
Christopher Hinterhuber, junger heimischer Pianist mit Kärntner Wurzeln und beachtlichen internationalen Erfolgen, spielt am 27. November 2002 in der Reihe "Podium der Jungen".
Eine ruhige Gasse in einem von Wiens inneren Bezirken, Bäume, hin und wieder eine S-Bahn, die vorbeisurrt. Gegenüber der gesuchten Hausnummer die Gebäude der "neuen" Musikuniversität, hell, freundlich. Die Fassade aus der Jahrhundertwende, sorgfältig restauriert, im Stiegenhaus Schmiedeeisen, Reliefe an den Wänden, ein großer Spiegel.
"Kommen Sie doch herein!" Ein junger Mann, dunkel gelockte Haare, ein schmales, aber markantes Gesicht, öffnet die Wohnungstür. Christopher Hinterhuber gehört zur jungen, aufstrebenden Elite der heimischen Musikszene. Sein Instrument ist das Klavier.
Mit sieben Jahren hat er angefangen zu spielen, auf einem Pianino, das die Familie erwarb, weil es gerade zum Verkauf stand. "Meine Eltern waren musikbegeistert, ja, aber beruflich hatten sie mit Musik nichts zu tun. Ich war in dieser Hinsicht total unbelastet", erzählt Christopher Hinterhuber. Und, mit einem kleinen, ehrlichen Lächeln: "Wunderkind war ich keines". Mit 12 spielt der am Konservatorium Klagenfurt Unterrichtete sein erstes öffentliches Beethoven-Konzert mit Orchester, "mit 16 wurde die Sache mit dem Klavierspielen dann ernsthaft". Zu dieser Zeit sei auch erstmals der Wunsch aufgetaucht, Berufsmusiker zu werden.
Traumjob und Berufung
Was ihn, den gerade 29jährigen, heute am Beruf des Pianisten fasziniert? "Das ist ein Traumjob und eine Berufung gleichermaßen." Zum Beispiel die Vielseitigkeit des Instruments: Am Klavier könnten schließlich auch Symphonien gespielt werden. Und die Literatur sei so unermeßlich groß, "das kann man in einem Leben gar nicht alles spielen!" Der Kasten selbst, der nerve manchmal, gibt er offen zu. Trotzdem sei das Klavier ein "Instrument, mit dem ich ein ganzes Universum von musikalischen Ideen ausdrücken kann." Er sagt es bewegt, überzeugt, überzeugend, als ob sein ganzes Herz an diesem Satz hinge. Es hängt am Klavier, das wird in allem, was Christopher Hinterhuber über "sein Instrument" sagt, spürbar.
Wege, Routen, Ziele
Kaffee inzwischen, auf einem riesigen, ovalen Eßtisch. Auf der antiken Kommode gegenüber gerahmte Bilder, Fotos, eine junge Familie, ein Babygesichtchen mit schwarzem Haarschopf und asiatischer Augenpartie. "Das ist meine kleine Tochter, Laetitia, die sollte eigentlich bald nach Hause kommen." Seine Frau, erzählt der Pianist, sei auch Musikerin, Oboistin, "sie spielt die französische Oboe, das ist ja in Wien eher eine Seltenheit!" Auch beim Klavier, meint er, gäbe es eine tolle Wiener Musiktradition, "aber es kommt doch immer auf die Persönlichkeit des Musizierenden an". Sein eigener musikalischer Lebenslauf hat den Pianisten immer wieder auch ins Ausland geführt. Schon vor seinem Abschluß mit einstimmiger Auszeichnung an der Wiener Musikuniversität studierte Christopher Hinterhuber zwei Jahre in Italien, seither musizierte er in Japan, England, Deutschland, Spanien, Südafrika, Neuseeland ... "Karriere", meint er bestimmt, "ist ein Mittel, um ein Ziel zu erreichen." Konzertreisen sind dabei wichtig, um "Außenluft zu schnuppern, obwohl man gerade auf Reisen auch oft sehr einsam ist".
Er habe auf seinem musikalischen Weg oft Glück gehabt, gerade in den letzten Jahren sei sehr viel passiert, "der Beethoven-Wettbewerb", bei dem Hinterhuber im Juni 2001 den Zweiten Preis gewann, "war schon sehr wichtig für mich". Obwohl: "Man soll nicht zu schnell zufrieden sein." An Gipfeln könne man schließlich wachsen, und warum den Glockner besteigen, wenn es auch der Mount Everest sein könnte? "Ich habe eine Faible für lange, schwierige Werke", sagt der Pianist, zum Beispiel Beethovens "Hammerklaviersonate", die auch beim Konzert im Brahms-Saal im Rahmen der Reihe "Podium der Jungen" auf dem Programm steht. "Dafür muß man soviel parat haben: Technik, Wissen, den Überblick über das Werk ... und vielleicht sogar ein bißchen Lebenserfahrung."
Philharmonischer Traum
Ein Blick aus den hohen, alten Fenstern auf die Musikuniversität gleich gegenüber. "Da bin ich manchmal zum Üben hinüber gegangen, obwohl die Pianisten eigentlich woanders ihre Übungsräume haben", sagt Christopher Hinterhuber und läßt die Besucherin noch einen Blick in sein Musikzimmer werfen, das "Studio", mit Schreibtisch, viel Papier und einem Flügel. Im Wiener Musikverein zu musizieren, das sei sehr wohl etwas Besonderes, "weil das Zuhause ist." Träumen kann man ja auch von anderen Konzertsälen, wie der Carnegie Hall in New York, "dort wollte ich immer spielen, und jetzt kommt das schneller, als man denkt". Für Dezember ist eine Tournee im Zyklus "Rising Stars" mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja geplant - mit Auftritten in New York, Athen, Brüssel, Amsterdam, London und wieder im Musikverein. Davor ist der Pianist noch in Spanien, Kolumbien, Zürich, Washington, Vancouver und Deutschland zu hören. Wünsche? "Mit den Philharmonikern möchte ich irgendwann Brahms' Zweites Klavierkonzert spielen!"
Michaela Fleck
Michaela Fleck ist Kulturjournalistin bei den NÖ Nachrichten.
Dienstag, 19. November 2002
Christopher Hinterhuber
Programm