"Um nicht zu viel zu versprechen, es ist der schönste, prunkvollste, repräsentativste Kammermusiksaal geworden, den unsereins irgendwo auf der Welt kennt." So schrieb eine Wiener Tageszeitung im Oktober 1993, als der Brahms-Saal nach aufwendigen Renovierungsarbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Die Überraschung war perfekt. Man erlebte einen völlig neuen Saal. Denn anders als der Große Musikvereinssaal hatte der Brahms-Saal sein Gesicht im Lauf der Zeit recht stark verändert. Wann und wie er zu jener leicht tristen Schummrigkeit gekommen war, in der die Musikfreunde ihn vor 1993 kannten, ließ sich nicht genau eruieren. Aber fest stand, dass er einst ganz anders ausgesehen haben musste. In den "Blättern der Erinnerung an den Bau und die Eröffnung des neuen Hauses der Gesellschaft der Musikfreunde" wurde der Kleine Saal, wie er damals noch hieß, als ein "wahres Schatzkästlein" beschrieben.
"Der Kleine Saal ist der liebliche Gegensatz des großen. Fast möchte man ihm den Preis zuerkennen in seiner Ruhe und einfachen Erhabenheit ..." Die Gesellschaft der Musikfreunde ließ sich auf ein Wagnis ein, als sie 1992 beschloss, das einstige "Schatz-Kästlein" wiederherzustellen. Denn wie der Kleine Saal 1870 wirklich ausgesehen hatte, wusste auf Anhieb niemand zu sagen. Doch dann brachte ein Archiv-Fund Licht ins Dunkel: Zwei Originalentwürfe aus dem Kupferstichkabinett der Wiener Akademie der Bildenden Künste zeigten den Kleinen Saal in überraschend farbigem Dekor. Akribische Schichtenuntersuchungen im Saal bestätigten die Entdeckung. Grüne Wände, rote Säulen und viel Gold - so musste der Brahms-Saal einst ausgesehen haben, und so präsentiert er sich heute.
Die Renovierung tauchte den Brahms-Saal erneut in die satte Vielfarbigkeit der "griechischen Renaissance", passend zu den architektonischen Anspielungen auf das klassische Hellas, das Tempeldach, die ionischen Säulen und Karyatiden. Clara Schumann spielte hier 1870 das erste Konzert - auf Veranlassung von Johannes Brahms. Auch er betrat als Pianist oft dieses Podium, viele seiner Werke erklangen hier zum ersten Mal. So war es nur konsequent, dass man den Saal 1937, zur 125-Jahr-Feier der Gesellschaft, nach ihm benannte. Seither kennen Musikfreunde in aller Welt den "Brahms-Saal" als erste Adresse für Liedkunst und Kammermusik.
Mit knapp sechshundert Plätzen ist er prädestiniert für die intimen Seiten klassischer Musik. Der Klang des Raumes spielt dabei auf ideale Weise mit. Der Brahms-Saal - 32,50 Meter lang, 10,30 Meter breit und 11 Meter hoch - verfügt über eine ähnlich brillante Akustik wie sein großer Bruder, der Große Musikvereinssaal.
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