
Öffnungszeiten des Studiensaals im Archiv
Im Jahr 1913 gewann der Musikverein Platz im eigenen Haus. Die "K.K. Akademie für Musik und darstellende Kunst", 1909 aus dem Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde hervorgegangen, bezog ihr eigenes Gebäude in der Lothringerstraße. So konnte das beengte Archiv des Musikvereins vom Parterre in den zweiten Stock des Hansen-Baus übersiedeln.
Dort befindet es sich noch heute: ein musikhistorisches Himmelreich unter dem Dach des Musikvereins.Die Schätze, die dort lagern, machen das Archiv - oder, wie man richtigerweise sagen sollte: Archiv, Bibliothek und Sammlungen - zu einer der fünf größten und wichtigsten Musiksammlungen der Welt, vergleichbar nur den staatlichen Bibliotheken von Berlin, Wien, London und Washington.
Wertvoll sind nicht nur die einzelnen Objekte, wertvoll ist auch die Verbindung der Dokumente. Im Musikverein wird seit eh und je umfassend gesammelt: Musikautographe, Manuskripte und Notendrucke, Bücher, Zeitschriften und Briefe, Akten und Dokumente aller Art, Porträts, Plastiken, Graphiken und Photographien, Erinnerungsgegenstände, Tonträger und Musikinstrumente - alles, was die Entwicklung der Musik und des Musiklebens bezeugt.
Dass die Sammelleidenschaft schon 1812 erwachte, erwies sich ebenfalls als Glück. Denn damals waren wertvollste Dokumente noch wohlfeil zu haben. Die Musikfreunde griffen zu, als die Auflösung alter Adelskapellen kostbares Notenmaterial freisetzte. Sie sicherten sich mit der Bibliothek des Musikgelehrten Ernst Ludwig Gerber 1814 den ersten geschlossenen Nachlaß. Und sie boten erfolgreich mit, als 1827 Beethovens Hinterlassenschaft versteigert wurde.
Die Sammlung nahm rasch einen unglaublichen Aufschwung. Allein 1834 wurden neunzig Kisten zu je 250 Kilogramm ins Archiv geschafft. Inhalt: Erzherzog Rudolfs gesamte Musikbibliothek mit unschätzbaren Beethoven-Dokumenten.
Eine andere Schenkung brachte 1870 das vielleicht bekannteste Beethoven-Manuskript hierher: die Abschrift der "Eroica"-Partitur mit der vom Komponisten ausradierten Widmung an Napoleon. Ähnlich prominent sind auch die anderen Meister der Wiener Klassik vertreten: Wolfgang Amadeus Mozart etwa mit dem Autograph des d-Moll-Klavierkonzerts KV 466 und der g-Moll-Symphonie KV 550, Haydn mit den "Sonnenquartetten".
Von Schubert besitzt die Gesellschaft neben anderen Kostbarkeiten die autographen Partituren aller Symphonien (mit Ausnahme der Fünften). Johannes Brahms wollte gar seinen gesamten Nachlaß an Noten und Büchern im Archiv des Musikvereins wissen, wie später dann Gottfried von Einem.
Die Liste berühmter Namen läßt sich fast beliebig fortsetzen. Bruckner und Mahler, Schumann und Mendelssohn Bartholdy, Johann Strauß, Joseph Lanner und Franz von Suppé, Hugo Wolf und Richard Strauss, Max Reger und Franz Schmidt, Anton Webern und Alban Berg - sie alle sind mit wertvollen Dokumenten im Archiv vertreten.