraufgeführt wurde. Geschrieben ist es für Sopran-Solo, zwei vierstimmige Chöre, ein Blechbläserensemble, Kontrabässe und Orgel. Bei der Uraufführung waren die Chöre (zu einem Gutteil von der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien beigestellt) weit getrennt voneinander aufgestellt; einen Chor hat der Komponist und den an deren Chor Antonio Salieri dirigiert. Die im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überlieferte Erstausgabe war Grundlage für eine Aufführung beim Kusatsu Music Festival in Japan, nach der bei Camerata eine CD erschienen ist.

Johann Herbeck (1831-1877)

Symphonische Variationen F-Dur
Thema. Andante
Serena. Andante mosso
Allegro moderato
Canzonette. Andante sostenuto – poco Adagio
Finale. Allegro tenuto moderato

Hamburger Symphoniker
Martin Haselböck, Dirigent

Johann Herbeck war Sängerknabe im Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich, begann seine musikalische Karriere als Chorregent in der Wiener Piaristenkirche Maria Treu, wurde Konzertdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und bald Hofkapellmeister. Neben diesen seinen Haupt-Tätigkeiten war er auch etliche Jahre Chormeister des Wiener Männergesangvereins und Direktor der Hofoper. Seine Symphonischen Variationen in F-Dur lassen erkennen, dass damals nicht nur für Johannes Brahms die Variationenform die fesselndste kompositorische Herausforderung war. Sie hören hier Ausschnitte dieses Werkes aus einer CD-Einspielung (NCA 60150), für die das Stimmenmaterial verwendet wurde, das im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überliefert ist.

Symphonie Nr. 4, d-Moll
4. Satz: Finale. Allegro maestoso – Molto moderato

Hamburger Symphoniker
Martin Haselböck, Dirigent
Irénée Peyrot, Orgel

Die Symphonie besitzt zur üblichen Orchesterbesetzung dieser Zeit einen obligaten Orgelpart, ist aber ganz und gar kein Orgelkonzert und auch nicht eine Orgel-Symphonie im engeren Sinne des Wortes. Johann Herbeck – Hofkapellmeister und Konzertdirektor der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien – wurde zu dieser Symphonie durch die im November 1872 fertiggestellte Orgel von Friedrich Ladegast im Großen Musikvereinssaal in Wien inspiriert: Er wollte zeigen, daß die Orgel auch in einem Orchester zur Überhöhung des orchestralen Klangbildes eingesetzt werden kann. Das Autograph ist im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überliefert. Es diente als Grundlage für die CD-Einspielung dieses Werkes (NCA 60150), aus der hier der Finalsatz zu hören ist.

Wiener Geigenschule 2:
Georg Hellmesberger (1800-1873)

Duo Nr. 3 für zwei Violinen
Daraus: Polonaise

Adela Frasineanu, Violine
Raimund Lissy, Violine

erscheint im Oktober bei Gramola, BestNr. 99230

Georg Hellmesberger d.Ä. war der Ahnherr einer durch das ganze 19. Jahrhundert wichtigen Wiener Musikerfamilie, Absolvent des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (bei Joseph Böhm) und schließlich selbst dort Professor für Violine; als solcher hat er eine Reihe bedeutender Schüler gehabt, die eine große internationale Karriere gemacht haben. Wirklich wichtig sind Georg Hellmesbergers Kompositionen für Violine. Er war auch Mitglied der Hofmusikkapelle, Konzertmeister des Hofopernorchesters und (seit dem Gründungskonzert im Jahr 842) der Wiener Philharmoniker. Dieses Duo ist in der Erstausgabe im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien überliefert; nach ihr haben Raimund Lissy und Adela Frasineanu eine CD-Aufnahme eingespielt (Gramola 99230), aus der diese Polonaise als Ausschnitt hier zu hören ist.