
Johanna! Auf der Bühne hat Johanna Wokalek die Johanna noch nicht gespielt – nicht Schillers Jungfrau von Orléans, nicht Brechts heilige Johanna der Schlachthöfe, nicht die Jeanne von Shaw und nicht jene von Anouilh. Dass die Begegnung mit „dieser faszinierenden Frauengestalt“ nun im Konzertsaal auf sie zukommt, betrachtet sie als glückliche Fügung. Und als besonders spannend erlebt es Johanna Wokalek, „das jetzt und so zu machen“ – nämlich „musikalisch“ und in einer so kühnen Dramenform. „Ich finde ganz aufregend“, sagt sie, „wie wild und grenzüberschreitend da mit den Elementen gespielt wird, musikalisch, aber auch von Claudel, dem Dichter.“
So präzis wie leidenschaftlich
Johanna! Typisch für Johanna Wokalek ist sicherlich, dass sie nicht bloß ihre Rolle im Blick hat, wenn sie – Monate vor der Aufführung – so präzis wie leidenschaftlich über Honeggers „Jeanne d’Arc“ spricht. Sie erschließt, erlebt, erfüllt ihren Part als Teil eines Ganzen, und diesem Ganzen wendet sie sich ganzheitlich zu: mit der Schärfe des Intellekts genauso wie mit den feinen Membranen für die Schwingungen der Seele. Honeggers Musik bewegt da vieles. Als „unglaublich mitreißend“ erlebt Johanna Wokalek diese Musik, „auch emotional sehr aufwühlend und berührend“, aber es ist eben nicht nur die Musik allein, sondern das Ganze, angefangen beim grandiosen szenischen Aufriss Paul Claudels, der Johannas Geschichte aus einem Moment heraus „aufspannt“. „Wie Johanna da steht auf dem Scheiterhaufen – zwischen Leben und Tod zieht ihr Leben noch einmal in Bildern an ihr vorüber. Ihre letzten Wort sind: ,Es ist die Liebe, sie ist die Stärkste! Es ist ein Gott, er ist der Größte!‘“
Klicken Sie hier, um den ganzen Beitrag anzuzeigen Dr. Joachim Reiber ist Chefredakteur der Zeitschrift „Musikfreunde“ und Programmheftredakteur der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Donnerstag, 17. Juni 2010
Joachim Reiber
ORF RSO Wien
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