

236 Mal die Neunte. Das ist eine stolze Zahl, und ihr Wert ermisst sich erst recht, wenn man sie in Relation zu anderen Ziffern aus der Singvereins-Statistik setzt. Platz zwei im Ranking der meistgesungen Werke nimmt das Brahms-Requiem ein – seit es das erste Mal unter Johann Herbeck und dann unter Brahms persönlich gesungen wurde, stand es noch 123 Mal auf den Programmen des Singvereins. Auf den Plätzen drei und vier: Bruckners „Te Deum“ (vom Singverein uraufgeführt) und Verdis „Messa da Requiem“. Das Verdi-Requiem wird bei den Wiener Festwochen mit dann 104 Aufführungen exakt gleichauf mit dem Bruckner-Te-Deum liegen. Gerangel also auf den Plätzen, aber die Spitzenposition bleibt unbestritten. Beethoven gehört auf lange Sicht die Nummer 1.
Sänger vom Verein
Die Zahlen sprechen für sich. Aber sie sagen längst nicht alles. Was zählt, sind die Geschichten dahinter. Dass die Chorstatistik gut und gerne noch eine Produktion hinzuverbuchen könnte, ist so gesehen nicht bloß eine numerische Spitzfindigkeit, sondern der Link zu einer höchst bemerkenswerten Geschichte: 7. Mai 1824, Uraufführung der Neunten im Wiener Kärntnertortheater. Das Ensemble des „k. k. Hoftheaters nächst dem Kärtnerthore“, also der heutigen Staatsoper, war bei dieser Premiere gefordert – und wohl auch überfordert mit der kräftezehrend-grenzensprengenden Novität. So hatte der Musikverein „die Verstärkung des Chors und Orchesters aus Gefälligkeit übernommen“.
Auf den gedruckten Ankündigungsplakaten gab man dies öffentlich kund. Intern aber dokumentieren die niedergelegten Gesprächsfetzen aus Beethovens Konversationsheften, wie man im Haus des Komponisten um die Realisierung der Riesenpartitur rang. Die „Sänger vom Verein“ spielen darin eine Rolle. Den Singverein – als regelrecht gegründeten Zweigverein der Gesellschaft der Musikfreunde – gab es damals zwar noch nicht, aber im Verein, dem Musikverein, wurde selbstverständlich schon immer gesungen. Ergo: Die „Sänger vom Verein“ sind unbestritten die Vorfahren jener Sängerinnen und Sänger, die nun im Wiener Singverein mit Christian Thielemann die Götterfunken zum Stieben bringen.
Klicken Sie hier, um den ganzen Beitrag anzuzeigen
Joachim Reiber
Dr. Joachim Reiber ist Chefredakteur der Zeitschrift „Musikfreude“ und der Programmhefte der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 2007 erschien sein Buch „Wiener Singverein. Menschen Stimmen Götterfunken“.
Samstag, 24. April 2010
Wiener Philharmoniker
Konzertprogramm
Kartenbestellung
Sonntag, 25. April 2010
Wiener Philharmoniker
Konzertprogramm
Kartenbestellung