

Schon beim Eröffnungskonzert waren die Zuhörer nicht nur von der Architektur beeindruckt. Sie erlebten auch die Akustik des Großen Musikvereinssaales als wahres Wunderwerk. Das Staunen hält bis heute an. "Wenn es nach dem Großen Musikvereinssaal ginge, hätte man das Mikrofon nicht zu erfinden brauchen", schrieb Hans Weigel zum 100. Geburtstag des Hauses.
Was ist es, was die Musik im Großen Musikvereinssaal so schwingen läßt? Worin liegt es, das Geheimnis des Goldenen Klangs im Goldenen Saal? "Zum Teil", meinte der Wiener Kritiker Theodor Helm schon nach dem Eröffnungskonzert, "ist dieser faktische Erfolg reine Glücksache (leider läßt sich die Akustik noch immer nicht genau vorhersagen oder berechnen), andrerseits das unleugbare Verdienst des trefflichen Architekten Hansen ..." Helm lag mit dieser Feststellung goldrichtig.
Denn tatsächlich sind die hervorragenden Klangeigenschaften des Großen Musikvereinssaales nicht das Ergebnis strenger Empirie, wurden doch wissenschaftliche Untersuchungen zur Akustik erst Jahrzehnte später systematisch angestellt.
Der Goldene Klang im Goldenen Saal ist, so gesehen, wirklich "Glücksache". Andererseits - und auch hier hatte Helm recht - ist das akustische Wunderwerk eine unmittelbare Folge des architektonischen Meisterwerks. Entspricht schon die Quaderform des Saales der akustisch besten Grundstruktur eines Konzertsaals, so sorgen die raumgliedernden Elemente - Kassettendecke, Balkone, Karyatiden - für eine optimale Streuung der Schallwellen.
Weitere klangfreundliche Details kommen hinzu: Ein Hohlraum unter dem hölzernen Boden sorgt - ähnlich wie bei einer Geige - für einen resonierenden Untergrund, und auch die aus Holz konstruierte Decke, die nicht einfach aufliegt, sondern am Dachstuhl aufhängt, läßt den Klang im Saal vorteilhaft schwingen. Über all diese Dinge machen sich die Fachleute bis heute ihre Gedanken.
Noch immer ist der Goldene Saal ein Mekka der Akustiker, die aus aller Welt hierher pilgen. Denn wo sonst ließe sich die magische Verbindung von Klang und Raum besser studieren als im Großen Musikvereinssaal?