
Wo ist er wirklich zu Hause, dieser Johann Sebastian Bach. Die Biographie spricht eine klare Sprache. Leipzig, Eisenach, Köthen – die Lebensorte liegen im Norden, und so klingen sie auch, nehmen wir nur einmal das aspirierte „t“ nach Köthens langem „ööö“. Norddeutscher geht’s nicht.
Und ist es nicht bezeichnend, dass Bach wohl 300 Kilometer zu Fuß von Ohrdruf nach Lüneburg wanderte, aber niemals in Italien war? Nicht einmal nach Wien schaffte er es. Ein Meister des Nordens also. Mag es da nicht – fragt man Rubén Dubrovsky, den Leiter des nun jubilierenden Ensembles – ein gewagtes Unterfangen sein, einen Bach Consort in Wien zu gründen und ihn auch noch so zu nennen. Wien als Pflaster für Bach, Wien als Bach-Stadt?
Heimliche Liebe, leicht entflammbar
„Die Wiener“, räumt Rubén Dubrovsky ein, „bekennen sich in aller Regel nicht als Bach-Fans.“ Aber hinter scheinbarer Bekenntnislosigkeit und Konfessionsträgheit verbirgt sich eine Liebe, die nur geweckt werden muss. Rubén Dubrovsky kennt das Geheimnis, und die zehnjährige Erfolgsgeschichte des Bach Consort Wien bestätigt es.
Entflammbar sind die Wiener, wenn nicht der „verkopfte“, nicht der „unantastbare“ Bach zelebriert wird, sondern Bachs Musik mit rhythmischem Drive daherkommt, mit Transparenz und Eloquenz, mit Esprit und Grandezza. Kurzum: Dem Bach des Wiener Bach Consort ist bei aller (protestantischen) Geistigkeit auch eine gehörige Prise (katholische) Sinnlichkeit vergönnt, und er bewegt sich, tänzerisch elegant, etliche Breitengrade abwärts. Große Kunst mit Kurs auf Süden.
Klicken Sie hier, um den ganzen Beitrag anzuzeigen
Joachim Reiber
Dr. Joachim Reiber ist Chefredakteur des Magazins „Musikfreunde“ und Redakteur der Programmhefte der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
Donnerstag, 18. März 2010
Bach Consort Wien
Konzertprogramm