

Schon beim Eintritt umfängt einen die Geschichte. Im Foyer erinnern Gedenktafeln an prägende Persönlichkeiten aus der Historie des Musikvereins - an Josef Sonnleitner, die treibende Kraft bei der Gründung, an Erzherzog Rudolf, den ersten Protektor, an Erzherzog Eugen, der ihm später in dieser Funktion folgte.
Auch die Namen der Stifter sind hier verzeichnet - eine stattliche Reihe, die sich aus dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart fortsetzt. Prägnant faßt sie ins Bild, wieviel private Zuwendung dem Musikverein seit je zuteil geworden ist.
Eine der Tafeln erinnert an den Architekten und Hansen-Schüler Ludwig Richter, der 1911 den größten Umbau in der Geschichte des Musikvereinsgebäudes leitete. Vier Jahrzehnte nach der Eröffnung waren dringend Änderungen notwendig geworden.
Die symphonischen Klangmassen eines Gustav Mahlers hatten die Vergrößerung des Podiums erforderlich gemacht, die Karyatiden, die bis dahin vorne an den Logenbrüstungen plaziert gewesen waren, sollten nach hinten versetzt werden und so den Blick aufs Podium freigeben, und vor allem mußten neue Zu- und Abgänge geschaffen werden. Man zog damit auch im Musikverein die Konsequenz aus dem Ringtheaterbrand von 1881.
Bei dieser Katastrophe war erschreckend klar geworden, dass Säle, die nicht über einen Mittelausgang verfügten, ein hohes Sicherheitsrisiko darstellten. Der alte Große Musikvereinssaal aber war ein Saal dieses Typs. Hansen hatte lediglich einen rückwärtigen, im Bereich des heutigen Stehplatzes gelegenen Zu- und Abgang geschaffen.
Diese ästhetisch ansprechende Lösung mußte revidiert werden. Die Haupttreppen wurden von der Front in den Mittelteil verlegt, die umgebauten Treppen im vorderen Teil des Hauses eröffneten gesonderte Zugänge zu den höhergelegenen Rängen beider Konzertsäle. Das dadurch vergrößerte Foyer bot nun mehr Platz für Garderoben.
Im Zuge einer umfassenden Generalsanierung des Hauses (1984-1987) kam ein zusätzliches Büffet hinzu. Auch damit trug man Veränderungen des Konzertlebens Rechnung: Denn als das Musikvereinsgebäude errichtet wurde, gab es die heute übliche Konzertpause noch nicht. Man entschied nach Belieben, ob man das ganze Konzert hören wollte oder nur das eine oder andere Stück. Für Pausenräume bestand zunächst kein Bedarf.
Beim Umbau 1911 tauschten auch vier stattliche Musikerstatuen ihren Platz. Bach, Gluck, Mozart und Weber, modelliert von Vinczenz (?) Pilz, wechselten von der Front des Musikvereinsgebäudes ins Innere des Foyers. Büsten von Brahms, Wagner und Schubert gesellten sich zu ihnen, während an den Stiegenaufgängen Clara Schumann (dargestellt von Friedrich Christoph Hausmann 1896) und Franz Liszt (porträtiert von Caspar Zumbusch 1867) ins Blickfeld des Musikfreunds treten.
Im Seiteneingang hat die 1921 von Anton Dietrich geschaffene Beethoven-Skulptur Platz gefunden. Leonard Bernstein erwies ihr gerne seine Reverenz. Auf dem Weg in den Goldenen Saal versäumte er nur ungern eine Umarmung mit Beethoven.