

Doch wozu die poetische Anstrengung? Es ist alles schon gesagt. „Bronfman sah weniger wie derjenige aus, der das Klavier spielen sollte, als einer, der es gewöhnlich transportiert“, schreibt US-Autor Philip Roth in seinem Bestseller „Der menschliche Makel“ (verfilmt mit Anthony Hopkins und Nicole Kidman). Besser: Roth lässt sein alter ego Nathan Zuckerman die Szene beim Tanglewood Music Festival schildern, wo Bronfman Sergej Prokofjews Zweites Klavierkonzert spielt (so wie nun im Musikverein). Zuckerman gibt sich dabei einer morbiden Fantasie hin, stellt sich vor, wie viele Musikfreunde hier im idyllischen Massachusetts bis zum Jahr 4000 noch dahingerafft werden würden, sinniert gar über die sich unaufhaltsam verengenden Blutgefässe unter den Baseballmützen, um umso effektvoller den Solisten einzuführen:
„Bronfman der Brontosaurier“
„Dann erscheint Bronfman. Bronfman der Brontosaurier! Mr. Fortissimo! Auftritt Bronfman, der Prokofjew in einem Tempo und mit so viel draufgängerischem Schwung spielt, dass meine Morbidität glatt aus dem Ring fliegt. Er hat einen auffallend massiven Oberkörper, er ist eine Naturgewalt, die sich mit einem Sweatshirt getarnt hat, jemand, der auf die Bühne geschlendert kommt und eigentlich zu einem Zirkus gehört, wo er der Starke Mann ist, und für den der Flügel eine lachhafte Herausforderung der gewaltigen Kräfte darstellt, über die er verfügt.“ Und Roth fährt fort: „Ich habe noch nie zuvor jemanden gesehen, der sich einem Klavier so näherte.
Wenn er fertig ist, dachte ich, können sie das Ding wegschmeißen. Er zerschmettert es. Er holt alles heraus. Alles, was da drin ist, muss raus und dabei die weiße Fahne schwenken. Und wenn das geschehen ist, wenn alles, auch die letzte der letzten Schwingungen, offen liegt, erhebt er sich und geht und hinterlässt uns unsere Erlösung. Ein lässiges Winken, und dann ist er plötzlich verschwunden, und obgleich er all sein Feuer mitnimmt, als wäre er eine Urkraft wie Prometheus, erscheint uns unser Leben jetzt unauslöschlich. Niemand wird sterben, niemand – nicht, wenn es nach Bronfman geht.“
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Wolfgang Schaufler
Wolfgang Schaufler ist internationaler Promotion-Manager und Mitglied des Artistic Committees bei der Universal Edition in Wien.
Montag, 10. März 2008
Yefim Bronfman
Konzertprogramm