
Manfred Honeck wirkt überall durch das Persönliche. Dabei ist aber nichts Spektakuläres um ihn, er besticht vielmehr durch Identifikation mit seiner Sache. Er hat etwas Leuchtendes. Und er bringt Freude ans Pult mit, strahlt eine Dankbarkeit aus, sich in den Dienst des Werkes stellen zu dürfen. Er zeigt nicht aufs Machen der Musik, sondern evoziert sie als Teil von etwas anderem: seine Musik kommt von woher und will wohin – und so erfassen wir seine Kunst der Interpretation als eine transitorische. Sie scheint in vollem Bewusstsein ihrer Vergänglichkeit zu geschehen, macht sich deshalb in der Tiefe fest und sucht den Weg nach oben. Merkwürdig, dass gewisse Musik unter den Händen dieses Dirigenten sich geradezu mühelos offenbart, und andere, die sich in diese vertikale Linie nicht unmittelbar stellt, einen eigenartigen Status gewinnt – als würde sie im Vorgang der Interpretation auf einen persönlichen Prüfstand gestellt. Als würde sie – und das ungemein diskret – gewogen und auf ihr wahres Gewicht hin abgetastet.
Zwischen Verhüllung und Offenbarung
Dieser Prozess scheint ein markantes Moment der Interpretationsarbeit Manfred Honecks zu sein: Er stellt Fragen an die Werke, die er realisiert und auf ihre Botschaft hin öffnen will. Damit ist in seiner Arbeit etwas Teleologisches. Und das wiederum ist ein dialektisches Phänomen: denn wie weit darf Interpretation Geheimnisse lüften und wie stark muss sie Botschaften vermitteln? Honecks Zugriff auf die Werke gibt den Eindruck, als verstehe er sich in dieser Spannung zwischen Verhüllung und Offenbarung, denn Gott ist nicht offenbar, er ist ein „deus absconditus“, ein im Werk verborgener Gott, den man finden und erkennen muss. Und manchmal sogar er-finden. Wo die musikalische Faktur gar zu säkular und vordergründig ist oder sich gibt, muss man ihr eine höhere Dimension aus der eigenen Vermittler-Seele auftun.
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Georg-Albrecht Eckle
Georg-Albrecht Eckle lebt in München und ist Autor und Regisseur – mit einem besonderen Akzent auf dem Dialog zwischen Wort und Musik.
Mittwoch, 26. Mai 2010
Pittsburgh Symphony Orchestra
Konzertprogramm
Donnerstag, 27. Mai 2010
Pittsburgh Symphony Orchestra
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