Die Vier Neuen Säle

Es war das größte Bauprojekt, das die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien seit der Errichtung des Musikvereinsgebäudes in Angriff nahm und eine planerische Herausforderung der besonderen Art. 2004 wurde es abgeschlossen. Mit den Vier Neuen Sälen erschloss sich der Musikverein neue Dimensionen.

Die Notwendigkeit eines Erweiterungsbaus war schon länger spürbar. Allein seit dem Amtsantritt von Intendant Dr. Thomas Angyan 1988 hatte sich die Zahl der Konzertzyklen der Gesellschaft der Musikfreunde verdoppelt. Der florierende Betrieb brachte das Musikvereinsgebäude an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Besonders spürbar wurde die Raumknappheit bei der Probendisposition. Ende der 1990er Jahre mussten pro Saison nicht weniger als 120 Proben für Musikvereinskonzerte außerhalb des Hauses stattfinden. 

So war zunächst an die Errichtung eines großen Probensaals gedacht. Im Jahr 2000 wurde der Beschluss dazu gefasst, wobei die Gesellschaft der Musikfreunde den Synergieeffekt nutzen konnte, der sich aus einem Bauvorhaben der Wiener Linien ergab: Die U-Bahn-Station Karlsplatz – in unmittelbarer Nähe des Musikvereinsgebäudes – sollte eine neue Wendeanlage erhalten. Dafür waren umfassende Baumaßnahmen notwendig, an die sich die Gesellschaft der Musikfreunde mit ihrem Bauprojekt anschloss. 

Bald konnte die Gesellschaft noch großzügiger planen als gedacht. Das Engagement der Vereinsmitglieder und die Beteiligung von Sponsoren, die bedeutende Summen zusagten, machten es möglich, nicht nur an einen Probensaal zu denken, sondern an einen Erweiterungsbau mit mehreren Sälen. Damit konnte sich die Gesellschaft der Musikfreunde einen weiteren dringenden Wunsch erfüllen: das Programmangebot auszuweiten und Spielraum für die Verwirklichung neuer Ideen zu schaffen. 

Realisiert wurde das Bauprojekt zwischen April 2001 und September 2003. Dabei wurden nicht weniger als 28.000 Kubikmeter bei Aushub und Abbruch bewegt und 8.950 Kubikmeter Beton verbaut. Der Erweiterungsbau ist ca. 61 Meter lang und bis 21 Meter breit, die Fußbodenoberkante liegt 12 Meter unter dem Straßenniveau.

Wilhelm Holzbauer, einer der international renommiertesten Architekten, fand mit seinem Partner Dieter Irresberger eine faszinierende Lösung für die große ästhetische Herausforderung. Es galt, den Vier Neuen Sälen ein klares eigenes Erscheinungsbild zu geben und sie doch mit dem historischen Musikvereinsgebäude zu verbinden. Holzbauer und Irresberger schufen dazu einen optischen Dialog: Im größten der Vier Neuen Säle wird das Motiv „Gold“ vom Großen Musikvereinssaal übernommen, aber mit dem Element „Glas“ ins Moderne übersetzt. So entstand der Gläserne Saal / Magna Auditorium als neuer Blickfang des Hauses. Klar profilierte Grundelemente – Metall, Stein und Holz – geben auch den anderen Räumen des Erweiterungsbaus ihr charakteristisches Gepräge: dem Metallenen, dem Steinernen und dem Hölzernen Saal / Horst Haschek Auditorium.