Die "vorhandenen classischen Werke zur Aufführung" zu bringen: das war, laut den ersten Statuten der Gesellschaft, das erklärte Ziel der Konzertplanung. Dieser Maxime fühlt sich der Musikverein noch heute verpflichtet. Doch damals wie heute bedeutet das Bekenntnis zum "Klassischen" keine Absage an die Gegenwart.
Im Gegenteil: Der Musikverein ist seit je auch ein Forum des Neuen, ein Ort der Uraufführungen. Symphonien von Brahms und Bruckner, Tschaikowskijs Violinkonzert und Mahlers "Kindertotenlieder", Walzer von Johann Strauß und Lieder von Hugo Wolf, Ravels Klavierkonzert für die linke Hand und Schönbergs "Verklärte Nacht", Chor- und Orchesterwerke von Richard Strauss, Weberns "Passacaglia" und Kompositionen Alban Bergs erlebten im Musikvereinsgebäude ihre Premiere. Die Reihe setzt sich fort bis in die Gegenwart.
Denn die Gesellschaft fördert Neues auch gezielt, vor allem mit der Vergabe von Kompositionsaufträgen. Klassik und Moderne, Alte und Neue Musik verbinden sich zu einem Programmangebot, das den Musikverein als einen der international führenden Konzertveranstalter ausweist. Saison für Saison sind es rund dreißig Konzertzyklen, die der Musikverein seinen Mitgliedern im Abonnement anbietet.
Wiens Musikenthusiasten schätzen dabei die etablierten Konzertreihen wie "Die Große Symphonie", das "Goldene Musikvereinsabonnement" und die drei "Meisterinterpreten"-Zyklen ebenso wie Nikolaus Harnoncourts "Concentus Musicus"-Serien, den auf Zeitgenössisches spezialisierten Zyklus "Kontrapunkte" oder den höchst erfolgreichen Kinder-Zyklus "Allegretto". Über 30 verschiedene Abonnementzyklen werden in den historischen Sälen und fast ebenso viele in den Vier Neuen Sälen angeboten.
Alles in allem finden im Musikverein rund 800 Konzerte im Jahr statt - 800 Gelegenheiten also, den Musikverein von seiner besten Seite zu erleben.
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